Von Sven Hering

DSDA – Döbern sucht den Amtsdirektor. In Anlehnung an das RTL-Superstar-Format hat die Wahl eines neuen Verwaltungschefs für Döbern-Land – oder besser der Versuch derselbigen – längst das Potenzial für eine TV-Show. So gibt es spannende Wendungen, immer wieder auftauchende Protagonisten und Taktierereien hinter den Kulissen.

So sorgte am Montag vor allem der SPD-Mann Martin Bleidießel dafür, dass die Suche nach einem neuen Amtsdirektor zumindest um ein weiteres Kapitel bereichert worden ist. Denn der Rechtsanwalt, der auch Mitglied im Amtsausschuss ist, warf nur wenige Stunden vor der Sitzung des Gremiums seinen Hut in den Ring – und bewarb sich kurzerhand einfach selbst.

Das war, so erklärte der Ausschuss-Vorsitzende Egbert S. Piosik, rein rechtlich möglich. Zwar wurden die Interessenten per Ausschreibung aufgefordert, ihre Unterlagen bis zum 17. März einzureichen. Doch weil in dem Ausschreibungstext später eingehende Bewerbungen nicht explizit ausgeschlossen wurden, war die späte Bewerbung Bleidießels zugelassen. „Theoretisch“, so Piosik am Dienstag gegenüber der RUNDSCHAU, „hätten sich auch noch andere Kandidaten bewerben können.“

Das Pikante an der Kandidatur Bleidießels war allerdings: In seiner Funktion als Ausschussmitglied hatte er in den vergangenen Wochen die Möglichkeit, die Bewerbungsunterlagen seiner Mitbewerber zu studieren. Das stieß wiederum einigen Ausschussmitgliedern auf, die dadurch einen Vorteil Bleidießels sahen. Eine rechtliche Bewertung dieser Frage soll deshalb nun die Kommunalaufsicht vornehmen. Erst dann soll gewählt werden.

Bleidießel selbst sieht das unkritisch. „Ich kann mir gar keinen Vorteil verschaffen“, sagte er am Dienstag auf Nachfrage. So hatte er sich gleich zu Beginn der Ausschusssitzung für befangen erklärt. Gegenüber der RUNDSCHAU bestätigte der Rechtsanwalt noch einmal, dass er am Wochenende von Mitgliedern des Ausschusses um die Kandidatur gebeten worden sei. Danach habe er um 24 Stunden Bedenkzeit gebeten. Schließlich hänge von diesem Schritt auch die Zukunft seiner Kanzlei ab. Am Montag dann habe er seine Bewerbung eingereicht.

Bleißdießels Wunsch bis zum Donnerstag, wenn der Ausschuss erneut zusammenkommt: die Rückkehr zur Sachlichkeit. „Die Emotionalität, die aufgebaut worden ist, ist absolut kontraproduktiv“, sagt er.