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| 17:25 Uhr

Unesco-Geopark Muskauer Faltenbogen
Von Erdölproduktion biszum Hufschmied-Urenkel

Anna und Max Karge bestaunen Relikte ihrer Heimatgeschichte.
Anna und Max Karge bestaunen Relikte ihrer Heimatgeschichte. FOTO: Angela Hanschke
Klein Kölzig/Groß Kölzig. Geopark-Sonntag entführt etwa 50 Wanderer in die Industriegeschichte der Region Döbern. Von Angela Hanschke

Seit einem knappen Jahrzehnt sind neben den Führungen mit Uwe Eppinger durch die Klein Kölziger Alte Ziegelei die Wanderungen mit der Groß Kölziger Arbeitsgruppe „Heimatstube und Heimatforschung“ die Anziehungspunkte während des Geopark-Sonntags. Erstmals standen in diesem Jahr jedoch nicht  Landschaft, Geologie und der ehemalige Bergbau im Fokus, sondern die größtenteils der Vergangenheit angehörigen Industriegeschichte der Region. Rund 50 Wanderfreunde brachen am Vormittag gemeinsam auf, um eine Zeitreise durch den nördlichsten Teil der ehemaligen Industrieregion Döbern anzutreten.

Wolfgang Grätz sowie Andreas Müller und Doris Frankowiak vermittelten mit ihren lebendigen, durch intensive Recherche historischer Quellen bestens untersetzten Schilderungen und historischen Fotos die Geschichte einer – besonders für jüngere Besucher – geradezu unglaublich vielseitig aufgestellten Infrastruktur. „Nicht zu vergleichen mit dem Ruhrgebiet, mit den Regionen Halle/Leipzig oder Senftenberg“, wie Wolfgang Grätz relativierte. „Aber dennoch ein kleines Industriegebiet, das seine Einwohner redlich nährte“. Fach- und Hilfskräfte wurden auch aus anderen Teilen Deutschlands sowie Europas angezogen und wurden schließlich auch hier ansässig. Ohne die Braunkohle ging nichts. Dennoch bildeten in der Stauchendmoräne des Muskauer Faltenbogens auch die Lagerstätten des tertiären Flaschentons und der feinkörnige tertiäre Quarzsand die Grundlage jener gründerzeitlichen  Erfolgsstory.

Die dreistündige Exkursion begann am ehemaligen Minol-Tanklager. Anfang der 1970er-Jahre seien bei Probebohrungen Erdöllagerstätten erkundet worden, führte Andreas Müller aus. An zwei Standorten wurde Erdöl in Groß Kölzig abgefördert. Auch in Gosda II, Raden und Bahren wurde man fündig. Per Lkw und Tankwagen, später mittels Rohrleitung floss das zähflüssige „Gold“ von den zwölf Förderstellen zum Tanklager.

Dicht drängten sich einst die Firmensitze im Groß Kölziger Meilerweg. Nur nach Hinweisen durch die drei Heimatfreunde erschloss sich den Wanderern die ursprüngliche Nutzung. Doris Frankowiak zeigte auf die Hausnummer 10, in dem sich einst eine Glasschleiferei befand. Ein Grundstück im Meilerweg 8 mit gekreuztem Hammer und Schlägel an der verputzten Fassade wird immer noch als „Beamtenhaus“ der Grube Felix/Bohsdorf bezeichnet. Unmittelbar daneben, wo inzwischen die Firma Elektrotechnik Müller ansässig ist, hat der Bodendenkmalpfleger Andreas Müller  Glasziegel und Glasschmelzen freigelegt. „Ganz schön schwer“, stellten die jüngsten Mitwanderer Anna (7) und Max Karge (11) fest. Im Jahre 1904 eröffnete Clemens Ottlinger – Nachkomme einer weitverzweigten, ursprünglich böhmischen Glasmacherdynastie – die Groß Kölziger „Tafelglashütte Ottlinger“. Der erste Waggon mit „Felix-Briketts“ wurde im Jahre 1897 von Groß Kölzig nach Berlin verschickt.

Längst hat die Natur das Gelände der bis zum Jahre 1919 betriebenen Brikettfabrik der Grube Felix/Bohsdorf zurückerobert. Vergessen ist auch der Gerichtsstreit, den die Betreiber der einstigen Groß Kölziger Ziegelei gegen die Brikett-Produzenten führten, weil Rußpartikel den Ton zur Herstellung der begehrten gelben Klinkersteine verunreinigten.

Ein Firmenname reihte sich während der Exkursion an den anderen. Eines einte jedoch die Unternehmen: Sie wurden allesamt mittels Dampfmaschine auf Kohlebasis betrieben und besaßen einen Gleisanschluss zum Groß Kölziger Bahnhof.

An der Ecke Meilerweg/Forster Straße  verweist ein Schild auf die Metall- und Transport-Gerätebau Fielitz GmbH, die im Jahre 1901 durch den Hufschmied Paul Fielitz gegründet wurde. Produziert wurden anfangs Transportgeräte für Post und Bahn sowie Erzeugnisse für Bergbau, Glas- und die Forster Textilindustrie. Es ist das einzige Unternehmen, das die verschiedenen gesellschaftlichen Umbrüche überstand und inzwischen von Volker Fielitz, dem Urenkel des Gründers, geleitet wird.

Am Sonntag öffnete Seniorchef Peter Fielitz gastfreundlich die Produktionshalle für die Neugierigen. Unter ihnen auch Heike Balzer vom Döberner Heimatverein. „Diese Industrieobjekte waren mir bislang unbekannt“, sagte sie. Werner Jurk aus Dresden, der einst bei Wolfgang Grätz die Schulbank drückte, war begeistert: „Vieles konnte ich heute auffrischen“.