Tim Ole ist erst fünf. Im nächsten Sommer kommt er in die Schule, darauf freut er sich schon. Am gestrigen Mittwoch hat der Junge aus Reuthen gemeinsam mit Mutti Susanne Methner jedoch schon einmal kurz im Unterricht der 2. Klasse gesessen. Das war aufregend - aber auch sehr aufschlussreich, sagt die Reuthenerin. Sie möchte ihren Sohn gern in Wadelsdorf zur Schule schicken, "weil uns das Konzept gefällt, die Angebote für die Nachmittagsbetreuung interessant sind und die gesamte Atmosphäre in der Schule sehr angenehm ist."

Für solche Eltern, die bei einem Tag der offenen Tür mehr sehen wollen als eine Auflistung aller Schulprojekte, ist dieser Tag in Wadelsdorf gemacht. "Wir wollen den Eltern nicht nur fertige Projekte vor die Nase setzen, sondern sie den Alltag in der Schule miterleben lassen", erklärt Schulleiterin Heike Pfeiffer. Manchmal hätten Eltern erst dadurch richtig verstehen können, was zum Beispiel die Flexklassen sind. Deshalb öffnet die Wadelsdorfer Schule seit vier Jahren nicht - wie anderswo - sonnabends, sondern mitten in der Woche ihre Pforten. Bis abends um 18 Uhr können Eltern mit ihren Kindern vorbeikommen. "Oder nach Absprache an einem anderen Tag", so Heike Pfeiffer.

Für die Grundschule im Grünen, die auch Erfahrungen mit der Integration behinderter Kinder hat, geht es mit der Einschulung im Sommer 2013 um alles. Im vergangenen Jahr waren in Wadelsdorf nicht ausreichend Schüler für eine 1. Klasse vorhanden. Im kommenden Jahr muss nun unbedingt wieder eingeschult werden, um die Schule vor der Schließung zu bewahren.

Theoretisch ist das sogar möglich: Denn mit dem Aus in der Grundschule Schacksdorf hat das Amt Döbern seine Schulbezirke geändert. Außer die Kinder aus Hornow-Wadelsdorf und der Gemeinde Felixsee sollen nun auch die Kinder aus der Gemeinde Wiesengrund in Wadelsdorf zur Schule gehen. Insgesamt wäre damit eine Klasse mit 23 Kindern gesichert. Doch leider gibt es noch ein großes Aber: Denn derzeit ist noch keine direkte Busverbindung aus den Dörfern der Gemeinde Wiesengrund nach Wadelsdorf gesichert. Vorgesehen ist eine Busanbindung, bei der die zirka zehn betroffenen Kinder in Bohsdorf-Vorwerk nahe einer viel befahrenen Landesstraße umsteigen müssten. Doch das schreckt die Eltern aus Wiesengrund ab. Sie wollen ihren Kindern nicht diesen Schulweg zumuten.

Beim Landkreis Spree-Neiße, der für die Schülerbeförderung verantwortlich ist, hat man derzeit trotz vieler Elternproteste noch keine bessere Lösung parat. Nach den Verhandlungen mit dem Spree-Neiße-Verkehr kann Fachgebietsleiter Gert-Dieter Andreas bisher kein anderes Versprechen machen: "Wir werden die Schüler satzungsgemäß innerhalb der vorgeschriebenen Zeit von 45 Minuten an den Schulort befördern. Das kann aber auch einen Umstieg einschließen", sagt er auf RUNDSCHAU-Anfrage.

Für die Hornow-Wadelsdorfer Bürgermeisterin kann das noch nicht das letzte Wort sein. "Wir werden auf jeden Fall weiter kämpfen", sagt sie. Die Gemeinde will noch eins draufsetzen, um Familien die Wahl für die Wadelsdorfer Schule zu erleichtern: Die Kommune übernimmt die Kosten für das Mittagessen für alle Erstklässler.