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Von Puppenhaus bis Dederonkleid

Dietmar und Rosemarie Mustroph aus Forst mit ihrem Puppenhaus und dem Tierparkzaun, den sie aus abgebrannten Silvesterraketenstäben bastelten.
Dietmar und Rosemarie Mustroph aus Forst mit ihrem Puppenhaus und dem Tierparkzaun, den sie aus abgebrannten Silvesterraketenstäben bastelten. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. "Ach, das hatten wir auch." Oder: "Das habe ich doch auch gebastelt. Steffi Ludwig

Alle Leihgeber waren eingeladen worden. Laut Angela Maaß, Geschäftsführerin des Museumsvereins Forst, waren nicht nur Forster gekommen, sondern auch Leihgeber aus Görlitz, Bautzen oder dem niedersächsischen Sulingen - Letztere sind ehemalige Forster. Mehrere Aufrufe, auch in überregionalen Medien, hatten für das große Echo gesorgt. "Mindestens aus der halben ehemaligen DDR" hätten sich Leihgeber gemeldet, sagte Museumsleiterin Michaela Zuber. Sie begründet das große Interesse einmal mit der Wertschätzung dessen, was selbst angefertigt wurde, und der besonderen Erinnerung, die jeder mit den Stücken verbinde.

Und die Kreativität sei zu DDR-Zeiten groß gewesen, da es an vielen Dingen mangelte. Die Ersatzbeschaffung per Tauschgeschäft sei gerade bei technischen Geräten nicht immer legale Wege gegangen, schmunzelte sie. Für das Nähen von Textilien wurden auch gern andere Dinge wie Gardinen weiterverwendet.

Wie gut das aussehen konnte, war in der Modenschau zu sehen, die zur Eröffnung im Innenhof des Museums gezeigt wurde. Eines der Models war Geschäftsführerin Angela Maaß selbst, und das selbst genähte Kostüm, das sie zeigte - für dessen Bluse eine alte Übergardine einer Tante aus dem Westen genutzt worden war - sorgte für begeistertes Lachen unter dem Publikum. Aber auch ein Dederonkleid von 1955 oder ein selbst genähter Jeansrock aus Stoff, der im sächsischen Neugersdorf produziert wurde, waren bei der Schau zu sehen. Drinnen freuten sich die Forster Dietmar und Rosemarie Mustroph über ihr ausgestelltes, vor 35 Jahren für ihre Tochter gezimmertes Puppenhaus. Den Zaun und die Gebäude eines Tierparks hatte Dietmar Mustroph aus Stäben gezündeter Silvesterraketen gebaut. Auch Familie Noatsch aus Lübbenau hat mehrere Dinge beigesteuert, unter anderem ein umgefärbtes Hochzeitskleid und einen Rock.

Für Staunen sorgte ein Couchtisch, den der Opa von Rudolf Kuttner aus Falkenberg 1960 aus "Abfallplatten" der Exportverpackung von Elektrogeräten gebaut hatte. Oder das Tischbillardspiel, das der Opa eines nicht genannten Leihgebers herstellte. "Opa hat auch fast immer gewonnen", steht dabei.

Die Ausstellung ist bis 19. November in Forst zu sehen.