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"Von mir aus kann sie fahren"

Nahmen alle Teile von Kessel und Lok genau unter die Lupe: Hans Förster (r.) und Sven Schlenkrich.
Nahmen alle Teile von Kessel und Lok genau unter die Lupe: Hans Förster (r.) und Sven Schlenkrich. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Gestern wurde die Lok der ehemaligen Forster Stadtbahn Schwarze Jule einer Kesselprüfung unterzogen. Ergebnis: Ihr Zustand ist so gut, dass eine Aufarbeitung für eine Inbetriebnahme möglich ist. Doch vorerst wird über die weitere Unterbringung der Bahn im oder am Textilmuseum diskutiert. Steffi Ludwig

Mit Taschenlampe, Lappen und anderen Gerätschaften bewaffnet machen sich Hans Förster (73) und Sven Schlenkrich (34) über den Kessel der Schwarzen Jule her, leuchten hier, prüfen dort. Der Kesselprüfer aus Dresden hat in seinem Leben schon einige Loks begutachtet, und auch der Maschinenbauingenieur aus der sächsischen Landeshauptstadt ist auf Dampflokinstandhaltung spezialisiert.

Umso erfreulicher das Ergebnis, das Hans Förster dann in breitem Sächsisch verkündet: "Von mir aus kann sie fahren." Der Zustand der Lok sei so gut, dass er eine Aufarbeitung für eine mögliche Inbetriebnahme zulasse. "Einige Arbeiten sind natürlich noch zu machen, beispielsweise muss ein Deckenstehbolzen gewechselt werden", erklärt er. Die Korossion sei jedoch im Maß der Dinge, und die Kesselwand sei sogar dicker als verlangt, was als sehr gut einzuordnen sei. "Vor über 100 Jahren hat man eben für die Ewigkeit gebaut", sagt Förster schmunzelnd.

Das Ergebnis des Fachmanns freut das kleine Grüppchen, das ins Feuerwehrgerätehaus in der Hochstraße gekommen ist, wo die Jule seit 2012 als Leihgabe des Dresdner Verkehrsmuseums steht. 1965 hatte die Bahn ihre letzte Fahrt in Forst absolviert und seitdem im Museum gestanden. Ihr Verbleib hatte nicht nur Forster interessiert: Der Dresdner Ralf Hauptvogel, der sich als "Freund der Jule" beschreibt, schlich jahrelang im Museum um die Lok, weil sie anders aussah als eine Dampflok. "Und seit sie nach Forst kam, bin ich auch hier zugange", sagt er.

So wirkte er auch bei der Vorbereitung der Kesselprüfung mit. Dass diese in Forst stattfinden kann, hatte Christian Menzel in die Bahnen geleitet. Mit dem akademischen Mitarbeiter vom Fachbereich Eisenbahn und Straßenwesen der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg war die Stadt Forst in Kontakt gekommen - im Zuge der Machbarkeitsstudie zur Weiterentwicklung des Textilmuseums und der möglichen Integration der Schwarzen Jule. "Er hatte angeregt, dass die Schwarze Jule vielleicht doch fahrbar ist, das hätte ich nicht mehr gedacht", berichtet Verwaltungsvorstand Sven Zuber. Bereits eine Bachelorarbeit von BTU-Student Martin Theinert hatte sich mit der Wiederinstandsetzung der Schwarzen Jule und dem Gleisnetz befasst. "Deshalb wollten wir jetzt sehen, wie der technische Zustand der Lok ist, den sich seit 1965 niemand mehr angeschaut hatte", so Christian Menzel.

Er ist positiv angetan vom Ergebnis, ebenso Kristian Schmidt, Vorsitzender des Forster Museumsvereins. Ob es wirklich eine Option ist, müsse diskutiert werden. "Der erste Schritt ist aber eine gesicherte Unterbringung", sagt er. Darüber wird bald gesprochen. Denn laut Sven Zuber haben die drei Gutachter die Machbarkeitsstudien für das Textilmuseum - die Unterbringung der Jule ist ein Teil davon - fertiggestellt. "Wir entwickeln daraus gerade eine Vorlage", so Zuber. Auch die neuen Ergebnisse sollen einfließen, erforderten sie doch andere Überlegungen der Unterbringung. Erste Präsentation ist am 14. November im Kulturausschuss, am 9. Dezember entscheiden die Stadtverordneten.