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Von der "Rhythm & Blues Hall of Fame" direkt nach Forst

Mitch Ryder spielt mit Engerling sein neues Album im Forster Manitu.
Mitch Ryder spielt mit Engerling sein neues Album im Forster Manitu. FOTO: Margit Jahn/mjn1
Forst. Wie in all den Jahren zuvor tourt der 71-Jährige mit seiner Haus- und Hofband Engerling durch die deutschen Lande, um den grauen, teilweise trostlosen kalten Tagen zu dieser Zeit etwas Wärme einzuhauchen. Diesmal gab es Grund zu feiern: Am 2. Margit Jahn / mjn1

Februar ist Mitch Ryder als einziger lebender Weißer in die "Rhythm & Blues Hall of Fame" aufgenommen worden. Und steht dort zwischen Musikgrößen wie James Brown, Sam Cooke, Michael Jackson, Whitney Houston oder Ray Charles. Am 11. Juni gibt es die feierliche Urkunde dazu.

Nach Forst kam Mitch Ryder mit einer neunköpfigen Crew. Punkt 22 Uhr beginnt das Konzert im Manitu. Seine Frau Megan Levise (55) hat es sich auf einem umgedrehten Flaschenkasten am Mischpult gemütlich gemacht. So hat sie über die prall gefüllte Tanzfläche einen besseren Blick auf die Bühne. Mitch beginnt mit den leisen Tönen seines neuen in F-moll geschriebenen Liedes "I'll Sing You A Song" aus seiner neuen CD "Stick This In Your Ears". Das Cover ziert ein Bild seines ehemaligen kleinen Hundes "Pointexter", der nach 17 Jahren nun vom Hundehimmel zuschaut. Die CD, die am 17. Februar frisch erschienen ist, nahm Mitch Ryder, der mit bürgerlichem Namen William S. Levise Jr. heißt, im Herbst mit der Band "Engerling" in Berlin auf.

Ruhig und gelassen steht er an diesem Abend mit seiner dunklen Brille und seinem unverwechselbaren Hut im Manitu auf der Bühne. Ohne Schnick-Schnack, ohne unnötige Bewegungen. Nur mit seinem Schellenring in der Hand begleitet Mitch Ryder dieses Soul-und Balladen dominierende Konzert. Die Zuhörer können sich voll auf die Stimme mit den vielen ruhigen neuen Titeln und die spürbare Harmonie auf der Bühne konzentrieren. Als Mitch dem Publikum von seiner neuen Auszeichnung in der R&B Hall of Fame erzählt, verstehen ihn nicht alle Gäste, es fehlt ein erläuternder Übersetzer.

Bei Titeln wie "Dear Lord", "Rock N Roll" , "Red Scar Eyes" und vielen anderen, singen dagegen viele Fans textsicher mit. In jedem Lied steckt eine persönliche, manchmal schmerzhafte Botschaft. "Werd' niemals Mutter, werd' niemals Vater, Hab' keine Kinder, wenn's an Liebe dir fehlt" heißt es in seinem neuen Lied "Teach Our Children Love" welches er fast am Ende seines Konzertes singt. Satte, wohlklingende Gitarrenakkorde als Intro, ergänzt mit Mitch Ryders und Ricarda Ulms engelhafter Stimme gehen ins Ohr. Eine fantastische CD ist in dieser einmaligen Formation entstanden. Mitch Ryder scheint angekommen zu sein in seinem Leben. Diese Harmonie der neuen Lieder ist wohltuend.

"Bei Mitch's Konzerten bin ich von Anfang an dabei", sagt Steffen Hüttler aus Forst, der es sich mit weiteren fünf Forstern auf dem oberen Balkon in Wohnzimmeratmosphäre gemütlich macht. 91 Autos wurden am Abend vor dem Manitu gezählt, auch weit über dem Spree-Neiße-Kreis heraus sind die Fans angereist.

Nach knapp zwei Stunden Musik nonstop sowie drei Zugaben geht ein unvergesslicher Abend vorbei. Nun heißt es wieder warten bis zum nächsten Winter, wenn Mitch Ryders Weg wieder nach Forst führt. "Mitch mag das Feeling im Manitu", sagt Tourmanager Gert Leiser. Forst war das Vierte von 26 Konzerten, die ihn in knapp sechs Wochen quer durch Deutschland führen. Am 26. Februar feiert er bei einem Konzert im Kap Torgau seinen 72. Geburtstag.