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Vom Schülercafé bis zum Lernen im Spiel

Geschicklichkeit trainieren in der Pause am Bamboleo: Schulsozialarbeiterin Stephanie Rockau (2.v.l.) mit Sandro Seelinder, Oscar Filip und Josephine Rönek (v.l.) im Schülercafé der Grundschule Laubsdorf.
Geschicklichkeit trainieren in der Pause am Bamboleo: Schulsozialarbeiterin Stephanie Rockau (2.v.l.) mit Sandro Seelinder, Oscar Filip und Josephine Rönek (v.l.) im Schülercafé der Grundschule Laubsdorf. FOTO: Ludwig
Neuhausen. Die Schulsozialarbeiter in Spree-Neiße wurden bis 2013 mit dem Modellprogramm "Bildungssozialarbeit" gefördert. Danach wurden die Stellen bewertet und seit 2014 von Landkreis und Kommunen finanziert. Eine Sozialarbeiterin, die bei Schülern, Lehrern und Eltern sehr gut mit ihrer Arbeit ankommt, ist Stephanie Rockau (25) in der Grundschule Laubsdorf. Steffi Ludwig

Mit zittrigen Händen setzen Sandro Seelinder (12), Oscar Filip (8) und Josephine Rönek (9) Holzfiguren auf die blaue, wackelige Platte. Immer wieder kracht sie um, bis das Gleichgewicht gefunden ist. Bamboleo nennt sich das Geschicklichkeitsspiel. Stephanie Rockau hat es heute ins Schülercafé mitgebracht - eines der vielen Projekte, das die Sozialarbeiterin an der Grundschule Laubsdorf anbietet. Zweimal die Woche öffnet die 25-Jährige das Schülercafé um die Mittagszeit, und Schüler, die gerade Pause oder Freistunde haben, können zum Reden, Spielen oder Malen bei ihr vorbeikommen.

Sie will die Schüler möglichst auf einer emotionalen Ebene erreichen - und hat dies auch geschafft, wie Schulleiterin Angela Kornisch begeistert berichtet. "Für die Kinder ist es spannend, dass es da noch jemand anderes gibt als die Lehrer." Und auch die Lehrer würden den fachlichen Austausch mit Stephanie Rockau sehr schätzen.

Seit zwei Schuljahren ist die gebürtige Cottbuserin, die in Forst aufgewachsen ist und in Cottbus Sozialarbeit studiert hat, bereits an der Laubsdorfer Grundschule. Montags, mittwochs und freitags ist sie für die insgesamt 180 Kinder da, die aus 14 Dörfern stammen: von Sergen über Kathlow und Trebendorf bis nach Klein Döbbern oder Bagenz. Den Rest der Woche arbeitet Stephanie Rockau beim SOS-Kinderdorf Lausitz in Cottbus. "Wir hatten seit vielen Jahren Kontakt zum SOS-Kinderdorf und haben von dort immer mal Unterstützung bei Elternberatungen bekommen", berichtet die Schulleiterin. 2011 sei die Grundschule dann eine der zwölf Schulen des Landkreises gewesen, die am Modellprojekt Bildungssozialarbeit teilnahm, das mit Mitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Jobcenters gefördert wurde. Ende 2013 lief dieses aus.

"Wir wollten jedoch ein eigenes Konzept mit Mitteln des Landkreises weiterführen", so Manfred Thuns, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie in Spree-Neiße. Dazu wurden die Schulsozialarbeit-Standorte bewertet: Gibt es überhaupt einen Bedarf? Ziehen Sozialarbeiter und Schule an einem Strang? Werden die Projekte als wichtig an der Schule wahrgenommen?, so einige Kriterien. Dies wurde in den meisten Fällen positiv beschieden, und so arbeiten nun Sozialarbeiter, beauftragt über Träger, meist mit einer halben Stelle an zwölf Schulen des Landkreises (Kasten). Der Landkreis hat für 2015 laut Manfred Thuns 200 400 Euro an Haushaltsmitteln bereitgestellt und trägt damit 75 Prozent der Personalkosten, 25 Prozent tragen die Kommunen.

Der Bedarf in der Ganztagsschule Laubsdorf ist groß. "Die Kinder sind in ihrer Entwicklung sehr unterschiedlich", so Schulleiterin Kornisch. Deshalb sei es wichtig, die Klassenteams zu stärken und an den sozialen Kompetenzen zu arbeiten. "Denn gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass die Kinder selbst einschätzen können, wie sie sich fühlen", so Stephanie Rockau.

Hier einige ihrer Projekte:

Die Sozialarbeiterin geht wöchentlich in die Klassen und versucht, mit spielerischen Übungen Lernsituationen zu simulieren, in denen die Schüler auch selbst Lösungsansätze entwickeln können.

In größeren Klassen wurde ein Klassenrat installiert, ein gewähltes Gremium aus Schülern, das Alltagsprobleme der Klasse anspricht und versucht zu lösen.

Für die Hofpausen gibt es Aufsichtshelfer aus den 6. Klassen, die ihre Aufgabe mit großer Ernsthaftigkeit ausführen. "Wir erklären zum Beispiel den Erstklässlern, dass sie nicht schubsen oder auf die Grünflächen gehen dürfen", sagt Julia Schutzan (11). "Wenn die Kleineren nicht wissen, was sie spielen sollen, dann helfen wir", ergänzt Sarah Mar thiensen (12). "Es gefällt mir, dass wir den Lehrern damit helfen können", so Josefine Derno (11).

Die Sozialarbeiterin bietet auch Beratungen für Lehrer und andere Mitarbeiter der Schule an, beispielsweise dazu, wie man mit Konflikten umgeht. "Denn wir Lehrer sind ja eher die rationellen Typen, durch die Schulsozialarbeit wird man ermuntert, ganz anders auf die Kinder zu schauen", so Angela Kornisch.

Auf Wunsch veranstaltet Stephanie Rockau auch thematische Elternversammlungen, zu Pubertät oder emotionaler Intelligenz.

Alles werde gut angenommen - und widerspreche so den gelegentlichen Vorurteilen, eine Grundschule im ländlichen Raum brauche so etwas nicht. "Denn es ist wichtig zu reagieren, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist", so Stephanie Rockau. "Kinder, die ein gutes Verhältnis aufgebaut haben, öffnen sich auch."

Zum Thema:
Bildungssozialarbeiter gibt es in Spree-Neiße außer in Laubsdorf auch in der Grund- und Oberschule Burg, der Oberschule Döbern, der Gutenberg-Oberschule Forst, den Grundschulen Drebkau und Leuthen, der Friedens- und der Corona-Schröter-Schule Guben, den Mosaik-Grundschulen Peitz und Döbern, der Oberschule Peitzer Land und dem Hort Welzow.