Was Furcht einflößend klingt, diente damals dem eisernen Durchhaltewillen und einem fürsorglichen Zweck, wie Andreas Peter erläutert. Er nennt die Kriegsnagelungen "ein kleines Detail aus der Geschichte des Ersten Weltkriegs, das sich in vielen Städten und Gemeinden findet, auch in der Region Forst, Guben, Cottbus, Spremberg und Frankfurt (Oder)".

Heute sind Benefizkonzerte üblich, um Geld für besondere Zwecke zu sammeln. Damals wurden Holzfiguren und -skulpturen gestiftet, zum Beispiel Ritterfiguren, Wehrmänner, Wehrschilder oder Nagelkreuze. Diese wurden mit Nägeln beschlagen, sodass am Ende eine eiserne Figur entstand. Jeder konnte einen oder mehrere Nägel kaufen und einschlagen (lassen). Für den Kauf gab es eine Quittung oder eine kleine Urkunde. Der Spendenbetrag wurde in ein Ehrenbuch eingetragen, "das bestenfalls ins Museum gekommen ist und mancherorts heute noch von der regionalen Verbreitung der sogenannten Kriegsnagelungen Auskunft geben kann", wie Andreas Peter schildert.

"Die Nagelungen dienten speziell der Kriegsopferfürsorge. Die eingenommenen Gelder wurden von den Stiftern der Figuren meistens an das örtliche Rote Kreuz weitergereicht, denn damit sollten Kriegsversehrte oder Familien, die Kriegsopfer zu beklagen hatten, unterstützt werden; zusätzlich zu den bald nicht mehr nicht ausreichenden staatlichen Leistungen."

Stifter der Figuren waren zumeist Städte, Schulen oder Garnisionen und Regimenter. "Ihren Ausgangspunkt haben die Kriegsnagelungen 1915 in Wien genommen. Die Aktion hat sehr große Aufmerksamkeit und viele Nachahmer gefunden", schildert Peter. Im Laufe des Jahres 1915 sei schnell klar geworden, dass der Weltkrieg bei Weitem mehr Opfer fordern wird als gedacht. Die Bevölkerung sollte aber nicht resignieren. Da kamen die Kriegsnagelungen gerade recht. "Die Nagelungen waren immer große öffentliche Veranstaltungen mit patriotischem Charakter. Da wollten nur wenige zurückstehen. Das hat sich auch in den damaligen Zeitungen niedergeschlagen. Auch in der Gubener Zeitung. Dadurch bin ich auf das Thema gekommen", erzählt der Heimatforscher und Verleger.

Die allermeisten Nagelfiuren seien heute nicht mehr zu sehen. "Was sich noch häufig findet, sind Postkarten aus verschiedenen Städten. Die werde ich auch in Forst zeigen", kündigt Andreas Peter an. Und er wird kurz auf die 1930er-Jahre eingehen. "Die Nagelungen wurden von den Nazis wieder aufgegriffen. Das hat aber überhaupt nicht funktioniert. Da gibt es im Übrigen auch ganz besondere Parallelen zwischen Guben und Forst. Die werde ich vorstellen beim Geschichtsstammtisch in Forst", deutet Peter an.

Der Gubener ist manchem kein Unbekannter. Kontakte zwischen dem Museumsverein und dem Gubener Verleger und Vorstandsmitglied der Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde gibt es schon seit längerer Zeit. Zudem hat der Inhaber des Niederlausitzer Verlages die erste Forster Chronik aus dem Jahr 1846 neu aufgelegt und den Stadtplan von Forst aus dem Jahr 1934. Die erste Forster Chronik wurde vom damaligen Pfarrer Johannes Christoph Schneider zusammengetragen. Gedruckt wurde sie in Guben in der Druckerei Fechner und herausgegeben von dem Buchhändler Eduard Berger.

Der Forster Geschichtsstammtisch findet am Donnerstag, 28. Januar, um 18 Uhr im Hotel Haufe, Cottbuser Straße 123, in Forst statt. Der Eintritt ist frei.