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"Viele Motorradfahrer wollen den Segen"

Pfarrer Christoph Lange erwartet am Ostermontag viele Besucher in der Stadtkirche.
Pfarrer Christoph Lange erwartet am Ostermontag viele Besucher in der Stadtkirche. FOTO: Landes
Forst. Die Kurve kriegen. Unter diesem Motto treffen sich am Ostermontag Hunderte Motorradfahrer zum Biker-Gottesdienst in der Stadtkirche St. Nikolai in Forst. Das traditionelle Treffen, das seit 2008 zweimal pro Jahr stattfindet, ist eng mit einem Namen verbunden. Dem von Pfarrer Christoph Lange. Hartmut Landes

Christoph Lange hat eine Schwäche für Motorräder. Nicht erst seit wenigen Jahren, sondern seit Jahrzehnten. Seit den 1970er-Jahren ist der heute 60-Jährige auf Motorrädern unterwegs. Eine Vorliebe hatte er dabei stets für Oldtimer der Marke BMW. Schweren Herzens und aus Platzgründen habe er sich von diesen Maschinen getrennt. Heute fährt er immer noch eine BMW. "Eine schwarze, wie es sich für einen Pfarrer gehört", sagt er schmunzelnd.

Wenn Lange vom Motorradfahren spricht, scheinen die wachen Augen hinter den Gläsern seiner Brille noch einen Tick wacher zu sein. Und emotionaler. Das mag an der Faszination liegen, die das Fahren auf dem Zweirad auf ihn ausübt. Am Wind und der Kraft, die man dabei spürt und möglicherweise auch an dem Gefühl von Freiheit, das das Fahren vermittelt. Vielleicht auch daran, dass seine drei erwachsenen Kinder seine Leidenschaft für Motorräder teilen.

Die Idee vom Bikergottesdienst hat Pfarrer Christoph Lange von einem Freund aufgegriffen, der in den 1970er-Jahren solche Gottesdienste für Motorradfahrer in Köln anbot. Nach der deutschen Wiedervereinigung, als Lange in Eisenhüttenstadt tätig war, griff er die Idee auf und bot seit 1994 dort Bikergottesdienste an. "Anfangs kamen 20 bis 30 Leute", erinnert sich der Pfarrer. Doch deren Zahl wuchs stetig und diese Art Gottesdienst, der zweimal im Jahr - im Frühjahr zur Eröffnung der Motorradsaison und im Herbst mit Gedenken an verunglückte Kradfahrer - wurde zu einer festen Größe der Gemeindearbeit in Eisenhüttenstadt. Wahrscheinlich hat Lange damals auch seine Tätigkeit im Team der Notfallseelsorge geprägt. Zwei verunglückte Motorradfahrer hat er beerdigt. Es wurde ihm ein besonderes Herzensanliegen, diesen Menschen beizustehen, aber auch ihnen ins Gewissen zu reden.

Mit dem Wechsel des Einsatzortes brachte Christoph Lange auch die Bikergottesdienste mit nach Forst. Und die zeigten auch in der Rosenstadt enorme Anziehungskraft auf die Motorrad-Gemeinde. Der Pfarrer weiß, dass zu diesen Ereignissen auch viele Leute kommen, die nicht einer Kirche angehören. Aber warum kommen sie dann, die Männer und Frauen, denen so oft eine raue Schale und ein weicher Kern nachgesagt wird? "Sie wollen den Segen haben", sagt der Pfarrer. Er weiß, dass sich viele der Gefahr beim Fahren mit dem Krad auf den Straßen bewusst sind und sich Gedanken machen. "Ich denke, sie hoffen auf Begleitung beim Fahren", sagt der Pfarrer, der ihnen in Forst auch 2015 den aaronitischen Segen spenden wird.

Vorbehalte gegen Bikergottesdienste habe es in seiner evangelischen Gemeinde nie gegeben. Aber das Erstaunen war anfangs mitunter groß. "Wenn sie wüssten, wer alles in der Kirche war", habe es geheißen. Und die laute Musik, die Rockmusik, das war ungewohnt.

Auch in diesem Frühjahr wird es beim Bikergottesdienst "Zum Anlassen" wieder rockig in der Stadtkirche werden. Es werden Songs wie "On the road again" und "Born to be wild" erklingen. Die Vorbereitung ist im vollen Gange. Und sie wird von Mitgliedern seiner Gemeinde und beauftragten Helfern geleistet. "Wir lassen keinen Kommerz zu", bekräftigt der Pfarrer, auch wenn die wachsende Zahl der Motorradfahrer, die zum Bikergottesdienst in die Kirche strömen, zu einer immer größeren Herausforderung geworden ist.

Sie kommen nicht nur aus der Region. Christoph Lange erinnert sich an eine Frau, die mit ihrer Maschine aus Köln angereist war. Auch ein älterer Herr, der schon mehr als 70 Lenze zählte, kam von der Ostsee zum Bikergottesdienst nach Forst. "Im vergangenen Jahr haben wir 600 Maschinen zum Gedenkgottesdienst Ende September gezählt", sagt der Pfarrer. Angesichts solchen Zuspruchs ist es gut, dass er und sein Team sich auf viele Unterstützer verlassen können. Dazu gehören Bäcker mit ihren Kuchen- und Brotspenden, weitere Gewerbetreibende und Privatleute. Vor allem aber weiß der Pfarrer die Unterstützung der Polizei zu schätzen, die seit Jahren die Ausfahrt nach dem Gottesdienst sichert und begleitet. Dieser Korso mit dem kilometerlangen Band der Biker ist mittlerweile zu einer richtigen Attraktion nach dem Gottesdienst geworden, die manchen Zuschauer an frühere Friedensfahrtzeiten erinnern. Da werden schon mal Plakate mit Aufschriften wie "Gute Fahrt" gezeigt. Die Kradfahrer können die guten Wünsche gebrauchen. Denn für sie bedeutet jede neue Saison auch neue Eingewöhnung.

Der Bikergottesdienst "Zum Anlassen" findet am Ostermontag, 6. April, 14 Uhr in der Stadtkirche St. Nikolai in Forst statt. Biker-Gedenkgottesdienst am Saisonende ist am 27. September, 14 Uhr, an gleicher Stelle.

Zum Thema:
Für den Korso nach dem Bikergottesdienst am 6. April sind zwei Varianten vorgesehen. Bei schönen Wetter führt die Ausfahrt der Motorradfahrer von der Stadtkirche über Mühlenstraße - Kegeldamm - Am Haag - Berliner Straße - Mulknitz - Dubrau - Simmersdorf - Jethe - Gahry - über B 115 in Richtung Forst - Skurumer Straße - Muskauer Straße zur Bachkirche.Bei schlechtem Wetter (also Regen) wird es eine kürzere Ausfahrt geben. Sie führt von der Stadtkirche über Mühlenstraße - Kegeldamm - Am Haag - Berliner Straße - Mulknitz - Dubrau und die L49 in Richtung Forst zur Skurumer Straße - Muskauer Straße und endet an der Bachkirche.