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Viele Ideen – aber alles läuft später an

Später als sonst kamen die Kartoffeln in den Boden.
Später als sonst kamen die Kartoffeln in den Boden. FOTO: Angela Hanschke/aha1
Döbern. Mit der Aussaat haben die Mitarbeiter im Umwelt- und Lehrgarten Eichwege die klassische Gartensaison eröffnet. Gefördert wird die Arbeit des Projektes "Faust" (Fähigkeiten ausbauen und stärken) vom Jobcenter des Landkreises. Angela Hanschke / aha1

Maschinist für Tagebaugroßgeräte, Glasschleifer, Köchin, Baumaschinist und Bauhilfsarbeiter sind die sieben Mitarbeiter eigentlich. Fast alle sind seit langem Freizeitgärtner.

Auf dem Gelände an der Dubraucker Straße setzen sie neben neueren Kartoffelsorten wie Finka und Afra, deren Saatgut die Agrargenossenschaft Forst zur Verfügung stellte, auch alte Sorten wie Bamberger Hörnchen und Blue Kongo - auch als "Blauer Schwede" bekannt. "Aufgrund der kühlen Witterung mit vereinzelten Morgenfrösten hat sich unsere Saison um drei Wochen verzögert", erklärt Ute Paul, die das Projekt seit dem vergangenen Jahr leitet und auf einen "pflanzenfreundlichen Frühsommer mit Regen und Wärme" hofft.

Die Aprilfröste haben ihre Spuren hinterlassen. Die Pfingstrosen lassen die Köpfe hängen und der Zierapfel wird in diesem Jahr keine Früchte tragen. Im Außenbereich ist die hohe Zeit der zahlreichen frühen Zwiebelgewächse bereits vorbei. Während des Winterquartals wurden von den Projektmitarbeitern Nistkästen und Nisthöhlen gebaut. Alle acht sind inzwischen bezogen. Auch im unbeheizten Gewächshaus grünt es schon munter. In diesem Jahr steht ein Gewürzkraut - "Basilikum mit seinen Begleitern" - im Mittelpunkt der Arbeit. Zehn Sorten des königlichen Krautes recken unter dem Glas ihre grünen beziehungsweise roten Triebe dem Licht entgegen. Einst zierte Basilikum, das Königskraut aus der Familie der Lippenblütler, zum Kranz gewunden die Grabkammern in ägyptischen Pyramiden und wurde im antiken Griechenland als Heil- und Gewürzpflanze geschätzt. "Man geht jedoch davon aus, dass seine Urheimat im tropischen Vorderindien lag", erläuterte Ute Paul. Im Umwelt- und Lehrgarten wird es neben den Tomaten seinen Platz finden, dort wo derzeit noch erfolgreich unzählige angewehte Ahornsamen keimen. "Auf dem Teller sind Tomate und Basilikum ein ganz unschlagbares Team", brach die Projektleiterin eine Lanze für diese Nachbarschaft.

In der Kräuterspirale haben die mehrjährigen Stauden, darunter auch der wärmeliebende Thymian, gut überdauert. Ab Mitte Juni wird der Bestand durch einjährige Pflanzen ergänzt. Sorgen bereitet der Projektleiterin die in den Wintermonaten mithilfe der Agrargenossenschaft Gahry größtenteils zurückgebaute Gewächshausanlage der einstigen LPG Gahry. Unzählige Glasscherben verhindern die Rekultivierung der Fläche. Günter Konzack schätzt als technischer und fachlicher Anleiter im Gartenbereich daher ein: "Ein Bodenaustausch ist zwingend notwendig." Zwei Pfeilerreihen sollen jedoch erhalten und noch in dieser Saison zu einer von Wein und Blauregen umrankten Pergola umgestaltet werden. Außerdem hat Ute Paul eine Wüstenlandschaft mit Kakteen und Sukkulenten für das Gelände neben dem Kommunikationszentrum vorgesehen.

Am 28. Juni um 10 Uhr öffnet der Umwelt- und Lehrgarten zur offiziellen Saisoneröffnung seine Pforten für Gartenfreunde und Neugierige. Tipps fürs erfolgreiche Gärtnern gibt es auch noch am 26. Juli, am 16. August und 13. September sowie zum Saisonabschluss am 4. Oktober.