Als "glücklichen Tag für Forst", bezeichnete Richard Zerbock den 27. Juli. An diesem Tag traf die Original-Lok per Sattelschlepper in der Hochstraße ein. Der Forster Tüftler und Erbauer von zahlreichen Jule-Modellen war einer der Ersten im Empfangsspalier. Für den 76-Jährigen war es ein freudiges Wiedersehen, denn zehn Jahre lang war er selbst bei der Forster Stadteisenbahn beschäftigt. Als Schlosser, Rangierer, Kesselwärter und mit 21 Jahren als jüngster Lokführer.

1965 wurde Bahn eingemottet

Ende 1965 verpackte er bedrückt die letzte Schwarze Jule, für ihre, wie er damals glaubte, letzte Reise. "Insbesondere für die älteren Mitarbeiter stürzte damals fast eine Welt ein", sagte er zurückblickend. Die Schwarze Jule, die eigentlich einen grünen Farbanstrich hat, verlor er trotz ihres Umzuges nicht aus den Augen. "Ich habe sie mit meiner Familie in Dresden regelmäßig besucht", sagte er. Dabei dachte er oft, "die Dresdner rücken sie doch nie wieder raus". "Die Größe der Anlage, die vielen Anschlüsse und die Kastenlokomotive - da gibt es nichts Vergleichbares in Deutschland." Im kommenden Jahr jährt sich die Jungfernfahrt der ersten Lok zum 120. Mal. "Wenn die Stadt eine Ausstellung organisiert, beteiligen wir Modellbauer uns", so Zerbock. "Nummer 36 wäre ein Zugpferd, könnte Tausende Besucher anziehen. Mindestens 15 Stück - von der kleinsten Modellbahn bis zur großen fahrbaren Jule auf Trabant-Basis hat er in den vergangen Jahrzehnten gebaut. Jüngstes "Kind" seiner Bastelleidenschaft ist eine ferngesteuerte Schwarze Jule, die im vergangenen Herbst fertig gestellt wurde und als Gartenbahn im Maßstab 1:32 bei Ausstellungen ihre Runden drehen könnte.

"Mein Mann kann alles gebrauchen. Alle Haushaltsgegenstände - angefangen von Stecknadeln mit weißen Glaskuppen bis zu Gardinenlaufrollen und dem dünnen Blech von Kaffeedosen - prüft er auf Verwendbarkeit", meint seine Frau Regina.

Längst hat er jedoch nicht nur sie, sondern auch die Kinder, Schwiegerkinder und Enkel mit seiner Leidenschaft für die Forster Stadteisenbahn angesteckt. "Ich bin quasi mit der Schwarzen Jule verheiratet", bekannte Richard Zerbock scherzhaft.

Lok auf Trabant-Basis

Sein bekanntestes Projekt ist der fahrtüchtige Zerbock-Nachbau der Schwarzen Jule, in deren Inneren sich ein Trabant "versteckt". Im Oktober des Jahres 2002 wurde das Gefährt beim TÜV "auf Herz und Nieren" geprüft und ein Jahr später bei der Ausstellung zum 110-jährigen Jubiläum der Stadteisenbahn zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Meist sitzt der Erbauer selbst am Steuer - mit seiner Frau als Co-Pilotin. Doch manchmal werden beide auch von Tochter Marion Herrmann und deren Ehemann Siegbert Herrmann vertreten. "Eine Geisterbahn!" entfuhr es manchem Passanten, denn der Fahrer ist von Außen völlig unsichtbar. Vor allem Kinder sind erklärte Fans dieser originellen Lok. Für die kleinen Forster von der Kita "Friedrich Fröbel" hat der große Kinderfreund beim jährlichen Frühlingsfest quasi eine "Haltestelle Blumenstraße" eingerichtet, war bei Familientagen im Ostdeutschen Rosengarten präsent, "kutschierte" vor zwei Jahren mit dem myrtengeschmückten Lok-Nachbau ein Brautpaar von der Trauung zur Feier und fuhr auch schon zwei Abc-Schützen zur Schuleinführung.

"Sicher wollen die Leute nun gern wieder mit dem Original aus dem Jahre 1893 fahren. Es wieder flott zu machen, würde jedoch Unsummen verschlingen", schätzt der Eisenbahnliebhaber ein. Da sei der trabibetriebene Nachbau eine gute Alternative. Doch so ganz identisch sind die denkmalsgeschützte alte Lok und seine Jule-Version doch nicht. "Die Dresdner wollten die Jule mit einem grünen Anstrich. Einst fuhr sie jedoch mit einer schwarzen Leiste um den Bauch durch Forst." So wie es auf allen von Richard Zerbock gebauten Modellen zu sehen ist.