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| 14:56 Uhr

Anhaltende Trockenheit
Verheerende Lage der Teichwirte

Teichwirt Christoph Junghanns vor einem seiner Teiche in Eulo. Der hintere Bereich ist ausgetrocknet, vorn wird notabgefischt.
Teichwirt Christoph Junghanns vor einem seiner Teiche in Eulo. Der hintere Bereich ist ausgetrocknet, vorn wird notabgefischt. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst/Groß Schacksdorf. Hitze und Trockenheit setzen den Fischen zu. Große Verluste in Eulo und Groß Schacksdorf. Von Steffi Ludwig

Bange  Blicke schicken dieser Tage nicht nur die Landwirte gen Himmel, sondern auch die Teichwirte. Ausgetrocknet liegen viele Teiche oder Teile von ihnen da – auch beim Euloer Teichwirt Christoph Junghanns. Nur 15 bis 20 Prozent des normalen Wasserstandes sind geblieben. Das Wasser verdunstet, es fehlt der Zulauf.

Rund 170 000 Euro Schaden hat ihm die anhaltende Trockenheit und Hitze beschert. „Das wirft unseren Familienbetrieb um drei Jahre zurück“, sagt er. Am Montag hat er einen Teil der Fische notabgefischt und in einen anderen Teich gesetzt, in dem wenigstens etwas bessere Bedingungen herrschen. „Das Wasser ist so stark gesunken, dass jede kleine Störung zu einem Fischsterben führen würde.“ Teilweise habe das Wasser eine Temperatur von 30 Grad Celsius gehabt. Dann habe es noch weniger Sauerstoff, den die Fische jedoch zur Verdauung brauchen. Deshalb hat Junghanns die Fische seit Wochen nicht gefüttert, weshalb sie auch nicht wachsen, aber wenigstens in dieser Hinsicht überleben. Doch der Sauerstoffmangel und der niedrige Wasserstand treibt sie an die Oberfläche und macht sie noch mehr zum Futter von Reiher oder Kormoran.

Auch Armin Kittner, Teichwirt in Groß Schacksdorf, hat bereits sieben Teiche notabgefischt und die Fische in Teiche im sächsischen Petershain umgesetzt, in denen etwas mehr Wasser ist. „Zum Verkauf sind sie einfach noch zu klein“, sagt er. „Es ist einfach verheerend“, bringt er die Lage auf den Punkt. Kittner beziffert seine Einbußen in diesem Jahr auf über 50 Prozent.

„Es ist noch schlimmer als im trockenen 2003“, sagen beide Teichwirte. Grund: Es habe diesmal bereits im Winter Schnee gefehlt und der Niederschlag im März und April. Hinzu kommt die Dürreperiode des Sommers, deren Ende nicht wirklich in Sicht ist. Der bisherige Regen sei  ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin fragt gerade die Schäden in den Teichwirtschaften ab und leitet sie an Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) weiter. Das war beim Landesfischereitag in der vergangenen Woche so besprochen worden. Auch die anderen Bundesländer sollen sich beteiligen. „Wir setzen darauf, dass wir vom Bund Hilfe bekommen“, sagt der Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Lars Dettmann. „Denn die Teichwirte sind völlig unverschuldet in diese Notlage geraten.“ Nach den derzeitigen Schätzungen belaufen sich die Schäden auf rund 850 000 Euro in Brandenburg. Der Schwerpunkt liege in der Lausitz und bei einem Forellenbetrieb in der Uckermark. „Richtig konkret wird es erst beim Abfischen“, so Dettmann.

Und in der nächsten Zeit werde es nicht besser, da durch die längeren Nächte ab Ende August weniger Sauerstoff in den Teichen produziert werde, weil dadurch Licht benötigt werde, erklärt Dettmann.

Natürlich hofft Christoph Junghanns  auf einen Ausgleich, auch was die Verluste durch die geschützten Arten Kormoran, Graureiher oder Fischotter betrifft. Hier liege die Richtlinie noch immer zur Abstimmung in den Ressorts, hatte das Ministerium beim Landesfischereitag erklärt. „Hier muss eine politische Entscheidung her“, sagt Junghanns. Denn die Fischwirte betrieben auch aktiven unbezahlten Artenschutz wie er  im Naturschutzgebiet Euloer Bruch – das ist zugleich ein beliebtes Ausflugsziel vieler Forster. Diesen Fakt hatte auch erst kürzlich Henrik Schuhr von der Unteren Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde des Landkreises Spree-Neiße bei der Veranstaltung „LR vor Ort“ betont.