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Verfall und Glanz eng beieinander

Das Haus in der Forster Max-Fritz-Hammer-Straße 11 ist herrenlos und somit dem Vandalismus preisgegeben. Das umstrittene Wilhelm-Pieck-Denkmal in Guben wurde im vergangenen Jahr mit Landes- und Landkreismitteln saniert.
Das Haus in der Forster Max-Fritz-Hammer-Straße 11 ist herrenlos und somit dem Vandalismus preisgegeben. Das umstrittene Wilhelm-Pieck-Denkmal in Guben wurde im vergangenen Jahr mit Landes- und Landkreismitteln saniert. FOTO: Ludwig
Forst. Am morgigen Samstag wird der Internationale Denkmaltag begangen – als Aktionstag des Internationalen Rates für Denkmalpflege und der Unesco. An diesem Tag soll auf den Schutz von Denkmalen und die Bewahrung des historischen Kulturerbes aufmerksam gemacht werden. Auch in Spree-Neiße wird dies getan. Steffi Ludwig

"Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir als Landkreis in den vergangenen Jahren immer jeweils 60 000 bis 80 000 Euro als Zuschuss für Denkmalschutz-Projekte zur Verfügung stellen konnten", sagt Frank Leopold, Sachgebietsleiter der Unteren Denkmalschutzbehörde und amtierender Leiter des Fachbereichs Bau und Planung des Landkreises Spree-Neiße. Das sei zwar keine Riesensumme, aber helfe, zehn bis zwölf kleinere Projekte im Landkreis zu unterstützen - und Planer und Handwerker aus der Region einzubinden.

Laut Leopold wurde im vorigen Jahr mit dem Geld unter anderem die Sanierung des umstrittenen Wilhelm-Pieck-Denkmals in Guben unterstützt. "Das Land hat Mittel gegeben, der Landkreis hat kofinanziert", so Frank Leopold. Aber auch das alte Pfarrhaus in Groß Döbbern (extra Text unten) habe wiederholt Mittel vom Landkreis bekommen. "Wir unterstützen den Verein schrittweise", so der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Weitere Landkreis-Gelder sind ins Hüttenwerk Peitz und in verschiedene Kirchengemeinden geflossen. "Leider reichen die Mittel bei Kirchen und Pfarrhäusern nur noch für Sicherungsmaßnahmen", meint Frank Leopold. Mit dem restlichen Geld konnte einigen privaten Antragstellern mit kleineren Summen ausgeholfen werden - beispielsweise, wenn jemand aufgrund der Denkmalschutzauflagen Holzfenster anstatt Kunststofffenster ins Haus einbauen soll. Antragsteller für die Landkreisgelder gibt es selbstverständlich mehr, als Gelder da sind. "Wir gehen nach der Bedürftigkeit des Objekts", so Frank Leopold.

Er bemängelt, dass es in Brandenburg als Land der Schlösser und Gärten keine Landesförderung im Bereich Denkmalschutz gibt. Gebäudesanierungen wie beim Forster Wasserturm oder dem Brandenburgischen Textilmuseum Forst in den 90er-Jahren seien so gar nicht mehr möglich.

Und der Eigentümer müsse auch eigene Mittel haben, um Fördermittel bekommen zu können. Das sei nicht immer so einfach, da seit 2004 die Eigentümer der Objekte nicht mehr vorher angehört werden, wenn ihr Gebäude den Denkmalstatus bekomme. "Das brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege legt nach fachlicher Prüfung fest, welche Objekte in die Denkmalliste aufgenommen werden", so Leopold. "Unsere Behörde übermittelt dies den Eigentümern dann." Nicht alle seien hoch erfreut - sei dies doch mit einer Reihe Auflagen verbunden, die gesetzlich vorgegeben sind.

Besonders bitter sehe es jedoch aus, wenn es keinen Eigentümer gibt oder die Verhältnisse ungeklärt sind: wie beispielsweise im Fall der Villa in der Forster Max-Fritz-Hammer-Straße 11. Hier machen sich Verfall und Vandalismus bemerkbar, ein Schandfleck in der Straße, in der sich viele schmucke Villen zeigen. "Das Gebäude ist herrenlos, hier sind uns die Hände gebunden", sagt der Denkmalschutz-Experte.

Auch einige Häuser weiter, in der Max-Fritz-Hammer Straße 5, sieht es nicht besser aus. "Bei dem im Volksmund Rabenvilla genannten Gebäude ist das Dilemma, dass der Eigentümer im Ausland ist und sich nicht drum kümmert", so Leopold, der sich selbst als Ur-Forster beschreibt.

Ein großes Problem für die Zukunft sieht er auch im ehemaligen Forster Güterbahnhof - auch hier bestehen schwierige Eigentumsverhältnisse.

Im Falle des Forster Bahnhofsgebäudes, das auf der Denkmalliste steht und seit einiger Zeit einen neuen Eigentümer habe, sei er genauso wie viele Forster gespannt, wie es weitergehe. "Ein Problem im Landkreis sind auch die vielen Herrenhäuser, die seit 20 Jahren leer stehen", so Leopold. "Da ist es schwer, jemanden zu finden, der solch ein Haus erwirbt."

Deshalb solle künftig versucht werden, das Ehrenamt des Baudenkmalpflegers - ähnlich dem des ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegers, der die gefundenen Schätze im Boden begutachtet - wieder anzukurbeln.