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Verband räumt Fehler ein

Braun lief das Trinkwasser vor Pfingsten bei Detlef Szonn in Groß Schacksdorf aus dem Hahn. Bei der zweiten Havarie war er nicht betroffen. Seit einigen Tagen klagen vor allem Bewohner An der Aue über schmutziges Wasser.
Braun lief das Trinkwasser vor Pfingsten bei Detlef Szonn in Groß Schacksdorf aus dem Hahn. Bei der zweiten Havarie war er nicht betroffen. Seit einigen Tagen klagen vor allem Bewohner An der Aue über schmutziges Wasser. FOTO: Archiv Katrin Kunipatz
Groß Schacksdorf. Ohne Umschweife kommt Bernd Schmied auf den Punkt: "Die organisatorischen Mängel sind bei uns aufgetreten." Anschließend erläutert der Vorsteher des Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverbandes (SWAZ) Bürgern und Abgeordneten in Groß Schacksdorf-Simmersdorf, warum gleich zweimal innerhalb weniger Wochen braunes Trinkwasser aus dem Hahn lief. Katrin Kunipatz

Zuvor hatten die Anwesenden ihrem Unmut Luft gemacht. Seit drei Wochen habe er immer wieder braunes Wasser, beschwert sich ein Bürger. Ohne Informationen im Vorfeld. Ein anderer will wissen, ob es eine Entschädigung oder einen Ausgleich für defekte Geräte und zugesetzte Filter gibt. Jürgen Kuschel vom TSV Groß Schacksdorf berichtet, dass sich durch das ablaufende Wasser brauner Schlamm über den Sportplatz gelegt habe und es bereits Ausspülungen gebe.

Der Verbandsvorsteher gesteht ein, dass viele Dinge im Zusammenhang mit der Wiederinbetriebnahme der Trinkwasserleitung nach Forst schiefgelaufen seien. "Aber so einen eklatanten Fall kollektiven Versagens habe ich noch nicht erlebt", sagt er. Bernd Schmied arbeitet seit 1970 in der Wasserwirtschaft, seit 19 Jahren als Verbandsvorsteher des SWAZ.

Ziel der Bemühungen des Verbandes ist eine stabile Trinkwasserversorgung für alle angeschlossenen Haushalte - auch im Havariefall. Deshalb wurde die gusseiserne Leitung zwischen Groß Schacksdorf und Domsdorf wiederbelebt. Sie gibt es seit 1966. Nach der Wende wurde die Verbindung gekappt. Perspektivisch soll auch der Wasserspeicher in Döbern von Forst gefüllt werden können. Deshalb wurde in den zurückliegenden Monaten die Leitung saniert und abschnittsweise gereinigt.

Unberücksichtigt blieben die in Groß Schacksdorf seit Jahren genutzten Trinkwasserleitungen. Begünstigt durch den höheren Wasserdruck hatten sich im Endstrang größere Ablagerungen gebildet. Als das Wasser erstmals in die entgegengesetzte Richtung floss, riss es diese mit. Die übliche Information an Bürger und Gemeinde sei schlicht vergessen worden. Auch weil Zeitdruck bestand, denn die Stadtwerke Forst wollten zum 1. Juni mit der Einspeisung beginnen. Als der SWAZ von den Auswirkungen erfuhr, stellte man Wasserwagen auf und begann, an drei Stellen zu spülen. Am 3. Juni war die starke Verunreinigung abgeklungen.

Im zweiten Fall kann Bernd Schmied nicht genau nachvollziehen, warum es wieder zu einer starken Verunreinigung des Trinkwassers kam. Am 21. Juni wurde in einem üblichen Verfahren eine zusätzliche Ringleitung eingebunden, damit nur einige Haushalte Wasser von Forst erhalten. Die Kosten für den SWAZ würden sonst zu hoch. "Normalerweise gibt dabei keine Beeinträchtigungen, weshalb im Vorfeld auch keine Information an die Bürger ging", so Schmied.

Hinsichtlich des Schadensausgleichs verweist Bernd Schmied auf die Versicherung, die bei von SWAZ-Mitarbeitern verursachten Fehlern eintritt. Die betroffenen Bürger sollten sich an den SWAZ wenden und beispielsweise Rechnungen von Reparaturen mit dem Verweis auf die Havarie einreichen.

Zum Thema:
Bisher versorgte das Wasserwerk Döbern alle Haushalte, nachdem das Wasserwerk Groß Schacksdorf wegen Verunreinigungen im Wassereinzugsgebiet stillgelegt werden musste. Probleme bereitet der große Höhenunterschied von 100 Metern. Druckminderer schützten die Hauptleitung. An den Hausanschlüssen ist der Wasserdruck trotzdem etwas höher als üblich. Mit dem Wiederbeleben der Trinkwasserleitung nach Forst soll im Havariefall die Versorgung gesichert werden. Dafür muss die Leitung ständig von Frischwasser durchflossen werden. Deshalb erhalten 33 Haushalt in Groß Schacksdorf (Am Mühlberg, An der Aue, Simmersdorf Siedlung und einzelne in der Forster und Simmersdorfer Straße) dauerhaft Wasser aus Forst. Alle anderen Haushalte werden von Döbern versorgt.