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| 17:51 Uhr

Verarbeitung war in Brozek erlaubt, Lagerung nicht

Forst / Brozek. Der ehemalige Brandherd in Brozek liegt unter einer dicken Sandschicht begraben. Die Recyclingfirma verarbeitet derzeit wieder Plastik, das vor dem Feuer gerettet wurde, sowie nach dem Ende der Spargelsaison kleine Mengen Gartenplastikfolie, antwortet Ryszard Kowalczuk, Bürgermeister der polnischen Gemeinde Brody auf eine schriftliche Anfrage der RUNDSCHAU. kkz

Er betont außerdem, dass es sich um einen Betrieb für die Verarbeitung von Plastikabfällen handele. Fraglich sei jedoch, ob die Verarbeitungskapazität der auf dem Betriebsgelände befindlichen Anlagen für die Menge der auf dem Gelände befindlichen Abfälle ausreiche, gibt der Bürgermeister zu. Die Firma Deko Proces habe auf jeden Fall keine Genehmigung gehabt, Plastikabfälle auf dem Gelände in Brozek zu lagern. "Die dort befindlichen Abfälle sollten die Kontinuität des Verarbeitungsprozesses gewährleisten", erklärt der Bürgermeister von Brody.

Er selbst habe im Januar 2012 die Genehmigung für den Bau einer Recyclinganlage für Reifen und Gummiabfälle erteilt. Im August 2012 sei die Genehmigung für eine Verarbeitungslinie zum Trennen von Abfällen aus verschiedenen Kunststoffen, Glas und Metall erfolgt. Ein Jahr später sei eine Produktionslinie für die Herstellung von Regranulat aus Plastikabfällen erlaubt worden.

In Abstimmung mit dem Landratsamt Zary seien in diesem Zusammenhang Umweltschutzauflagen für die Lagerung des Materials erteilt worden, so der Bürgermeister weiter. Konkret wurde demnach festgelegt, dass die Abfälle nur auf befestigten Flächen in abgetrennten Sektoren und getrennt nach Materialien aufbewahrt werden dürfen. Die Gummiabfälle sollten unter Schleppdächern liegen. Im Februar, als das Feuer ausbrach, waren jedoch auf dem Gelände der Firma keine Schleppdächer zu erkennen. Die Feuerwehrleute berichteten von einem großen Berg mit Plastikabfällen, der in Brand stand. Im Verlauf von mehreren Wochen gelang es nicht, die Flammen endgültig zu löschen.

Trotzdem äußert sich Kowalczuk positiv über die Zusammenarbeit mit dem aktuellen Eigentümer. Die großen Abfallmengen, über die 2013 berichtet wurde, hätte der Vorgänger angehäuft. Der jetzige Besitzer habe viel getan, um den Betrieb den geltenden Sicherheitsvorschriften anzupassen. Beispielsweise sei der Teil des Grundstücks befestigt worden, auf der sich die Anlage für das Recycling der Plastikabfälle befinde.

Über die Einhaltung der Auflagen wache das Umweltschutzamt der Wojewodschaft und der Landkreis Zary, erklärt der Bürgermeister. Regulär sei es nicht vorgesehen, dass die Gemeindeverwaltung Brody Mitteilungen über durchgeführte Kontrollen erhalte. Erst seit dem Brand habe die Gemeindeverwaltung begonnen, entsprechende Informationen einzufordern.

Weiterhin existieren Vorwürfe, der Betreiber der Anlage hätte Fässer mit teilweise giftigen chemischen Substanzen auf dem Gelände gelagert und sogar vergraben. Bürgermeister Kowalczuk bestätigt, Anfang 2011 entsprechende Information erhalten zu haben. Diese habe er an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Nachfolgende Kontrollen hätten die Existenz dieser Fässer nicht bestätigt. Ehemalige Mitarbeiter der Firma, von denen die Informationen stammten, hätten keine Orte benennen können, an denen die Behälter vergraben worden sein sollten. Auch die beim Brand eingesetzten Feuerwehrleute und spätere Inspektionen des Umweltschutzamtes fanden keine Anhaltspunkte für die Existenz von Fässern mit unbekannten chemischen Substanzen. Ähnlich hatte sich das Landratsamt Zary gegenüber der RUNDSCHAU bereits Ende April geäußert.

Hinsichtlich der Verwendung der Brandreste bestätigt Brodys Bürgermeister die bereits bekannten Aussagen des Landkreises Spree-Neiße. Erst im Dezember, wenn der Brandherd erkaltet ist, sollen Proben genommen und über das weitere Verfahren entschieden werden. Zur Diskussion stünden die Pyrolyse oder die Entsorgung als Abfall. Die Entscheidung fällen das Umweltamt der Wojewodschaft Lubuskie und das polnische Gesundheitsamt.

"Die Pflicht zur Beseitigung der Brandreste liegt beim Grundstücksbesitzer", betont Bürgermeister Ryszard Kowalczuk. Schwierig sei es derzeit, die Kosten dafür abzuschätzen. Die Abdeckung des Brandherdes mit Sand hat das Landratsamt Zary aus Eigenmitteln des Krisenmanagements beglichen, teilt Agnieszka Oskierko-Liczner mit.

Zur Brandursache laufen noch immer Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zary, die einen Brandsachverständigen hinzugezogen hat. Vom Ergebnis hingen die rechtlichen Konsequenzen des Vorfalls ab, so Bürgermeister Kowalczuk. Diese werde es auf jeden Fall geben, ist er sich sicher. Nicht zuletzt weil der Brand den Einsatz höchster politischer Gremien nach sich gezogen und ein breites Medienecho verursacht habe.

Damit der Brand in Brozek und die weitere Sanierung des Geländes nicht in Vergessenheit geraten, treffen sich noch mindestens bis Ende des Jahres Forster Bürger an jedem ersten Montag im Monat an der Stadtkirche. Die nächste Zusammenkunft findet am 7. August statt. Dann will Johann Staudinger vom BUND Cottbus über die für Montag, 4. September, geplante Gesprächsrunde in Brody informieren. Eingeladen seien dazu die Landräte von Spree-Neiße und Zary, deutsche und polnische Umweltbehörden, der Betreiber und Fachleute zur Altlastensanierung. Außerdem sollen an diesem Tag die im März und April gesammelten Unterschriften der Bürger übergeben werden, die sich unter anderem für die Beseitigung der Deponie einsetzen.