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Veloblog wird Diskussionsplattform

Die Forster Wasserwacht ist von Charlotte Noblets Aktion begeistert.
Die Forster Wasserwacht ist von Charlotte Noblets Aktion begeistert. FOTO: privat
Die Reportage-Reise „Oder-Neiße-Grenze durchs Radfahren öffnen“ der in Berlin lebenden französischen Journalistin Charlotte Noblet (27) ist auch auf Begeisterung und Interesse in der Forster Region gestoßen. Das sagte Charlotte Noblet auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Nun soll das dazugehörige Internet-Portal Noblet zufolge zur regionalen Diskussionsplattform werden. Von Frank MuscheidFrank Muscheid

Die Tour, die sie von Mitte Juli bis Ende August per Rad und zu Fuß von der Neißequelle bis auf die Ostsee-Insel Usedom und dabei auch durch Bademeusel und Forst geführt hatte, hat die Journalistin auf rund 600 Fotos und in 180 Artikeln im „veloblog“ , einem Internet-Tagebuch, festgehalten (die RUNDSCHAU berichtete). „Während der Reise hat die Webseite mehr als 40 000 Zugriffe aus verschiedenen Ländern verzeichnet“ , sagt Charlotte Noblet, die zunächst allein gereist und unter anderem bei der Familie des Bademeuseler Bürgermeisters René Müller und im Kinder- und Jugenddorf Forst untergekommen war.

Wasserwacht ist begeistert
In Forst sei es zunächst schwierig gewesen, eine Unterkunft zu finden. „In einer kleinen Stadt ist es immer etwas schwieriger als in einem Dorf“ , schätzt Noblet ein. Die Forster seien, vielleicht auch wegen des Wetters, an diesem Tag nicht „so gut drauf“ gewesen. Schließlich sei sie aber mit Reinhard Mantel und Petra Mallat von der Wasserwacht in Kontakt gekommen. Die beiden sind mit den drei polnischen Schwimmmeistern vom deutsch-polnischen Schwimmlager in Forst sogar zu dem Tour-Begegnungstag nach Frankfurt (Oder) gekommen. Für Charlotte Noblet eine der schönsten Erfahrung ihrer deutsch-polnisch-französischen Tour beiderseits der Grenze, „dass Menschen, die ich auf der Strecke getroffen habe, dazugestoßen sind. Dass, wenn ich einen Tag oder Abend mit den Personen verbringe, sie die Geschichte verfolgen und sich dafür begeistern.“
So seien nicht nur aus Bad Muskau Bekannte nach Frankfurt gefolgt. Der anschließenden Wanderung von Frankfurt bis Usedom hätten sich zwei Franzosen aus Bordeaux und Dijon, die extra dafür nach Deutschland gekommen seien, eine Berlinerin und beinahe auch eine Deutsche und eine Chinesin aus Leipzig angeschlossen. Weil Chinesin Yan jedoch mit ihrem Visum nicht häufig genug die deutsch-polnische Grenze hätte überqueren können, habe die Wandergruppe beide wieder auf Usedom getroffen. „Die Tourplanung war wie ich sehr spontan“ , sagt Charlotte Noblet. Daher habe sie das Veloblog ab Frankfurt für Teilnehmer geöffnet und ihr Rad stehen lassen. „Wir mussten uns ganz anders orientieren, als wenn nur eine Person allein reist“ , sagt Noblet zum Unterkunftsproblem. Doch der Jugendherbergsvater in Szczecin (Stettin) habe seine Visitenkarte mitgegeben und damit Tür und Tor der Einrichtung in Swinoujscie (Swinemünde) auf Usedom geöffnet. Zwischenzeitlich sei die Gruppe auf einem Campingplatz in Brzozki untergekommen.

Ein Kabel auch in entlegener Region
Negativ habe sich nur die Computer-Technik bemerkbar gemacht. So sei ein Kabel durchgebrannt. „Es wird schon klappen“ , habe sich Charlotte Noblet auch mitten auf dem polnischen Land gesagt. Der Campingplatzleiter sei nach Stettin gefahren, habe ein Kabel von einem befreundeten Computerhändler geholt und es ihr mitten im Nirgendwo des Grenzlandes überreicht. „Es war nicht immer einfach, aber schön“ , sagt Charlotte Noblet.
Der Veloblog soll nun nicht geschlossen, sondern als Diskussionsplattform für die Grenzregion umstrukturiert werden. So habe es darin zum Beispiel eine kleine Diskussion über das neue Horno gegeben. Geplant sei eine Karte der Tour, so Noblet, auf der die jeweiligen Stationen angeklickt und Beiträge dazu eingestellt werden könnten.
Wer bis zum 30. September einen Kommentar im Internet schreibt, kann der Projektleiterin zufolge an einem Wettbewerb um eine „deutsch-französisch-polnische Überraschung“ teilnehmen. Die Ehrung sei in Berlin, Warschau oder einer französischen Stadt geplant, so Noblet. Offenbar könnte das Tour-Beispiel Schule machen: Eine Lehrerin in der Delegation von Bersenbrück, Partnerstadt von Gryfino, habe beim Besuch dort angekündigt, etwas Ähnliches mit einer Klasse zu starten, so Noblet. Zunächst plant die Journalistin jetzt eine Fotoausstellung Mitte Oktober. „Manche fragen nach einem Buch“ , so Noblet. „Aber ich will aus einem Blog kein Buch machen.“ Zuerst müsse sie Abstand zum Erlebten gewinnen. „Keine Distanz zu haben heißt auf Französisch, den Kopf noch im Lenker zu haben“ , fügt sie hinzu.
Das international geförderte veloblog-Projekt steht im Internet unter: www.veloblog.eu