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| 14:37 Uhr

Kultur
„Ich möchte ein Filet ohne Knochen“

„Hasi is weg!“ Entsetzter Blick in den Bratentopf mit ..Barbara Störch, Mohammad Wali Abdolah Zadeh, Annette Koch und Wilfried Ebert.⇥Foto: M. Jahn
„Hasi is weg!“ Entsetzter Blick in den Bratentopf mit ..Barbara Störch, Mohammad Wali Abdolah Zadeh, Annette Koch und Wilfried Ebert.⇥Foto: M. Jahn FOTO: Margit Jahn
Forst. Zum sonnigen Theater-Spaziergang der anderen Art lud das Sacroer Sommertheater ein. Seit dem Jahr 2000 spielen hier Laien viele Stücke miteinander. Von Margit Jahn

„Beziehungskisten“ war das Thema des diesjährigen Sommertheaters, welches eine eingeschworene kleine Künstlergruppe um Pfarrer Bodo Trummer am Samstagabend rund um die Sacroer Kulturkirche dem begeisterten Publikum präsentiert hat.

Diese Kisten mit selbigem Namensdruck standen symbolisch im Pfarrgarten drapiert. Romantisch im ganzen Garten verteilt, waren viele Spielszenen aufgebaut. Der junge Musiker Friedrich Marten hatte die Aufgabe, mit seinem Saxofon die Zuschauer jeweils von einer zur anderen von acht Spielstätten musikalisch zu begleiten.

Gleich mit dem ersten Stück „Fleisch-Filet für Zwei“ wurden die Lachmuskeln der Zuschauer in der Freiluftbühne strapaziert. Frank Sensel als gestandener Fleischer brillierte hier mit Marlies Dockter rund um ein Filet ohne Knochen, welches es ja nicht gibt, so der entnervte Fleischer. In der zweiten Spielstätte, der Kirche, gab es mit „Flickwerk“ ein Clownsdrama zu sehen. Marion Zwanzig und Dorothea Röger, beide als singende Schauspieler vor den Zuschauern, sorgten mit einer extra starken Spiel-Mimik und Gestik für sichtlich Spaß in ihrem Szenespiel.

„Wer zuletzt lacht“ war die dritte Episode im Programm, in dem sich Frank Sensel als entspannter Leser mit dem anrollenden Radler Bodo Trummer einen Schlagabtausch lieferte. Der friedlich sitzende Zeitungsleser fühlte sich vom Foto-Album schauenden und laut lachenden Sitznachbarn arg gestört und war über dessen Lachsalven mehr als verärgert. „Würde es Ihnen etwas ausmachen, etwas diskreter zu lachen?“ Irgendwann näherten die beiden sich an, und Sensel erhielt einen Einblick in das Fotoalbum, um am Ende seinerseits prustend zu lachen. Die Situation kehrte sich somit um.

In einer pantomimischen Performance mit Steinen begeisterten die Hochzeitskleidung tragende Annette Koch und Mohammad Wali Abdolah Zadeh die Zuschauer.

Das deutsche Reinheitsgebot war Thema in der fünften Szene. Dass es manchmal ganz anders ausgeht, als man denkt, konnten die Zuschauer bei „Hasi ist weg“ erleben. Die Zuschauer erfuhren eine etwas makabre Mittagsszene mit leckerem Braten von Mutter Barbara Störch. Zu allem Unglück vermisste Tochter Annette Koch just zu dieser Zeit ihren Hasi. Das war sogar dem Vater, gespielt von Wilfried Ebert, etwas ungeheuerlich. Am Ende fand sich Hasi wieder ein, nur der Nachbar klingelte und vermisste seinen Liebling. Entsetzt schauten am Ende alle in den Bratentopf am Tisch.

Ein Jahr lang wurde sich auf dieses Theater vorbereitet, berichtet  Frank Sensel. Seit 2000 gibt es das Sacroer Theater. Pfarrer Bodo Trummer und Regina Sensel haben damals beim Landesjugendpfarramt Thüringen eine Grundausbildung in Theaterpädagogik erhalten. Später folgten andere theaterbegeisterte Laienspieler und vervollständigten die schauspielfreudige Gruppe.

Der jeweilige Absolventenkurs führte traditionell am Ende ein Theaterstück auf. Die Kirchenclowns kamen hinzu. So ist nach und nach die Forster Laienspielgruppe entstanden. Jeden Dienstag probt die Theatergruppe in Sacro.

Die Idee mit den wandelnden Episoden-Plätzen zwischen Kirche, Pfarrhof und Pfarrgarten findet Bärbel Tauchert als Zuschauerin klasse. Sie sagt: „Hier wäre ich sonst nicht vorbei gekommen.“

Überhaupt war der Zuspruch für diesen Abend so groß, dass gar nicht alle Gäste einen Sitzplatz erhalten konnten.