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Unruhe nach Krebsfällen in Grundschule

Journalisten bestürmen Sven Zuber, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Forst, am gestrigen Mittwoch auf dem Schulhof der Grundschule Nordstadt mit Fragen zu Ergebnissen der Schadstoffuntersuchungen am Schulstandort.
Journalisten bestürmen Sven Zuber, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Forst, am gestrigen Mittwoch auf dem Schulhof der Grundschule Nordstadt mit Fragen zu Ergebnissen der Schadstoffuntersuchungen am Schulstandort. FOTO: Beate Möschl
Forst. In dieser Woche werden die Ergebnisse der ersten Messreihe zur Analyse der Schadstoffbelastung an der Grundschule Nordstadt in Forst erwartet. Hintergrund sind Krebserkrankungen von drei Viertklässlern der Grundschule. Beate Möschl

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Sven Zuber, hat seinen Urlaub abgebrochen, um vor Ort zu sein und dem Ansturm der Medien zu begegnen. Seit Ostersamstag drängen Journalisten von TV- und Radiosendern, überregionalen und Berliner Tageszeitungen und die Boulevardpresse auf Auskunft. Sie wollen wissen, ob die Auslöser für die gehäuften Krebserkrankungen an der Grundschule Nordstadt im Schulgebäude oder dessen Umfeld begründet liegen.

Für diese Woche waren erste Ergebnisse aus einer im März gestarteten 14-tägigen Messreihe erwartet worden. Doch noch liegen diese nicht vor.

Textilreinigung am anderen Ort

"Ich hoffe, morgen oder übermorgen mehr sagen zu können", sagt Zuber am Mittwoch auf dem Schulhof der Grundschule Nordstadt in die Mikrofone von rbb-Hörfunk und Fernsehen. Er betont, dass es sich bei dem Schulgelände nicht um den Standort einer ehemaligen Textilreinigung handelt, wie unter anderem von Nachrichtenagenturen falsch berichtet. Die Chemische Reinigung lag mehrere Hundert Meter von der Grundschule entfernt und ist nach der Wende abgerissen worden. An dem Standort - heute Frankfurter Straße/Ecke Blumenstraße - ist nach umfangreichem Bodenaustausch eine Wohn- und Gewerbeimmobilie neu errichtet worden.

Eine Sorge von Eltern ist, dass die Schadstoffblase unter der ehemaligen Textilreinigung, die unterirdisch mit dem Grundwasser ausgetragen wird und deshalb in großen Teilen der Nordstadt die Entnahme von Grundwasser verbietet, zur Auslösung der Krebsfälle an der Grundschule beigetragen haben könnte.

Regelmäßige Messungen

Seit 2002 beobachtet die Umweltbehörde des Landkreises Spree-Neiße das Verhalten der Schadstoffblase und nimmt regelmäßig Messungen vor. Ein Signal zu möglichen Gefahren gab es bisher nicht, sagt Zuber und betont: "Wir nehmen die Sorgen der Eltern sehr ernst." Deshalb seien auch unmittelbar nach Bekanntwerden der Häufung von Krebsfällen an der Schule in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Landkreises und dem Schulamt Raumluftuntersuchungen angeordnet worden. Insgesamt drei Messreihen wurden in Auftrag gegeben. Die letzte und umfangreichste ist am gestrigen Mittwoch abgeschlossen worden. Sie dient dazu, das Vorkommen von deutlich mehr als 100 Stoffen in der Raumluft ausgewählter Klassenräume und in den Kellerräumen zu untersuchen, wie Thomas Lahrz vom Landeslabor Berlin-Brandenburg erläutert. "Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse Ende der nächsten Woche vorliegen werden", sagt er, weist jedoch darauf hin, dass aus den Messergebnissen nicht auf Krankheiten geschlossen werden kann. "Das müssen Fachleute abgleichen. Was wir sagen können ist, welche Stoffe vorkommen und in welcher Konzentration, ob die Luft in einem hygienisch einwandfreien Zustand ist und die Räume sorgenfrei genutzt werden können."

Schulbetrieb geht vorerst weiter

Zuber zufolge wird die Stadtverwaltung am kommenden Dienstag die nächsten Elternbriefe mit aktuellsten Informationen zum Stand der Untersuchungen rausschicken. "Wir laden auch zu einer Elternversammlung ein, bei der Vertreter der an den Schadstoffuntersuchungen beteiligten Behörden und Labore dabei sein werden. Das wird voraussichtlich Ende April sein", so Zuber.

Unter den Eltern hat sich unterdessen die Unruhe verstärkt. Drei Kinder waren bereits vor den Osterferien von ihren Eltern nicht mehr zur Schule geschickt worden. Medienberichten zufolge ist damit zu rechnen, dass weitere elf bis 13 Familien diesem Beispiel folgen. "Das ist die persönliche Entscheidung der Eltern. Damit müssen wir umgehen. Wenn es um die Gesundheit der Kinder geht, sind solche Emotionen verständlich."

In Abstimmung mit dem Schulamt soll der Schulbetrieb nach den Osterferien planmäßig wieder aufgenommen werden, kündigt Zuber an. Er schließt jedoch Änderungen nicht aus, sofern die ersten Messergebnisse, die vorgelegt werden, dazu Anlass geben. "Wir stehen in Verbindung mit einer an der Schule gegründeten Elterninitiative. Sie ist schriftlich mit der Bitte an uns herangetreten, dass wir spätestens zum 16. April eine Ausweichvariante für den Schulbetrieb anbieten, falls wir Gefahr im Verzug sehen", informiert Zuber. Er bestätigt, dass es einen Plan B für den Fall des Falles gibt, "aber wir hoffen, dass der nicht eintritt".

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