Herr Beyer, Ihr neues Buch "Die Fee- und andere Uuups!-Geschichten" scheint Ihrem Buch "Uuups! - Geschichten zum Schmunzeln, Staunen und Nachdenken" zu ähneln. Sind sie Wiederholungstäter?
Ja und nein! Die Geschichten sind ähnlich strukturiert, pointiert. Aber die neuen Geschichten sind deutlich länger. Damit habe ich dem Wunsch vieler Leser entsprochen, die sich etwas längere Geschichten wünschten. Ich hoffe, das kommt an.

Sowohl in der Presse als auch von Ihren Fans werden Sie gern mit dem Waliser Autor Roald Dahl* verglichen, der für seinen hintergründigen, schwarzen Humor bekannt ist. Ehrt Sie dieser Vergleich?
Selbstverständlich. Ich empfinde das als anerkennendes Schulterklopfen. In meiner Jugend habe ich sehr viele seiner Geschichten gelesen. Die Bildhaftigkeit seiner Texte und seine Fähigkeit, die Leser emotional mitzunehmen, haben mich in meiner Jugend begeistert. In meinen Geschichten versuche ich genau wie er, eine Beziehung zwischen dem Leser und den Akteuren meiner Geschichten zu schaffen, wecke Anteilnahme oder Ablehnung.

Können Sie das mit wenigen Worten erklären?
Ich will noch immer das "Kind im Manne" spüren. Ich versuche, schon beim Schreiben in die Rollen der handelnden Akteure zu schlüpfen. So kommt es vor, dass ich beim Schreiben mal lache oder mir manchmal Tränen in die Augen kommen.

Zu Ihnen und Ihrer Familie gibt es in einem Pavillon im Rosengarten eine Schautafel. Daraus kann man schlussfolgern, dass Sie in das Schreiben hineingeboren wurden.
Hineingeboren trifft es genau. Sich schriftlich auszudrücken und fremden Menschen die eigenen Ideen in Form von Geschichten oder Gedichten zu vermitteln, liegt tatsächlich in unserer Familie. Bereits meine Urgroßmutter verfasste Verse, meine Großmutter schrieb Gedichte, ebenso meine Mutter, dazu Kurzgeschichten. Und auch meine große Tochter hat inzwischen erste literarische Veröffentlichungen.

Und seit wann schreiben Sie?
Seit fast vier Jahrzehnten. Ich habe Gedichte und Kabaretttexte geschrieben. Später Kurzgeschichten und als Mitautor Bücher wie "Ostdeutscher Rosengarten - 100 Jahre Erinnerungen" und "FOR you - Menschen erzählen vom Arbeiten und Leben in Forst (Lausitz)".

Diese Werke deuten auf eine sehr enge Bindung zu ihrer Heimatstadt. Ist der Eindruck richtig?
Auf jeden Fall. Die Menschen hier, ihre Mentalität, die Geschichte der Stadt und der Region, daraus ziehe ich Kraft und Motivation.

Und welche Rolle spielt dabei der Ostdeutsche Rosengarten?
Er hat mich schon immer fasziniert. Als Junge habe ich hier meine Hausaufgaben gemacht. Noch heute nehme ich mitunter meinen Laptop, setze mich auf eine Bank und schreibe.

Schreiben Sie auch so gern Gedichte wie Ihre Mutter und Großmutter?
Früher schon, heute fehlt mir die Zeit dafür.

Aber fließen Gedichte nicht aus der Feder, wenn man eine Idee hat?
Das ist ein Irrtum. Dichten heißt verdichten, Gedanken, Gefühle und Handlungen mit wenigen Worten ausdrücken. Gedichte kann man von mir demnächst nicht unbedingt erwarten.

Sie sind im Festkomitee für das Juläum "750 Jahre Forst" aktiv. Was motiviert Sie dazu?
Ich bin in Forst aufgewachsen und es ist meine Heimatstadt, in der auch meine familiären Wurzeln liegen. Sich ehrenamtlich zu engagieren, war in meiner Familie immer selbstverständlich. Wenn jeder sich mit dem, was er kann, nur ein kleines Stück einbringt, ist das Leben in der Stadt interessant. Und inzwischen sind sehr viele Bürger aktiv. Da möchte ich nicht zurückstehen.

Sie werden in diesem Jahr 60. Denken da an den Ruhestand?
Ich habe noch viele Pläne und Ideen. Ich befasse mich mit dem Thema "Menschen der Jahrhunderte, die mit Forst verbunden sind". Daraus sollte schon zum Jubiläum ein Buch werden. Leider hat das nicht mehr geklappt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Gibt es andere Projekte?
Gewiss. Ich will ein Jugendbuch fertigstellen. Es soll "Das Geheimnis der alten Melodie" heißen. Die Rohfassung ist seit mehr als 15 Jahren fertig.

Worum geht es darin?
Es wird ein Roman, der an real existierenden Orten der Region spielt. Er fußt auf einer spannenden Schatzsuche im Branitzer Park. Außerdem ist ein drittes Uuups!-Buch in Arbeit. Nach diesen Geschichten werde ich immer wieder gefragt.

Mit Bernd Beyer

sprach Hartmut Landes

*Roald Dahl (1916 - 1990), britischer Schriftsteller, verfasste Romane und Kurzgeschichten mit feinsinnigem schwarzen Humor.

Zum Thema:
Bernd Beyer (59) war Montagearbeiter, Polizeihauptkommissar, er absolvierte die Militärakademie, hat mehrere Ingenieursabschlüsse und studierte Management. Besonders beliebt sind seine "Uuups!-Geschichten". Beyer ist Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband und Mitbegründer des "Brandenburger Autorenstammtisches". Seit 2012 ist er Leiter der Literaturwerkstatt des Brandenburger Autorenstammtisches.Donnerstag, 18. Juni, 18 Uhr, stellt Beyer sein neuestes Werk "Die Fee und andere Uuups!-Geschichten" im Brandenburgischen Textilmuseum in Forst, Sorauer Straße 37, vor (Eintritt frei).