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| 02:38 Uhr

Umstrittener Digitalfunk für Feuerwehr wird teuer

Forst. Prinzipiell überwiegen die Vorteile – wenn er funktioniert: Digitalfunk. Mit ihm sollen in den kommenden Jahren neben der Polizei auch die Einsatzkräfte der Forster Feuerwehr ausgestattet werden. Doch die neuen Geräte sind für die Kommunen nicht nur teuer, sie zeigen bisher auch Macken. Jan Selmons

"Kommunikation ist alles, wenn man etwas gewinnen will", ist die entscheidende Erfahrung, die Verwaltungsvorstand für Ordnung und Sicherheit, Jens Handreck, aus den Tagen des Hochwassers an der Neiße mitgenommen hat. Da saß der Krisenstab im Rathaus und war auf Analog-Funk angewiesen. Der kann bis zur Unverständlichkeit rauschen oder die Verbindung ist wetterabhängig, wie der Stadtwehrführer zu berichten weiß. Mit Digitalfunk ist das anders. "Der geht oder er geht nicht", so Frommelt. Dazwischen gibt es nichts. Das ist ein Vorteil, wenn alles glatt läuft. "Die flächendeckende Einführung bei den Feuerwehren soll nach Abschluss der Erprobung bei der Polizei im zweiten Halbjahr 2014 erfolgen", so der Stadtwehrführer. Für die Kommunen heißt das: Kosten. 13 Stück Fahrzeugfunkgeräte, zwei stationäre Funkanlagen an den Forster Gerätehäusern und 71 Handfunksprechgeräte müssen angeschafft werden.

Zwar garantiert das Land über eine Landesausschreibung eine Kostendeckelung pro Gerät. Dennoch geht die Stadt von einem Finanzbedarf von insgesamt 92 000 Euro für die Geräte aus. Doch dabei dürfte es nicht bleiben. "Besonders aufwändig werden Service und Wartung der Funktechnik und des Zubehörs", so Frommelt. Dazu ist laut Vorschrift ein "Ansprechpartner Funk" zu benennen und auszubilden - und zwar bis Ende 2012. Ob das ein Ehrenamtlicher machen kann, darüber ist noch nicht entschieden. Doch Stadtverordnete gehen von weiteren Kosten aus. "Da die Sache bisher schon mehr gekostet hat, kann man davon ausgehen, dass die Sache auch später mehr kosten wird", sagt CDU/DSU-Fraktionschef Bernd Lehmann und spielt damit auf die bisherige Preisexplosion bei der Einführung des Digitalfunks an.

Laut einem Bericht des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2009 stiegen die Kosten innerhalb eines Jahres um nahezu 30 Prozent auf 3,625 Milliarden Euro.

Dafür hat der Digitalfunk nach Angaben Bernd Frommelts entscheidende Vorteile. Etwa die Abhörsicherheit und vor allem die Qualität der Sprachübertragung. "Immerhin muss ich im Ernstfall Leute zur Rettung in brennende Gebäude schicken - da ist Kommunikation alles", so der Stadtwehrführer.

Allerdings ist die Zuverlässigkeit der Technik bei Tests nicht immer überzeugend gewesen. Bereits im vergangenen Jahr testeten Brandschützer von Vattenfall den Digitalfunk, unter ihnen auch Mitarbeiter freiwilliger Feuerwehren. Ergebnis: Vor allem in großen Gebäuden mit dicken Mauern und im weitläufigen Tagebaugelände setzt der Digitalfunk immer wieder aus.

Dennoch ist Bernd Frommelt von der Forster Feuerwehr in Sachen neuer Technik optimistisch. "Ich gehe davon aus, dass der Digitalfunk bei Einführung funktionieren wird", sagt er. Und auch für Verwaltungsvorstand Jens Handreck überwiegen am Ende die Vorteile. "Insgesamt ist die Einführung eine gute Sache", so der Fachmann für Ordnung und Sicherheit.

Zum Thema:
Im Zusammenhang mit dem Digitalfunk fällt häufig die Abkürzung BOS. Das heißt Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Künftig soll mit dem Standard Tetra ein universelles Sprach- und Datenfunksystem für alle Behörden und Organisationen eingeführt werden. Der bisherige Analogfunk - intern scherzhaft als "öffentlicher Rundfunk" bezeichnet - gilt als veraltet, störanfällig und nicht abhörsicher genug.