Von Nils Ohl

Der Forster Thomas Berger zeigt auf die toten Fische und Muscheln, die zu Dutzenden im Schlamm des Mühlgrabens liegen. Sein Grundstück grenzt direkt an den Mühlgraben, der seit Tagen abgelassen ist. In einigen zurückgebliebenen größeren Tümpeln sind noch Fische zu sehen, die zappelnd nach Sauerstoff schnappen.

Wie Olaf Lalk, Erster Beigeordneter des Landkreises, sagt, bleibt das Wasser turnusmäßig bis zum 20. Oktober abgelassen. Grund sind Baumaßnahmen. So werden die Widerlager der alten Eisenbahnbrücke sowie die Uferbefestigung im Bereich der Brücke erneuert und die Fischtreppe bei der Wasserkraftanlage an der Stadtmühle instand gesetzt. Zudem erfolgt die Überprüfung der Brücken am Mühlgraben. Der Mühlgraben gehört dem Land. Allerdings ist der Landkreis als Untere Wasserbehörde für das Abfischen und Umsetzen der Fische zuständig.

Fischen schon seit Tagen ab

Damit beauftragt ist der Landesanglerverband. Unterstützt wird er von den Forster Anglervereinen. Bernd Lang, Vorsitzender des Anglervereins Forst Nord, erklärt: „Wir fischen schon seit Tagen ab, aber jeden Fisch bekommen wir leider nicht.“ Und er weist auf eine positive Seite dieses Dilemmas hin. Fischotter, Minke oder auch Füchse würden sich an den toten Fischen gütlich tun, weil die einfacher zu fressen sind. „Dadurch werden die noch lebenden Fische in den Tümpeln in Ruhe gelassen und können besser abgefischt werden.“

Trotzdem geht es den Anglern natürlich darum, so viele Fische wie möglich zu retten. Bernd Lang nennt beeindruckende Zahlen. Seit 23. September haben die Angler pro Tag zwischen 400 und 1150 Kilogramm Fisch aus dem Mühlgraben geborgen, dazu kommen täglich rund 3000 Muscheln.

Elektrofischen als Methode der Wahl

Jeweils am Nachmittag gegen 14 Uhr treffen sich die Angler, um die Fische zu bergen. Diesmal geht es für die neun Männer an den Abschnitt hinter dem Betriebsgelände von Mattig und Lindner. Knietief, dunkelbraun und voll vergilbter Blätter steht das Wasser in den vom Bach übriggebliebenen Lachen.
Angetan mit Gummistiefeln, Gummihosen und Gummihandschuhen steigen die Männer in das Nass.

Die Fangmethode der Wahl ist das Elektrofischen. Dafür bedarf es einer besonderen Qualifikation. Die hat Wolfram Hahlweg. Der Fischwirt ist als Beauftragter des Landesanglerverbandes mit seinem tragbaren Batterie-Gerät vor Ort. „Elektrofischen ist die schonenste Methode“, sagt er. „Die Tiere kommen weder mit Haken noch mit Netzen in Kontakt, sondern werden nur betäubt.“

Von Aal bis Wels

Normalerweise kommt Elektrofischen zum Einsatz, um Bestände zu zählen. Doch hier am Mühlgraben werden die betäubten Fische per Kescher abgeschöpft und mühsam über rutschige Böschungen in Eimern zu einem Transportanhänger mit großen Tank getragen. „Da ist Frischwasser drin, in das ständig Sauerstoff gepumpt wird“, erklärt Bernd Lang und zählt auf, welche Arten hier schon geborgen wurden: Aale, Welse, Schleien, Bachforellen, auch seltene Neunaugen und Schlammpeitzger.

„Wir fischen noch bis zum 2. Oktober mit der Elektromethode ab, danach machen wir noch weitere zwei Wochen Kontrollgänge“, so Lang. In Freiheit entlassen werden die Fische, die das Glück hatten, den Anglern ins Netz zu gehen, später an der Neiße.