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Umdenken im Sinne der Bienen

Andreas Kählig, Vorsitzender des Imkervereins Forst, im Bienenwagen auf der Reisigwehrinsel im Rosengarten.
Andreas Kählig, Vorsitzender des Imkervereins Forst, im Bienenwagen auf der Reisigwehrinsel im Rosengarten. FOTO: Frank Hilbert
Forst. Die Natur habe sich in den vergangenen Jahren so verändert, dass die Bienen immer weniger Nahrung finden. Hier positiv einzuwirken, erhofft sich der Forster Imkervereinschef Andreas Kählig von der Stadt – inklusive einer stabilen Stromversorgung für den Bienenwagen im Rosengarten. Steffi Ludwig

Dass die Stadt Forst im März als eine der ersten in Deutschland einen Beschluss über die "Ortsüblichkeit der Bienenhaltung" getroffen habe - dafür bedanke er sich, sagte Andreas Kählig vor dem Bauausschuss, in dem er über die Situation der Forster Imker berichtete. Dieser Beschluss würdige die Arbeit der derzeit 30 Imker in Forst - denn dadurch müssten beispielsweise Nachbarn von Imkern die Bienenhaltung dulden.

Es habe in den letzten Jahren einen dramatischen Einschnitt bei den Zahlen gegeben: Von ehemals 120 Imkern im Forster Verein - der mit seiner Gründung vor 164 Jahren der zweitälteste Verein der Stadt ist - sind noch besagte 30 übrig. Das bedeute, dass es nur noch rund zehn Prozent der Bienenvölker im Vergleich zur Vorwendezeit gebe.

Zudem habe sich die Natur gravierend verändert: Durch das Umschwenken der Landwirtschaft zu Nutzpflanzen wie Mais gebe es für alle Insekten wie auch die Bienen weniger Nahrung. Wenn es weniger Bienen gebe, werde weniger bestäubt - es komme zur Verarmung der Natur. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, hat Andreas Kählig einige Vorschläge und Bitten, die er an die Stadtverordneten und Stadtverwaltung richtet.

So würde er sich freuen, wenn auf die Landwirte eingewirkt werden könne, damit sie beispielsweise Alternativen zum Mais überlegen. Diese gebe es, wie die durchwachsene Silphie. Bei den Solarflächen in der Region wie am Forster Eltwerk bittet er zu überlegen, dazwischen Pflanzen anzuordnen. In Domsdorf würden Schafe zwischen den Anlagen herumrennen - auch das sei ihm lieb, so Kählig.

"Auch Feldränder und Brachflächen sollten bepflanzt werden, auch für das Niederwild wie Hase oder Rebhuhn", fordert der Imker. "Bäume sollten möglichst nicht gefällt werden, wenn sie gerade blühen." Das sei in Forst passiert, da hätten bei den Imkern die Telefone geklingelt.

Auch das Mähen öffentlicher Wiesen, kurz bevor etwas blühen könne, prangert Kählig an. Das sehe natürlich erstmal schöner aus, kappe aber die Nahrung der Bienen. Sein Vorschlag: eine Mahd nach der Blüte oder sie auch mal ausfallen lassen. Dieses Thema hatte auch der Cottbuser Nabu-Sprecher Harald Wilken im Sommer in einem Brief an den Forster Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) angesprochen. Es ging um die Abrissflächen, die nach Wilken nur noch einmal im Jahr gemäht werden sollten, um die artenreichen Wildstaudenflure zu erhalten. Die Forster Wohnungsbaugesellschaft (FWG) hatte dies zwar begrüßt, die Machbarkeit aber angezweifelt - da die Öffentlichkeit einen "ordentlichen Zustand" erwarte.

Ein weiteres Anliegen hat Imker Andreas Kählig: Der Imkerwagen, der vor zwei Jahren auf der Reisigwehrinsel im Rosengarten aufgestellt worden war und Interessenten ein Probe-Imkern ermöglicht, braucht eine stabile Stromversorgung. Die Hygiene fordere dort Warmwasser, der Verein habe bisher nur ein Notstromaggregat dabei. "Wir bieten auch unsere Mitarbeit an", so Andreas Kählig. Die Stadt will dies nach Auskunft von Bau-Verwaltungsvorstand Heike Korittke nun prüfen lassen, könne aber nichts versprechen. "Wir haben beschlossen, mit den Imkern zusammenzuarbeiten, dann sollten wir ihnen auch helfen", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Stenzel.

Zum Thema:
Im Landkreis Spree-Neiße und Cottbus gibt es zusammen 355 gemeldete Bienenhalter (davon 72 in Cottbus) - seit 2013 arbeiten die Veterinär- und Lebensmittelüberwachung von Stadt und Landkreis zusammen. Damit ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: Da gab es nur 307 Imker (52 in Cottbus). Imkervereine gibt es in Cottbus, Forst, Guben, Spremberg, Burg, Dissen, Drebkau-Neupetershain sowie Teichland und Umgebung.