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Forst
Übung: Unfall mit Chlorgas im Freibad Forst

Am Freibad in Forst fand am Montag die große Jahresübung der Freiwilligen Feuerwehr Forst statt. 
Am Freibad in Forst fand am Montag die große Jahresübung der Freiwilligen Feuerwehr Forst statt.  FOTO: Michael Leske
Forst. Einsatzübung unter realistischen Bedingungen für Feuerwehren aus Forst, Naundorf und Briesnig. Ausbilder ist danach zufrieden. Von Katrin Kunipatz

Der Notruf am Montagabend kommt aus dem Freibad. Ein Mitarbeiter meldet der Leitstelle, zwei seiner Kollegen seien hinter einer verschlossenen Tür vermutlich in Not geraten, weil sie trotz Klingeln des Telefons nicht reagieren. Unter dem Einsatzstichwort Türnotöffnung erreichen ein Fahrzeug der Feuerwehr Forst mit neun Kameraden und ein Rettungswagen das Freibad. Zügig ist das Schloss mit entsprechender Technik aufgefräst. Als die Feuerwehrleute die Tür öffnen, schlägt ihnen starker Chlorgeruch entgegen.

Der Einsatzleiter löst Vollalarm aus. Gefahrgutalarm heißt nun das Stichwort. Währenddessen rettet der erste Trupp, ausgestattet mit Pressluftatemgeräten, die erste Person gleich hinter der Tür. Minuten später erreichen acht Einsatzfahrzeuge, darunter der ABC-Erkundungswagen und der Gerätewagen Gefahrgut das Freibad. Auch die diensthabenden Ortswehren aus Briesnig und Naundorf sind darunter. Insgesamt 40 Einsatzkräfte stehen bereit, um Personen aus der Gefahrensituation zu retten und die Ursache für den Austritt des Chlorgases zu ergründen.

Gelassen beobachtet Martin Gloeckner, stellvertretender Ortswehrleiter der Stadt Forst, die Arbeit seiner Kameraden. Als Verantwortlicher für die Ausbildung der 40 aktiven Feuerwehrleute bei der Ortswehr Forst Stadt hat er sich dieses Übungsszenario ausgedacht. In den vergangenen Wochen haben sich die Feuerwehrleute bei ihren Ausbildungsdiensten mit dem Schwerpunkt Gefahrgut und Chemikalien beschäftigt. Bei der Übung will Gloeckner nun sehen, wie gut das vermittelte Wissen im Einsatzalltag angewendet werden kann.

Chlorgas ist ätzend. „Es greift die Atemwege an und kann im schlimmsten Fall zum Atemstillstand führen“, erläutert Martin Gloeckner. Atemschutz allein reicht nicht mehr aus, um im Filterraum des Freibades nach der zweiten Person zu suchen. Also steigen sechs Kameraden mit Atemgeräten auf dem Rücken in die luftdichten Chemikalienschutzanzüge. In Zweierteams betreten sie den Gefahrenbereich Freibads, wo laut Übungsszenario das Chlorgas ausgetreten ist. Auch die zweite Person wird gefunden, nach draußen getragen und an den Rettungsdienst übergeben. Zum Schluss wird die Leckage mit einer entsprechenden Manschette abgedichtet.

Nach knapp zwei Stunden ist die Einsatzübung beendet. „Ich bin zufrieden“, sagt Ausbildungsleiter Gloeckner. „Der Einsatzleiter hat die Lage korrekt erkannt, die Menschenrettung gelang zeitnah und schnell, und das Abdichten der Leckage hat funktioniert.“ Es blieben Feinheiten, die verbessert werden könnten, so Gloeckner.

Im Alltag hat die Feuerwehr Forst bisher selten Zwischenfälle mit Chemikalien erlebt. Martin Gloeckner erinnert sich an einen Tanklaster auf der Autobahn nach Polen. Hier arbeiteten deutsche und polnische Feuerwehrleute zusammen. In einem anderen Fall tropfte eine unbekannte Chemikalie aus leeren Kesselwagen am Gubener Bahnhof. Die Feuerwehr Forst analysierte die Substanz und gab Entwarnung.

Mit Schutzanzügen gingen die Retter in den Maschinenraum.
Mit Schutzanzügen gingen die Retter in den Maschinenraum. FOTO: Martin Gloeckner / Feuerwehr For / Martin Gloeckner
Das DRK übernahm die Versorgung der Verletzten.
Das DRK übernahm die Versorgung der Verletzten. FOTO: Martin Gloeckner / Feuerwehr For / Martin Gloeckner