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Suche nach alten Grundmauern oder Weltkriegsmunition
Überraschungen im Untergrund

Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst demonstriert an der Domsdorfer Straße, wie mit einer Sonde Meter für Meter das Baufeld abgesucht wird.
Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst demonstriert an der Domsdorfer Straße, wie mit einer Sonde Meter für Meter das Baufeld abgesucht wird. FOTO: kkz
Forst. Straßenbauarbeiten bringen Erde in Bewegung und nicht selten treten Überraschungen zutage. Immerhin 50 Zentimeter geht es in die Tiefe, wenn eine Straße grundhaft saniert wird. Katrin Kunipatz

Aktuell passiert es an der Domsdorfer Straße in Forst. Zwischen Märkischer Straße und Domsdorfer Kirchweg sind Bagger und Radlader im Einsatz. Aber bevor die Baufirma mit schwerem Gerät in den Untergrund vorstoßen konnte, wurde die gesamte Trasse auf Munitionsreste untersucht.

Mario Büchner, Truppführer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, erläutert: "Das Gelände befindet sich innerhalb einer Verdachtsfläche. Baubegleitend muss eine Sondierung stattfinden." Durchgeführt wird sie von einer Fachfirma aus Brandenburg. Mit einem Eisensuchgerät schreiten die Fachleute die Baufläche ab. Stellt die Sonde Störungen des Erdmagnetfelds fest, gibt es einen Ton. Kleiner Objekte - wie Infanteriemunition - können in den oberen Bodenschichten geortet werden, so Mario Büchner.

Große Granaten oder Bomben lassen sich noch in einer Tiefe von zwei Metern aufspüren. Bei jedem Ausschlag des Geräts muss die Munitionsbergefirma graben. Nicht immer handelt es sich bei den Eisenobjekten um Munition. Oft kommen alte Rohre oder Werkzeuge zum Vorschein.

Wird Weltkriegsmunition gefunden, kommt der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg zum Einsatz.

"Nur wir transportieren - wenn möglich - die Granaten ab oder entscheiden über eine Entschärfung oder Sprengung vor Ort", so der für den Landkreis Spree-Neiße verantwortliche Truppführer. Im Fall der Domsdorfer Straße sind bisher kaum Munitionsreste gefunden worden. Erdarbeiten finden aktuell auch an der Mühlstraße statt. Hier liegt das Augenmerk nicht auf der Munition, sondern auf Hinterlassenschaften, die Aufschluss über die Stadtgeschichte geben können.

Archäologe Jens Lipsdorf, der in diesem Jahr schon die Tiefbauarbeiten am Lindenplatz begleitete, ist vor Ort. Vorsichtig schiebt der Bagger das Erdreich zur Seite. Sichtbar werden Grundmauern. Mit der Schaufel geht es weiter. Jens Lipsdorf und seine Kollegin vermessen und fotografieren den Befund. Ein Teil der Grundmauern könnte noch aus der Zeit vor Brühl stammen, vermutet Lipsdorf. Andere Teile eines Kellers entstanden wohl erst im Kaiserreich.

Wenn das gesamte Baufeld untersucht ist, will der Archäologe gemeinsam mit Stadtarchivar Jan Klußmann in alten Stadtplänen erörtern, um welches Haus es sich handeln könnte. An der Gubener Straße beginnen in den nächsten Tagen die Tiefbauarbeiten. Die archäologische Untersuchung muss stattfinden, so Heike Korittke. Eine Munitionsbergung ist nicht nötig, teilte der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Stadt mit.