Ein Fund, mit dem man nicht wirklich rechnen konnte, denn über den Verbleib der Grabdenkmäler des ehemaligen Friedhofs gibt es keine konkreten Angaben. Barbara Petri von der Forster Friedhofsverwaltung nahm sich der Fundstücke sachkundig an. Darunter waren zwei Granitplatten, die zu der Grabstätte des Ehrenbürgers Julius Schmidt und seiner Ehefrau Wilhelmine gehörten. Eine weitere Platte stammt von der Ruhestätte der Familien Pittius und Kretschmer. Das vierte Objekt erinnerte ursprünglich an Maria Wildekopf (1820 - 1917).

Der Friedhof I, der heutige Stadtpark Mitte, wurde am 8. März 1853 mit der ersten Beerdigung eröffnet. Die letzte Beisetzung erfolgte im Jahr 1957. Im Juni 1972 wurde begonnen, den Friedhof in eine Naherholungsstätte umzuwandeln. Rücksicht auf die vorhandenen Grabsteine wurde dabei nicht genommen. Auch auf eine bildhafte Dokumentation der geschichtsträchtigen Anlage wurde verzichtet. Dabei fanden eine große Anzahl bekannter Forster Persönlichkeiten dort ihre letzte Ruhestätte, wie Josef Langerstein (1892), der Mitbegründer des Turnvereins 1861 und der Forster Turnerfeuerwehr, Stadtrat Bodo Hammer (1933), diverse Forster Fabrikanten und eine Vielzahl von Forster Ehrenbürgern, darunter auch der Tuchfabrikant Julius Schmidt (1904).

Der Umgang mit dieser Form des Kulturgutes auf dem Friedhof I war eine einzige Katastrophe. Um den Verbleib der historischen Steine ranken sich seitdem viele Gerüchte. Mal hieß es, sie seien als Befestigung für die Sicherung von Fundamenten der zerstörten Neißebrücke genutzt worden, dann sprach man sogar davon, dass Teile beim Bau des 1976 eröffneten Palastes der Republik in Berlin Verwendung gefunden hätten. Nichts davon konnte belegt werden.

Ab dem Jahr 2003 wurde der Stadtpark Mitte, wie die neue Bezeichnung lautet, in mehreren Bauabschnitten aufwändig saniert. Neben der alten Friedhofsmauer und dem zum Teil maroden Baumbestand wurden auch Teile der in der Friedhofsmauer eingelassenen Erdbegräbnisstätten in diese Maßnahmen einbezogen.

In den Jahren 2009/10 wurde auch der Eingangsbereich an der Frankfurter Straße neu gestaltet. Nach historischem Vorbild wurde eine Toranlage mit zwei Säulen und einem Rundbogen errichtet. Die schlichte Grünanlage mit schönem Baumbestand im Zentrum der immer grüner werdenden Stadt Forst ist mit ihren Ruhebänken inzwischen auch ein Ort der Erholung und Entspannung. Atmosphärisch lebt der Stadtpark auch heute noch von der alten Friedhofsmauer und den wenigen, zum Teil nur fragmentarisch erhaltenen Grabstätten. Jetzt heißt es aber, erst einmal, einen geeigneten Standort für die Fundstücke zu finden. Erste Ideen gibt es bereits. In Absprache mit Stadtverwaltung und historisch interessierten Bürgern, wie sie sich zum Beispiel am Geschichtsstammtisch treffen, wo das Thema zum Diskussionsgegenstand werden dürfte.

Zum Thema:
Unter dem Thema "Auf den Spuren literarischer Werke einstiger Forster" findet am Sonnabend, 30. April, die erste Friedhofsführung des Jahres über den Forster Hauptfriedhof statt. Dazu lädt die Arbeitsgruppe "Stadtgeschichte - Forster Persönlichkeiten" des Museumsvereins der Stadt Forst alle Interessierten herzlich ein. Der Rundgang führt zu den Gräbern bekannter und weniger bekannter Forster, welche in ihrem Leben literarische Arbeiten zu verschiedensten Themen verfasst haben. Beginn ist um 15 Uhr auf dem Krematoriumsvorplatz (Frankfurter Straße).