Sie können es nicht verstehen. Weder die Familie Novakovic selbst noch deren Familienpatin Elisabeth Fischer. Seit fast zwei Jahren betreut die 25-Jährige über die Flüchtlingsinitiative Forster Brücke die Familie, die ihr inzwischen ans Herz gewachsen ist. "Gerade für die drei Kinder ist Forst zur Heimat geworden, sie gehen hier zur Schule, haben Freunde", berichtet sie. Auch die Eltern sind gut integriert, haben beide einen Mini-Job. Danijela Novakovic spricht fünf Sprachen und unterstützt ehrenamtlich andere Flüchtlinge als Dolmetscherin. Seit einem Jahr leben sie in einer Wohnung in der Max-Fritz-Hammer-Straße. Doch nun sieht es so aus, als ob an einer Ausreise zurück nach Serbien kein Weg vorbeiführe.

"Wir haben sogar schon einen Ausreisetermin für Ende April nach Belgrad - das ist die Alternative zur zwangsweisen Abschiebung", sagt die Patin traurig. "Wir bereiten gerade die Auflösung des Hausstandes vor." Denn Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) war bei seiner ablehnenden Meinung geblieben und hatte sich über das positive Votum der Härtefallkommission hinweggesetzt. Diese war im November 2015 einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass im Fall der Novakovics dringende humanitäre und persönliche Gründe vorliegen, die besonders im Interesse der Kinder ein Bleiben in Deutschland erforderlich machen. Denn wie der Flüchtlingsrat Brandenburg im März mitgeteilt hatte, sei Familie Novakovic als Roma in Serbien immer wieder angefeindet und angegriffen worden, die Kinder hätten die Schule nicht mehr besuchen können. Daraufhin sei die Familie nach Deutschland geflohen.

Der achtjährige Kristijan, das jüngste der drei Geschwister, sei wegen seiner traumatisierenden Erfahrungen in jugendpsychiatrischer Behandlung. "Sollte die Familie abgeschoben werden, wird er die notwendige Behandlung aller Vorraussicht nach nicht fortsetzen können", so der Flüchtlingsrat. "Roma werden in Serbien grundlegende soziale Rechte verwehrt, viele leben weit unter dem Existenzminimum." Neben dem Flüchtlingsrat hatten sich viele andere Unterstützer für die Familie eingesetzt. "Wir haben von der Kirche Hilfe bekommen, vom Landrat, von der Schule, von Nachbarn", sagt Elisabeth Fischer. Unterschriften wurden gesammelt, auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) angeschrieben. Doch aus dessen Bürgerbüro sei nur der Hinweis gekommen, dass das Anliegen an den Innenminister weitergeleitet wurde.

Doch vom Innenminister sei nun die Mitteilung gekommen, dass er bei seiner ablehnenden Haltung geblieben sei - ebenso wie bei einer auch aus Serbien stammenden Roma-Familie in Potsdam. Der Pressesprecher des Innenministers, Ingo Decker, teilt auf Nachfrage nur soviel mit, dass die Entscheidung das Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung sei - die im Übrigen nicht begründet werden müsse. Ein wesentlicher Aspekt sei jedoch der Fakt, dass Serbien als sicheres Herkunftsland gelte und sich beide Familien nach gescheiterten Asylverfahren im Vergleich zu anderen Härtefällen erst kurze Zeit legal im Bundesgebiet aufhielten. Damit führe der Innenminister die Arbeit der Härtefallkommission ad absurdum, heißt es vonseiten des Flüchtlingsrates. "Wir kämpfen weiter", sagt Familienpatin Elisabeth Fischer.

Wer in der Härtefallkommission sitzt
Die Härtefallkommission ist ein von der Landesregierung eingerichtetes behördenunabhängiges Gremium. Die zehn Mitglieder wurden auf Vorschlag der Kirchen, der Wohlfahrtsverbände, der Flüchtlingsorganisationen, der kommunalen Spitzenverbände und der Landesregierung berufen. Seit seinem Amtsantritt wurden durch die Härtefallkommission bisher sieben Ersuchen an Innenminister Schröter gerichtet. In vier Fällen hat er den Ersuchen stattgegeben.