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Trotz Sorge vor der Zukunft herrscht gute Geschäftslage

Cottbus/Spree-Neiße. Besonders zufrieden mit ihrer Geschäftslage zeigen sich die Unternehmer in Cottbus. Das geht aus der Konjunkturumfrage zum Beginn des Jahres 2017 hervor. Rene Wappler / wr

Die Statistik für den Süden des Landes Brandenburg stammt von der Industrie- und Handelskammer (IHK), und sie zeigt, dass auch die überwiegende Mehrheit der Firmen im Spree-Neiße-Kreis ihre Geschäftslage als befriedigend bis gut einschätzt. Allerdings lässt die Konjunkturumfrage nur bedingt einen Rückschluss darauf zu, ob von diesem Trend auch die Angestellten etwas haben.

Nach Angaben der IHK geht es derzeit vor allem den Baubetrieben und den Dienstleistern gut. "Aber auch der Handel und die Industrie haben von der anhaltend hohen Konsumbereitschaft der Verbraucher profitiert", heißt es im Konjunkturbericht. Als sehr gut schätzen ihre Lage 69 Prozent der Firmen in Cottbus ein - und 43 Prozent im Spree-Neiße-Kreis. Von einer zufriedenstellenden Situation gehen unterdessen 28 Prozent der Unternehmen in Cottbus und 45 Prozent der Betriebe im Landkreis aus.

Zugleich sorgen sich jedoch viele Firmenchefs, was sich laut IHK-Bericht in einer "zunehmenden Unsicherheit" niederschlägt. Die angespannte politische Weltlage betrachten sie mit Skepsis, ebenso die Höhe der Steuern und Abgaben und den Mangel an Fachkräften. Deshalb schrauben sie ihre Geschäftserwartungen nicht allzu hoch: Nur zehn Prozent der Betriebe in Cottbus und 17 Prozent der Firmen im Spree-Neiße-Kreis bezeichnen diese als gut, während sich die Mehrheit eher befriedigende Tendenzen für die nähere Zukunft ausrechnet.

Vor allem der Trend im regionalen Handel trifft eine indirekte Aussage dazu, ob eine gute Geschäftslage auch den Beschäftigten einen Vorteil bringt: Schließlich kann sich nur ein Konsument neue Produkte leisten, der ein angemessenes Einkommen hat. Tatsächlich registrieren 32 Prozent der befragten Händler im Süden des Landes Brandenburg eine gute Geschäftslage und gestiegene Umsätze. Allerdings gräbt sich der Strukturwandel im Einzelhandel nach Auskunft der IHK schon jetzt im Bild vieler Städte ein: Kleine Geschäfte seien der Konkurrenz großer Ketten oft kaum noch gewachsen, weshalb ihr Anteil sinke.

Immerhin scheint der Mangel an Fachkräften allmählich zu einer neuen Perspektive auf die Gehälter zu führen: In den 90er-Jahren galt das Land Brandenburg noch als eine Region, in der Unternehmer mit billigen Arbeitskräften produzieren können. So warnte im Jahr 1999 der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Region entwickle sich zum Testfeld für Niedriglöhne, da neun von zehn neuen Stellen quer durch alle Branchen über Lohnkostenzuschüsse des Arbeitsamtes mitfinanziert werden.

Langfristig brachte diese Tendenz nicht den gewünschten Erfolg, was sich heute an der Klage vieler Firmenchefs über fehlende Fachkräfte zeigt. Auch der frühere SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck stellte im Jahr 2011 in einem RUNDSCHAU-Interview fest: "Als Billiglohnland hat Brandenburg keine Zukunft."

Diese Erkenntnis schlägt sich allmählich in den Unternehmen nieder. Mittlerweile weist das Land Brandenburg die höchsten Einstiegseinkommen für Absolventen im Osten der Bundesrepublik auf, wie der Gehaltsreport der Internet-Jobbörse Stepstone für das Jahr 2016 offenbart: Junge Menschen mit akademischer Ausbildung und weniger als zwei Jahren Berufserfahrung können demnach in Brandenburg mit einem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 38 408 Euro rechnen. Auch die Hauptstadt Berlin bietet nur ein durchschnittliches Gehalt von 38 251 Euro für Absolventen.

Trotzdem bleibt der Westen Deutschlands die starke Konkurrenz beim Gehaltsniveau, das sich im Bundesdurchschnitt bei 43 000 Euro einpegelt. In Baden-Württemberg liegt es für Berufseinsteiger mit 45 630 Euro an der Spitze.

Während sich das Land Brandenburg also bei den Löhnen langsam an das bundesdeutsche Durchschnittsniveau heranrobbt, sinkt auch die Armutsquote leicht: So vermeldet es der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Bericht aus dem Jahr 2016. Demnach leben 16,9 Prozent der Einwohner in Brandenburg in Armut, womit sich die Region bundesweit im Mittelfeld ansiedelt. Wie stark das durchschnittliche Gehaltsniveau und die Armutsquote miteinander einhergehen, zeigen die Beispiele von Baden-Württemberg und Bayern: In beiden Ländern verdienen Angestellte überdurchschnittlich viel Geld - und zugleich liegt die Armutsquote mit knapp 11,5 Prozent auf einem besonders niedrigen Wert.

Zum Thema:
Als "wichtiges Instrument für die Politikberatung" bezeichnet die IHK die Konjunkturumfrage. Sie vermittle repräsentative Erkenntnisse zur regionalen Entwicklung der Wirtschaft.