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| 14:30 Uhr

Regionale Kultur
Musikalisches Kopfkino mit leisen und lauten Tönen

 Das Trio Barth-Benschu-Intrau beim Neujahrskonzert im Kompetenzzentrum Forst.
Das Trio Barth-Benschu-Intrau beim Neujahrskonzert im Kompetenzzentrum Forst. FOTO: Margit Jahn
Forst. Das Trio Melanie Barth, Ralf Benschu und Karsten Intrau sorgte beim Neujahrskonzert im Forster Kompetenzzentrum auch für rotweinselige Stimmung. Von Margit Jahn

Was haben es die Förster, oder Forschter, auf alle Fälle die Forster, wie die Damen von Voice of Violin ihre Konzertbesucher in der Forster Stadtkirche St. Nikolai zum Neujahrskonzert versucht haben richtig zu benennen, doch gut. So vielfältige Gelegenheiten, schwungvoll musikalisch das neue Jahr zu begrüßen, gab es noch nie. Sei es mit moderner Klassik, mit Wiener Melodien oder wie am Freitagabend im Forster Komfor mit dem Trio Barth-Benschu-Intrau, kurz BBI genannt, so Karsten Intrau in seiner Vorstellungsrunde.

Das Team um Sabine Lindner lud ein zum inzwischen 15. Neujahrskonzert, diesmal mit Tango, Nuevo, Musette, Jazz und Weltmusik. Nach den Eröffnungsworten von Sabine Lindner, die das neue Jahr zum Anlass nahm, um sich bei Sponsoren und Förderern des Komfor zu bedanken, wurden die Musiker vorgestellt. Die Dame mit den schnellen Fingern am Akkordeon war Melanie Barth, für die klassische Gitarre zeichnete sich Karsten Intrau verantwortlich, das verspielte Sopransaxofon versuchte Ralf Benschu zu bändigen. Der Ansturm auf diese Musik erforderte vom Team kurz vor Konzertbeginn die Herbeischaffung weiterer Stühle.

Melanie Barth ist keine Unbekannte in Forst. Vor zehn Jahren gastierte die ruhige Musikerin bereits hier. „Wir sind inzwischen alle ein wenig älter geworden“, so Sabine Lindner. Den flotten Auftakt machte „Les Forains“ von Henri Sauguet. Es folgte „Tanguango“ vom argentinischen Bandoneon-Spieler und Begründer des Tango Nuevo, Astor Pantaleòn Piazzolla. Der Tango Nuevo ist eine Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino, erfuhren die Zuhörer.

Auf die grüne Insel wurden die Gäste entführt, als das Trio drei Stücke aus „Riverdance“ und „Lord Of The Dance“ spielte. „Slip into Spring“, „The Countess Cathleen“ und „Stolen Kiss“ verführte zum Augenschließen und Träumen. „Jetzt könnte es richtig laut werden“, wurden die Zuschauer mit einem Augenzwinkern gewarnt, als danach flotte Balkanklänge erklangen. Dass den Musikern diese Musikstücke in Fleisch und Blut übergegangen waren, war nicht zu überhören. So  konnten sich Saxofon, Akkordeon und Gitarre so richtig austoben.

Die Zuhörer honorierten diese lebendige Musik mit besonders kräftigem Applaus. Familie Albrecht aus Forst war das zweite Mal im Komfor. Christoph Albrecht war begeistert: „Sehr schöne Musik, hervorragende Interpretation.“ Die Albrechts hören auch privat gern Kulturradio, und somit war es eine gute Gelegenheit, sich diese Musik am Abend live anzuhören und zu genießen. Bodo Trummer, Pfarrer aus Eulo, liebt wie auch seine Frau Manuela Weltmusik. Seit Jahren lassen sie sich das Folklorum Anfang September auf der Kulturinsel Einsiedel bei Görlitz nicht entgehen. „Wir können von dieser Art Musik gar nicht genug bekommen“, sagt der zufriedene Zuhörer. „Heute ist es ein guter Einstieg in ein kulturelles, musikalisches Jahr“, so Trummer.

Die Musiker entführen dann in die „Fabelhafte Welt der Amèlie“. „Das erste Stück kann ich nicht aussprechen“, sagte etwas entschuldigend Melanie Barth. Kein Wunder, denn „Comptine D ùn Autre Ètè“ von Yann Tiersen, für den Film vereinfacht geschrieben, kommt wirklich ein wenig schwer über die Lippen. Aber das war auch gar nicht wichtig, denn es war kein Zuhörer im Saal, der dieses Lied nicht kannte. Mit geschlossenen Augen genossen viele Hörer die sanften, verträumten Melodien. „Man kann die Augen schließen und eine kleine Weltreise machen“, schwärmte Manuela Trummer. „Ich war in Frankreich, Irland, ich war in den Anden – ein großartiges Kopfkino.“ Besonders der Wechsel zwischen lauten und leisen Tönen hat ihr gut gefallen.

Auch Musiker und Ex-Keimzeit-Mitglied Ralf Benschu sagte in der Pause: „Hier ist ein wunderschöner Raum, und es klingt sehr gut. Wir fühlen uns hier sehr wohl.“ Karsten Intrau kündigte an: „Wir wollen jetzt eine leichte rotweinselige Stimmung mit lockeren Swingmelodien verbreiten.“ Gut, dass die meisten Gäste schon ein Gläschen Wein in der Hand hielten und den Abend genossen.

Am 18. August 2019 gastiert Ralf Benschu mit dem Saxofonquartett „Meier’s Clan“ in der Nikolaikirche.