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Treffpunkt der Graffiti-Künstler

Kurze Pause: Nach und nach werden die Kunstwerke komplettiert und sind jetzt in der Forster Parkstraße zu sehen.
Kurze Pause: Nach und nach werden die Kunstwerke komplettiert und sind jetzt in der Forster Parkstraße zu sehen. FOTO: Thoralf Haß/tfs1
Forst. Zu einer großen Freiluft-Galerie wurde am vergangenen Wochenende das Areal rund um das Park 7. Zum vierten Mal fand das "Pint the Park Jam"statt, ein Treffen von Graffiti-Sprayern aus ganz Deutschland. Thoralf Haß / tfs1

Es ging dabei nicht darum, wer das schönste Bild sprühe, sondern um das Miteinander und das gegenseitige Kennenlernen, betonte Organisator Sebastian Reichert. "Wir machen auch keine Vorgaben, was gesprüht werden soll, jeder Künstler hat hier seine kreative Freiheit." Etwa 50 Sprayer machten sich auf den Weg nach Forst. Auf mehreren Wandflächen im Innenhof des Park 7 sowie entlang der Parkstraße durfte gesprüht, gekleckst oder gespritzt werden. Das Konzept dahinter: "Wir machen gleichzeitig auch ein wenig Prävention und geben den Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Graffiti auf legale Flächen zu zeichnen!" Die fertigen Kunstwerke werden eine Zeit lang für alle Passanten zu sehen sein, was auch so von den Gebäudeeigentümern gewünscht sei. Zudem gebe es von den Stadtwerken Forst als Sponsor sowie der Stadt Forst eine finanzielle Unterstützung, um Farbdosen, Wandfarbe oder Getränke zur Verfügung stellen zu können.

Johannes, Dirk und André alias "ARDH-Heads" kommen aus Cottbus und haben die Graffiti-Malerei zum Beruf gemacht. Warum sie nach Forst gekommen sind? "Die Cottbuser Graffiti-Szene ist mittlerweile eingeschlafen. Dadurch sind solche Veranstaltungen wie hier in Forst interessant geworden, weil man sich mit anderen Künstlern austauschen kann", verrät Dirk. Wie alle anderen kämpft er um Anerkennung: "Wenn ich eine öffentliche Wandfläche mit einem Roller oder der Malerbürste bearbeite, ist das für die meisten Menschen in Ordnung. Aber wehe, ich habe nur eine Sprühdose in der Hand, dann wird man gleich misstrauisch beäugt." Mehr Respekt und Toleranz wünschen sich die Sprayer. "Schön wären mehr regionale Unterstützer, die uns legale Flächen für unsere Leidenschaft zur Verfügung stellen oder uns hin und wieder mit Farbutensilien ausstatten würden", sagt Dirk. Alle Teilnehmer lehnen mittlerweile die illegalen Schmierereien ab. "Man sollte aber nicht so naiv sein zu glauben, dass wir alle sofort auf legalen Flächen gesprüht haben. Fast jeder von uns hat irgendwann mal mit einer illegal besprühten Hauswand angefangen", verrät ein Teilnehmer. Das liege aber auch an viel zu wenig legalen Flächen, auf denen sich die Kinder und Jugendlichen ausprobieren können. Auch deshalb seien solche Veranstaltungen wie das "Paint the Park Jam" sehr willkommen. Das Einstiegsalter in die Szene beginnt bei etwa 14 Jahren.

Stephanie Laebe ist das einzige Mädchen und noch dazu die Jüngste. Die 15-jährige Österreicherin macht derzeit in Forst Urlaub bei ihrer Oma. "Ich habe in der Zeitung die Ankündigung gelesen." Sie versuche sich erstmals mit Graffiti-Malerei. Sie kramt aus ihrer Hosentasche einen kleinen Zettel, auf dem das Motiv, das hinter ihr im Großformat an der Wand prangt, vorgezeichnet ist. Das Bild mit dem "Fast and Furious"-Schriftzug nach dem gleichnamigen Kinofilm hat sie in knapp 30 Minuten fertiggestellt. Jetzt schaut sie den anderen Sprayern über die Schulter. "Vielleicht komme ich ja im nächsten Jahr wieder."

Wiederkommen werden sicherlich auch andere Teilnehmer, wie Marcus aus Bielefeld, der schon im vorigen Jahr dabei war und mit Sebastian Reichert befreundet ist. In diesem Jahr hat sich Marcus ein ganz besonderes Motiv ausgesucht: "Vor einigen Jahren haben polnische Sprayer einen Stier auf diese Wand gemalt. Was liegt also näher, als an gleicher Stelle einen neuen Stier entstehen zu lassen?" Bis in die Abendstunden waren die meisten Sprayer beschäftigt, um den Konturen ihrer Kunstwerke farbliche Inhalte zu geben. Am Sonntagmorgen wurde weiter daran gearbeitet. Für Sebastian Reichert hat sich der Aufwand gelohnt. Schon jetzt gibt es Überlegungen für eine Neuauflage im nächsten Jahr. Dann werden die meisten der jetzigen Kunstwerke zunächst überstrichen, damit darauf neue Graffiti-Bilder entstehen können.