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| 14:43 Uhr

Gesellschaft
Treffen mit Tradition

Zahlreiche ehemalige Studenten der Universität Leipzig treffen sich jedes Jahr aufs Neue an der Bruchmühle in Groß Kölzig, um gemeinsam zu campen und die Tage zu verbringen.
Zahlreiche ehemalige Studenten der Universität Leipzig treffen sich jedes Jahr aufs Neue an der Bruchmühle in Groß Kölzig, um gemeinsam zu campen und die Tage zu verbringen. FOTO: Anja Guhlan
Groß Kölzig. Seit 52 Jahren ist die Bruchmühle in Groß Kölzig ein Anziehungspunkt für ehemalige Studenten. Von Anja Guhlan

Gemütlich sitzen rund 30 Teilnehmer des Studententreffens an einer riesigen Tafel mitten im Wald auf einem Campingplatz in Groß Kölzig direkt an der Bruchmühle. Sie frühstücken gemeinsam: Da wird sich der heiße Kaffee gegenseitig gereicht, die warmen Brötchen aufgeschnitten und die Marmelade aufs Brötchen geschmiert. Alle unterhalten sich gemeinsam, tauschen Erinnerungen aus und erfahren mehr von einander.

„Wir treffen uns hier jeden Sommer – und das seit mittlerweile 52 Jahren“, erzählt Hans-Joachim Noack. Als er in jungen Jahren nach Leipzig ging, um dort unter anderem Sportwissenschaften zu studieren, führte er auch die Studentensportgruppe des Orientierungslaufes in Leipzig mit ein.  Letztlich kam er Mitte der 1960er-Jahre auf die Idee, auch ein Sommerlager der Orientierungslaufgruppe zu organisieren.

Damals fiel dem gebürtigen und heimatverbundenen Groß Kölziger nur die Bruchmühle für ein Sommerlager ein. „Dabei ist es all die Jahre auch geblieben“, sagt Noack jetzt mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Zahlreiche Studenten aus sieben unterschiedlichen Fakultäten schlossen sich der Studentensportgruppe an und nahmen mit am alljährlichen Sommerlager teil. Würden die Teilnehmer der seit 1966 im Bruchmühlengelände durchgeführten Veranstaltungen gezählt, käme laut Noack mindestens die Zahl 2500 heraus – also wesentlich mehr, als Groß und Klein Kölzig jemals an Einwohnern vorweisen können.

In diesem Jahr sind es immerhin noch 30 Teilnehmer. Die heute 60-jährige  Margitta Müller ist noch eine der wenigen ehemaligen Studenten, die von Anfang an mit dabei sind. „Diese jährlichen Treffen sind so natürlich und einfach gestaltet, das gefällt mir. Wir campen mitten in der Natur, kaum einer spielt am Handy herum, wir genießen die Ruhe und praktizieren noch einmal einen Orientierungslauf in der Region“, zählt sie ihre Beweggründe auf, warum sie immer noch an den Treffen teilnimmt.

Auch Uwe Höhne nimmt an dem Treffen teil. Der Leipziger war damals kein Student, viel mehr rief Hans-Joachim Noack über eine Anzeige in der Leipziger Volkszeitung auch Jugendliche zum Mitmachen auf. Der junge Uwe Höhne fand Gefallen am Orientierungslauf und an den sommerlichen Treffen. „Bis heute komme ich gerne hier her. Es ist eine feste Tradition unserer Gemeinschaft  geworden.“

Inzwischen haben sich den alljährlichen Treffen auch Ehepartner oder bereits die Kinder angeschlossen. So gehört die heute 34-jährige Manuela inzwischen zur dritten Generation. „Meine Eltern haben mich 1987 das erste Mal mitgenommen. Seitdem komme ich jedes Jahr mit her. Das gehört wie Ostern und Weihnachten einfach zum Jahresplan dazu“, erklärt sie. Auch ihre beiden Kleinkinder nehmen bereits an den Treffen teil und stellen somit die vierte Generation dar.

Der Wunsch von Hans-Joachim Noack wäre es, diese Treffen noch solange wie möglich aufrecht zu erhalten. „Selbst über meinen Tod hinaus, könnte ich mir weitere Treffen vorstellen“, sagt er. Für Noack ist es eine Art Lebenswerk. Die anderen empfinden es als gute und alte Tradition. In einem sind sich alle einig: „Traditionen müssen am Leben gehalten werden.“ So soll es auch im nächsten Jahr ein weiteres Treffen an der Bruchmühle geben.