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| 02:34 Uhr

Touristiker strampeln durch Forst

Lautes Getöse: Der aktive Schrittmacher Heinz Spielmann lässt den Motor einer Stehermaschine an. Die Besucher staunen.
Lautes Getöse: Der aktive Schrittmacher Heinz Spielmann lässt den Motor einer Stehermaschine an. Die Besucher staunen. FOTO: ang1
Forst. Zum Einstieg in die Radsaison haben sich 26 Teilnehmer zur Auftakt-Tour der Touristiker, der Tour de Forst, getroffen. Auf einer Rundtour von etwa zwölf Kilometern haben die Teilnehmer allerhand Wissenswertes erfahren. Anja Guhlan / ang1

Es ist Sonnabendmorgen. Die Sonne scheint. Die Temperaturen sind frühlingshaft. 26 Teilnehmer haben sich auf dem Platz des Friedens in Forst getroffen, von wo aus die erste Spree-Neiße-Rundtour mit dem Rad starten wird, zu der der Landkreis gemeinsam mit der Touristinformation der Stadt Forst geladen hat. Also genau da, wo auch nationale Rennen starten.

Gegen 10 Uhr geht es los. Nun werden die Spuren des Radsports erkundet. Die Teilnehmer fahren mit ihren Rädern mitten durch Forst in die Cottbuser Straße, wo sie eine private Radsammlung besichtigen können. Immer voran eine Rikscha, die den Weg ebnet. Anschließend geht es entlang des Mühlgrabens zur Besichtigung der ältesten Forster Fahrradwerkstatt. Hier berichten Fahrradexperten und Zeitzeugen über die Entwicklung des Radsports, geben über technische Details Auskunft und präsentieren die historische Sammlung.

Als Höhepunkt erreichen die Teilnehmer nach einigen sportlichen Kilometern das Rad- und Reitstadion in der Spremberger Straße in Forst.

Im Stadion werden die Teilnehmer von dem Präsidenten des Forster Polizeisportvereins, Gerd Suschowk, begrüßt. Er führt die Teilnehmer durch das Stadion. Inmitten des imposanten Zementovals geht Gerd Suschowk auf die Historie des Stadions ein: "Das Stadion wurde im Jahr 1906 eröffnet. Genau vor 110 Jahren. Im Jahr 1906 existierten erst sehr wenige Kraftfahrzeuge auf der Straße. Die Höchstgeschwindigkeiten lagen bei rund 60 bis 70 Kilometer die Stunde. Auf den Bahnen im Radstadion wurden schon damals bis zu 100 Kilometer die Stunde erreicht." Gerd Suschowk glaubt, dass da die Begeisterung für den Radsport geweckt wurde. Steherrennen, bei denen der Radrennfahrer - der sogenannte Steher - hinter einem Motorrad im Windschatten fährt und dabei auch noch versucht, schneller zu sein als der Gegner, wurden in den Folgejahren zu einem wahren Publikumsmagnet.

Nach einem Rundgang in dem imposanten Zementoval, das einer Länge von 400 Metern entspricht, durften die Teilnehmer den aktiven Schrittmacher Heinz Spielmann kennenlernen. Er gab Einblicke in die Stehermaschinen. In Forst stehen elf technisch identische solcher Maschinen. Diese werden gebraucht, um internationale Rennen auszurichten. Dann startete Spielmann sogar eine dieser Maschinen. "Oh, das ist ganz schön laut", bemerkte eine Besucherin. "Der Schrittmacher gibt bei den Rennen den Ton an. Er spornt den Radrennfahrer an oder kann ihn ausbremsen", erklärt Spielmann. Verbunden sind beide durch eine sogenannte Abstandsrolle. Der Radrennfahrer versucht während des Rennens, möglichst nahe an der Rolle zu sein, um auch viel Windschatten zu erhalten.

Plötzlich zeigt Spielmann einen recht großen Anzug. "Den trägt der Schrittmacher auch, damit der Fahrer noch mehr Windschatten abbekommt", so Spielmann. Zudem spielt nach seinen Worten das Vertrauen zwischen Schrittmacher und Fahrer eine große Rolle.

Das Spremberger Ehepaar Regine und Dieter Jurk fand die Rundtour insgesamt sehr lehrreich und interessant gestaltet. "Mich hat das Thema Radrennsport mal gereizt und ich wollte mehr erfahren", so Regine Jurk (65). Der 34-jährige Sebastian Hermann aus Spremberg fährt zwar privat auch auf einem Rennrad, aber ein Radrennen ist er noch nie gefahren: "Ich fand die Tour wirklich interessant. Für mich ist viel Neues dabei gewesen." Drei Frauen aus der Cottbuser Region loben ebenfalls die geführte Tour. Ilse Fratzscher (75) hat die Tour bei schönem Wetter genossen und mag gar nicht aufhören: "Am liebsten hätte ich noch länger auf dem Rad die Region erkundet."

Im April führt die Spree-Neiße-Tour des Monats rund um den Ostsee. Dort können die Teilnehmer die zukünftige Badewanne der Cottbuser erleben. Die geführte Tour findet am 30. April statt.