Eigene Fotos von den ersten Tierparkbewohnern, per Hand gezeichnete Lagepläne des Tierparks und sogar seinen ersten Tierpfleger-Ausweis - all das hat Wolfgang Schenk auf vielen Seiten säuberlich aufgeklebt und beschriftet, garniert von Zeitungsartikeln über den Tierpark. Einer der neuesten über den 50. Geburtstag von Elefantendame Karla von Anfang Juni darf da natürlich nicht fehlen.

"Ich habe das alles bisher nur für mich gesammelt, aber ich will es dieses Jahr abschließen und dem Förderverein des Cottbuser Tierparks übergeben", erklärt Wolfgang Schenk sein Vorhaben. "Ich werde ja schließlich auch nicht jünger, und ich möchte nicht, dass diese Sammlung verloren geht." Gemeinsam mit Autor Hartmut Schatte hatte er die Tierparkgeschichte auch schon im Cottbuser Heimatkalender veröffentlicht.

Wolfgang Schenk war 1954 im Rahmen seiner Lehre zum Forstfacharbeiter als Helfer für den Bau zum Tierpark gekommen. Für den Tierliebhaber, der schon immer gerne im Zoo arbeiten wollte - für den aber die damals einzigen in Leipzig und Dresden zu weit weg waren - war es natürlich der große Wurf. Schnell wurde es ihm auch ermöglicht, zunächst als Hilfstierpfleger und dann als "richtiger" Tierpfleger zu arbeiten. "Ich hatte mir viel Fachwissen aus Büchern angeeignet und stand auch im Briefverkehr mit dem Zoo Basel", so Wolfgang Schenk. Ein paar Jahre später machte er dann eine Lehre zum Tierpfleger, wurde später zum Obertierpfleger ernannt.

Anfangs betreute der Forster, der damals in Cottbus ein Zimmer hatte, das Vogelrevier mit Reihern, Enten und Pelikanen, wo zunächst auch die Affen mit angesiedelt waren. "Ich hatte nur Frauen als Kollegen im Revier, das war ganz toll", schwärmt Schenk von der Einfühlsamkeit der Pflegerinnen den Tieren gegenüber.

Später betreute er viele andere Tiere: So päppelte er beispielsweise zwei Bären mit auf oder zog Löwen mit der Flasche auf. Feierabend gab es so meist spät - und als er seine Frau kennengelernt und wieder nach Forst gezogen war, startete er oft erst gegen 22 Uhr mit dem Rad in die Rosenstadt. Für die Strecke brauchte Schenk, der eine Weile aktiv Radrennsport betrieben hatte und auch fast mit dem Steher-Sport anfangen wollte, gute 40 Minuten. "Wenn Operationen waren, bin ich manchmal erst um 2 Uhr nachts heimgefahren", erzählt Schenk. Irgendwann, der Forster war inzwischen zweifacher Vater, schien das nicht mehr mit der Familie vereinbar. Er musste schweren Herzens im Cottbuser Tierpark kündigen.

Wolfgang Schenk fand jedoch schnell eine Arbeit im Forster Kraftverkehr und dann in der Wasserwirtschaft, wo er über 30 Jahre bis zur Rente blieb.

Mit dem Tierpark war er immer in Verbindung - nur die ersten zwei Jahre nach der Kündigung schaffte er einen Besuch emotional nicht. Doch seitdem besucht er zwei- bis dreimal im Jahr den Tierpark, hat auch gute Kontakte zu einzelnen Mitarbeitern.

Selbst hat der Reptilienfreund keine Tiere mehr. Seine Schildkröten hat er 2003 abgeschafft - und sich eher aufs Sammeln von Tierbildern verlegt.

Zum Thema:
Geschichte: Der Cottbuser Tierpark hatte am 1. Juni 1954 seine Tore geöffnet. Unter der Leitung von Erhard Frommhold (1956 bis 1963) stieg er zum staatlich anerkannten Zoo auf - als einer von zunächst acht in der DDR. 1968 wurde das Raubtierhaus mit Löwen, Tiger und Bären eröffnet, 1969 kam der erste Elefant (Sundali) nach Cottbus. Im Laufe der Jahre entstanden viele neue Bauten und Häuser für die Tiere. Öffnungszeiten: bis Ende August täglich von 9 bis 19 Uhr