ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:22 Uhr

Forst
Problemfall Patientenverfügung

Kathleen Massnick vom Pflegestützpunkt Spree-Neiße im Forster Kreishaus hat einige Broschüren für die Beratung zur Patientenverfügung parat.
Kathleen Massnick vom Pflegestützpunkt Spree-Neiße im Forster Kreishaus hat einige Broschüren für die Beratung zur Patientenverfügung parat. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Kathleen Massnick vom Pflegestützpunkt Spree-Neiße erklärt die Wichtigkeit des Papiers. Von Steffi Ludwig

Dass das Thema Patientenverfügung wichtig ist und für viele zudem ein Buch mit sieben Siegeln, lässt sich schon an der Resonanz auf den Informationstag des Pflegestützpunktes Spree-Neiße am 29. August ablesen. Dieser beschäftigt sich erstmals mit der Patientenverfügung, nachdem im Vorjahr bereits ein gut besuchter zum Thema Vorsorgevollmacht stattgefunden hat.  „Wir haben schon jetzt mehr als 30 Anmeldungen und ziehen deshalb  auch in den Großen Saal des Kreishauses, damit möglichst viele Interessenten teilnehmen können“, berichtet Kathleen Massnick.

Sie ist Sozialberaterin beim Pflegestützpunkt – und hat demzufolge oft mit dem Thema zu tun. „Einige sprechen es in Gesprächen mit uns an, wenn es bereits akut ist, also beispielsweise Krankheit oder Pflegebedürftigkeit von Angehörigen eingetreten ist“, so Kathleen Massnick. „Andere weisen wir in Gesprächen konkret darauf hin.“ Und das Thema ist nicht nur etwas für Ältere. „Wie schnell kann es geschehen, dass auch junge Leute einen Unfall haben, ins Koma fallen und dann nicht mehr selbst entscheiden können.“ Ab 18 Jahren könne das Papier verfasst werden.

Wie die Sozialberaterin bemerkt hat, vermischen allerdings viele die Begriffe Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Weiterhin gibt es noch die Betreuungsverfügung. Kathleen Massnick erklärt die wichtigsten Unterschiede.

Die Vorsorgevollmacht diene der Vorsorge für den Fall, dass man selbst durch Unfälle oder Krankheiten nicht mehr in der Lage ist, Dinge selbst zu erledigen wie Behördengänge, Bankgeschäfte, Versicherungsgeschäfte, den Umzug in ein Pflegeheim oder vieles mehr. Dafür könne jeder in der Vorsorgevollmacht eine oder mehrere Personen des Vertrauens festlegen, die dann handeln dürfen. „Das bedeutet nicht, dass man selbst entmündigt ist“, nennt Kathleen Massnick einen oft genannten Einwand. Es greife wirklich erst in dem Fall, in dem man selbst nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen.

Die Patientenverfügung werde jedoch für den Fall abgeschlossen, wenn man beispielsweise an einer nicht heilbaren Krankheit leide und entschieden werden muss, ob lebensverlängernde Maßnahmen durch Maschinen stattfinden sollen oder nicht. Hier könne man bereits im Vorfeld viele verschiedene Punkte entscheiden, beispielsweise über Bluttransfusionen, Organspende, künstliche Ernährung, künstliche Beatmung oder Wiederbelebungsmaßnahmen.

Die Betreuungsverfügung greife in den ausgesparten Fällen der Vorsorgevollmacht, also wenn beispielsweise keine Person aus dem Umfeld für die zu regelnden Angelegenheiten in Frage komme. Dann können hier unter anderem Festlegungen über einen Betreuer getroffen werden oder wo man gepflegt werden möchte.

Am 29. August soll es speziell um die Patientenverfügung gehen. Welche Form sollte sie haben, was beinhaltet sie, was sind weitere Unterschiede zu Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung? Diese und viele weitere Fragen sollen am Thementag von Juristin Margarete Hoffmann geklärt werden.

„Denn das Thema Pflege schiebt man gern vor sich her“, hat Kathleen Massnick gemeinsam mit ihren beiden Kolleginnen Claudia Marggraf und Karin Schönbrunn erfahren. Dennoch erfreue sich der Pflegestützpunkt Spree-Neiße, den es seit 2010 als einen von 19 im Land Brandenburg gibt, großer Beliebtheit. Mehr als 1700 Beratungen sind 2017 in Spree-Neiße in Anspruch genommen worden. Der Pflegestützpunkt ist eine unabhängige Einrichtung in Trägerschaft der AOK und der Knappschaft in Kooperation mit dem Landkreis Spree-Neiße.