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Tausch: Kuhstall gegen Winterdienst

Als gelernter Landwirt kann Jungunternehmer Philipp Schlunk von Tieren nicht lassen und hält Hühner, Enten, Gänse und Wollschweine. Wegen der Stallpflicht durften sie nur kurz fürs Foto raus.
Als gelernter Landwirt kann Jungunternehmer Philipp Schlunk von Tieren nicht lassen und hält Hühner, Enten, Gänse und Wollschweine. Wegen der Stallpflicht durften sie nur kurz fürs Foto raus. FOTO: kkz
Forst. Vor fast sechs Jahren hat Philipp Schlunk seinen Traumberuf Landwirt an den Nagel gehängt. Nur ein halbes Jahr nach der Abschlussprüfung hat sich der junge Forster mit seinem Hausmeisterdienst selbstständig gemacht. Katrin Kunipatz

Mit Leib und Seele ist Philipp Schlunk Landwirt. Auf seinem Hof in Forst hält er Hühner, Gänse, Enten und zwei Wollschweine. "Seit ich denken kann, wollte ich Landwirt werden", sagt der 26-Jährige. Deshalb entschied er sich nach der Schule für eine Lehre bei der Forster Agrargenossenschaft. Kühe waren und sind seine Lieblingstiere.

Nur finanziell konnte er als Landwirt nicht viel erwarten und so reifte der Wunsch, sich selbstständig zu machen. "Bei meinem Opa habe ich erlebt, was ein eigene Firma bedeutet", sagt Philipp Schlunk. Als Kind sei er viel beim Großvater Heinz Schlunk gewesen und habe als Jugendlicher in der Firma mitgeholfen. Heute gibt es den Rollladenbau nicht mehr, nach dem Ausscheiden des Opas ging der Betrieb 2007 in die Insolvenz.

Seine Selbstständigkeit begann Philipp Schlunk, schon vor der Abschlussprüfung zum Landwirt zu planen. Unterstützung erhielt er von "Zukunft Lausitz", die sich unter anderem auf die Fahnen geschrieben haben, jungen Menschen bei der Unternehmensgründung zu helfen. Der Businessplan wurde aufgestellt und das Gewerbe angemeldet. Anfang März 2011 startete Philipp Schlunk mit gerade 20 Jahren seinen Hausmeisterdienst. "Der Name Schlunk ist in Forst bekannt und daraus habe ich meinen Nutzen gezogen", sagt er. Sein neues Metier hat wenig mit Landwirtschaft zu tun. Die nötigen Fertigkeiten hatte er sich schon vorher angeeignet. "Ich lerne mit den Augen, anderes erschließe ich mir durch logisches Denken oder belese mich im Internet", sagt er.

Der Anfang war nicht leicht. Den Start wagte Philipp Schlunk ohne Kredit, nur mit etwas Erspartem. Die ersten Anschaffungen waren ein gebrauchter Transporter mit 180 000 Kilometern auf der Uhr, ein Multicar, Baujahr 1987, und ein DDR-Anhänger. "Natürlich habe ich in den ersten Jahren Lehrgeld bezahlt", erinnert sich der junge Mann. Oft war es Unerfahrenheit. So hab er bei seinem ersten Umzugsauftrag vorher nicht gefragt, aus welchem Stockwerk die Möbel abgeholt werden sollen, und stand so allein in der sechsten Etage. Die gewonnene Lebenserfahrung möchte der Forster heute nicht mehr missen. "Wenn man sich selbst durchgeboxt hat, wird man resistenter gegen Katastrophen", so Philipp Schlunk.

Die ersten zwei Jahre schaffte der junge Mann allein. Als die Aufträge immer mehr wurden, begann er Leute einzustellen. Heute ist seine Firma immer noch klein, aber breit aufgestellt. Philipp Schlunk übernimmt beispielsweise den Winterdienst auf einigen großen Parkplätzen in Forst, erledigt Hausmeisterdienste vom Rasenmähen bis zum Mülltonnenrausstellen und seit über einem Jahr einen 24-Stunden-Abwassernotdienst. Als Chef ist er immer noch vor Ort im Einsatz, egal ob Winterdienst in den Morgenstunden oder Abwassernotdienst am Wochenende. Erst in dieser Woche reinigte er mit einem Kollegen fünfeinhalb Stunden eine verstopfte Abwasserleitung in einem Mietshaus an der Cottbuser Straße. "Die größten Probleme verursachen Feuchttücher, Ohrstäbchen und Kondome", sagt er.

Ein echtes Ende hat sein Arbeitstag nicht. Die Büroarbeit erledigt er oft am Abend. Und selbst vor dem Einschlafen grübelt er, welche Anschaffungen sinnvoll sind. Es gab sogar Momente, in denen er gern alles hingeschmissen hätte, bekennt Philipp Schlunk. Doch aufgeben ist nicht seins. Gelernt hat er in den fast sechs Jahren als Selbstständiger sehr genau und effektiv zu planen. "Und vor allem, dass ein Businessplan weit weg ist von einem Geschäftsjahr", so der Unternehmer.

Seinen Lieblingstieren ist Philipp Schlunk auf andere Weise treu geblieben: Die Kühe sind in sein Wohnzimmer eingezogen. Allein sieben große und kleine Kuhfiguren stehen hier. "Die Kuscheltiere sind bei meiner zweijährigen Tochter", erzählt er schmunzelnd. Selbst Tassen und Teller zieren Kühe, und wenn es die Zeit zuließe, würde auch eine im Stall stehen. Der gelernte Landwirt bleibt zumindest in der Freizeit seiner Leidenschaft treu.

Zum Thema:
Getragen wird die Gründerwerkstatt "Zukunft Lausitz" vom Verein Puls e.V. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmensgründern beratend zur Seite zu sehen. Neben konkreter Beratung gibt es auch verschiedene Seminare für Existenzgründer.Gefördert wird das Projekt vom Land Brandenburg und Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds. Unterstützung gibt es auch von Partnern in der Wirtschaft.