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| 19:55 Uhr

„Baujahr 1938, geboren 1939“
„Tatort“-Kommissar singt mit Forster Publikum

Ernts-Georg Schwill im Pavillon.
Ernts-Georg Schwill im Pavillon. FOTO: Thoralf Haß
Forst. Fast ein wenig schüchtern betrat Ernst-Georg Schwill am Samstag das kleine Podest im Forster Pavillon „Genuß und Kunst“.

Schwill („Baujahr 1938, geboren 1939“) erzählte von seiner Kindheit. Nach dem Krieg lebte er bei seiner Tante Lotte in einer Berliner Gartenlaube, später wurde er zunächst in einem normalen, danach in einem Heim für schwer erziehbare Kinder untergebracht.

In diese Schule kamen Leute von der Defa, die nach Kinderdarstellern für einen Film suchten. Doch als der kleine Ernst zu den Probeaufnahmen gehen wollte, kam ihm der Umzug in das zweite Kinderheim in die Quere. Kurzerhand schrieb der Zwölfjährige einen Brief und bat um einen neuen Termin fürs Vorsprechen.

Mit 14 Jahren wurde „Ernstl“ von Regisseur Gerhard Klein für den Defa-Film „Alarm im Zirkus“ entdeckt. Klein fand Gefallen an dem talentierten Burschen, besetzte ihn auch für seinen Film „Berlin, Ecke Schönhauser“ und verhalf ihm zu einer Lehrstelle als Filmfotograf im Defa-Kopierwerk.

Doch Ernst-Georg Schwill wollte lieber schauspielern und studierte an der Filmhochschule Babelsberg. Zwischendurch hatte er immer wieder mal kleinere Rollen. Sein Mentor Gerhard Klein empfahl ihn nämlich anderen Regisseuren wie Frank Beyer oder Heiner Carow. Die Rollen wurden mit der Zeit immer größer, Schwills Bekanntheitsgrad stieg. Es folgten Rollen in Fernsehfilmen und -serien, nach der Wende spielte er in den Serie „Für alle Fälle Stefanie“ und „Mama ist unmöglich“, 1999 erfolgte sein Einstieg in den Berliner „Tatort“, wo er den Assistenten Lutz Weber spielte. „Ich war der Diener zweier Herren, was gibt es Schöneres?“, fragte Schwill ins Publikum und erzählte die eine oder andere Anekdote. Zu seinen Nachfolgern im Berliner „Tatort“ hat  Ernst-Georg Schwill eine gespaltene Meinung. Heute seien die Fälle verworren.

Überhaupt hält „Schwilli“, wie er von Moderator Lutz Hoff immer genannt wird, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Egal ob zum Dieselskandal oder zur aktuellen Bundesregierung – Ernst-Georg Schwill spricht aus, was viele im Raum denken und erntet dafür Beifall.

Schwill liest aus seinem Buch „Icke, meine und andere Tatorte“ die Episode vor, wie seine Enkelin bei Textproben im Hause Schwill das Arbeiterlied „Partisanen vom Amur“ hörte und den Opa zur Geschichte dieses Liedes ausfragte. Schwill stimmte zur Erinnerung im Pavillon kurz die Melodie an, die meisten Zuschauer stimmten ein und sangen ziemlich textsicher die erste Strophe zu Ende.

Auf die Frage, ob der 80. Geburtstag im nächsten Jahr groß gefeiert werde, antworte Ernst-Georg Schwill in seiner bekannten humorvollen Art: „Ick gehe mit Familie und Freunde in ein Lokal schön essen. Wer kommt, der kommt. Wer nicht kommt, der braucht auch nicht zu gehen!“ Statt einer Zugabe ließ er sich weiter von den Gästen ausfragen, las weitere Anekdoten vor und schrieb Autogramme.