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| 15:58 Uhr

Forst
Tatort am Rande der Rosenstadt

Krimiautor Helmut Fleischhauer recherchierte genau und hat dafür auch die Wirkungsstätte seines fiktiven Mörders im Euloer Bruch aufgesucht.
Krimiautor Helmut Fleischhauer recherchierte genau und hat dafür auch die Wirkungsstätte seines fiktiven Mörders im Euloer Bruch aufgesucht. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Helmut Fleischhauer lässt in seinem Forst-Krimi am Kegeldamm und im Euloer Bruch morden. Von Katrin Kunipatz

Seinen aller ersten Krimi hat Helmut Fleischhauer geschrieben. Einen Krimi, der in Forst spielt. Laut Fleischhauers Recherchen war Forst bisher nur einmal in der DDR-Krimireihe „Blaulicht“ Tatort.

Erfahrung mit dem Schreiben hat der gebürtige Nordrhein-Westfale. Die Forster kennen ihn als Fotograf und Journalist. Er war vor über zehn Jahren Gründer des ersten lokalen Nachrichtenportals im Internet. In den 80er Jahren schrieb er gemeinsam mit seiner damaligen Frau ein kleines Bastelbuch für Kinder und verfasste Beiträge über Modelleisenbahnen und Schmalfilmtechnik, die in Fachzeitschriften erschienen. Sogar im Science-Fiction-Genre versuchte er sich. „Der Wunsch, einen Krimi zu schreiben, schmurgelte schon eine Weile in mir“, sagt Helmut Fleischhauer.

Seit zwölf Jahren lebt er in Forst. Die Stadt und die Umgebung hat er in dieser Zeit sehr gut kennengelernt. Denn für die von ihm ins Leben gerufene Internetseite www.kulturwege-forst-lausitz.de machte er Fotos von allen irgendwie bedeutsamen Kunstobjekten und ist auch sonst oft in der Stadt unterwegs. Deshalb habe er sich auch die Mühe gemacht, die Wege der Täter selbst mit dem Rad abzufahren, damit die Abläufe zeitlich logisch seien. „Und wer genau liest, kann sogar den Wohnort des fiktiven Täters finden“, so Fleischhauer.

Dabei bilden die geschilderten Gewaltverbrechen am Kegeldamm und im Euloer Bruch nur den Rahmen für das, was der 70-Jährige eigentlich dem Leser nahe bringen möchte: die Arbeit der Kriminalisten und die Gefühls- und Gedankenwelt aller Beteiligten. „Ich wollte die Polizeiarbeit so präzise wie möglich schildern“, erklärt der Autor. Ausgiebig habe er dafür im Vorfeld recherchiert. „Die Pressestelle der Polizeidirektion Süd hat mir den Kontakt zu Kriminalbeamten vermittelt, mit denen ich ausführlich sprechen konnte“, berichtet Helmut Fleischhauer. So sei es ihm möglich gewesen, im Krimi die richtigen Begriffe der Fachsprache zu verwenden. Wichtig war für ihn die Erkenntnis, dass es nicht den einen Kommissar gibt, der einem einzigen Täter hinterher jagt. Jeder Kriminalbeamte habe noch andere Fälle, die er parallel bearbeite, so Fleischhauer. Gewöhnlich brauche es ein Team, um einen Fall zu lösen.

Die Sprache des Romans ist nicht so geschmeidig, wie man es von anderen Krimis gewöhnt ist. Dafür startet die Geschichte spannend und bleibt es. Aufschlussreich sind tatsächlich die Einblicke in die Gedankenwelt von Opfern, Tätern, Angehörigen und den Kriminalkommissaren. „Seit meiner Jugend fand ich die Vielfalt menschlichen Verhaltens interessant, damals habe ich sogar Bücher von Verhaltensforschern gelesen“, berichtet der Wahlforster.

Im Frühjahr vergangenen Jahres begann Helmut Fleischhauer mit seinem Krimi. „Die grobe Idee war da. Ich habe einfach losgeschrieben“, sagt er. Die Geschichte habe sich währenddessen weiterentwickelt. Sogar ein zweiter Täter rutschte ins Buch. Im Sommer legt er für seinen Bundestagswahlkampf eine Pause ein. Ein Patentrezept zum Schreiben hat er bisher nicht gefunden. „Es gab Tage, da sprudelte es nur, und an anderen ging gar nichts“, so der Autor. Bei Lektorat und Korrekturlesen bekam er Hilfe von seinen Töchtern Bianca und Sabrina Fleischhauer. Eine ist Deutschlehrerin und die andere habe ein sehr feines Sprachgefühl. „Wenn noch Tippfehler drin sind, dann sind sie nicht urheberrechtlich geschützt“, sagt Helmut Fleischhauer Augen zwinkernd.

Und vielleicht war es noch nicht der letzte Forster Krimi. Fleischhauer deutet an, Hauptkommissar Egon Schewalla bei einem neuen Fall wieder in die Spur zu schicken.