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| 18:30 Uhr

Ausflug zu Besonderheiten im Muskauer Faltenbogen
Es gibt hier weit mehr als nur alte Tagebaue in der Landschaft

 Mehr als 60 radwandernde Naturfreunde machten eine kurze Pause an der Felix-Mulde der ehemaligen Grube Conrad.
Mehr als 60 radwandernde Naturfreunde machten eine kurze Pause an der Felix-Mulde der ehemaligen Grube Conrad. FOTO: Angela Hanschke
Groß Kölzig. Zum Tag des Geotops haben sich am Sonntag 65 Radwanderer aus Forst, Döbern, Bad Muskau und Cottbus auf eine Radtour in den Muskauer Faltenbogen begeben.

Konzeption und Führung der Exkursion lagen in der Hand von Wolfgang Grätz, der die „Mitreisenden“ im Namen der Arbeitsgruppe Heimatforschung/Heimatstube begrüßte. Die unerwartet hohe Teilnehmerzahl verlangte dem 82-jährigen ehemaligen Geografielehrer angesichts des erkrankten Co-Geländeführers eine logistische Meisterleistung ab.

Im Zentrum standen an diesem Tag die Geotope als „Orte der unbelebten Natur“. Auf der insgesamt reichlich 20 Kilometer langen Route, die ums Reuthener Moor herumführte, gab es entlang der Kohlebahnstrecke der ehemaligen Grube Conrad davon reichlich zu sehen – als vom Menschen geschaffene Kohleabbau-Mulden und dazwischen liegende Kiesrücken.

Steilvorlagen für Wolfgang Grätz, der sich sein halbes Leben mit dem Muskauer Faltenbogen beschäftigt hat. Ein Drittel der Radwandergruppe bildeten einstige Schüler, wie Torsten Kasper aus Döbern, von dem einst der zum geflügelten Wort gewordene Satz stammt: „Aber die Alpen sind es nicht!“

Bewundert wurden unter anderem Windkanter, von der Natur „sandgestrahlte“ Findlinge mit scharfer Kante. Hingewiesen wurde auf Findlinge wie den 20 Tonnen wiegenden Finkenstein. An ausgewählten Punkten gab es detaillierte Erklärungen, wie am „schönsten Diapir im Muskauer Faltenbogen“ - einer senkrecht stehenden Kohlefalte in der Nähe von Bohsdorf. Oder aber am Felixsee, wo zwischen 1913 und 1923 Kohle gefördert wurde. Dort war zuvor ein Moor – das „Drogiske-Luch“. Dessen natürliches Gegenstück, das Moor in Reuthen, ließ sich nicht nur auf befestigten Radwanderwegen erfahren.

Etliche Radler erkundeten nach der Ankunft im Reuthener Park diesen und die gesamte Ortslage deshalb mit Gästeführerin Heidemarie Taubert noch weitaus intensiver. Der rund 38 Hektar umfassende Landschaftspark – der größte im Landkreis Spree-Neiße – wurde maßgeblich ab dem Jahre 1873 durch den Gutsbesitzer Hermann Killisch von Horn gestaltet, der zeitweise auch das Gut Dubraucke (heute Eichwege) besaß. Etliche der Skulpturen, die sich einst in die Natur schmiegten, sind inzwischen aus dem in Gemeindeeigentum befindlichen Areal verschwunden. Gebührend bewundert wurde daher die Nachbildung der Ariadne, deren Original sich in Besitz des Vatikans befindet. Die Park-Anlage hat ihren Ursprung „in einem kleinen Garten des ehemaligen Nonnenklosters Reuthen“, das im 30-jährigen Krieg zerstört wurde. Ebenso die ehemalige Reuthener Kirche, deren sagenumwobene Ruine unter Denkmalsschutz steht.

Zwei Drittel der Radwanderer, darunter auch einige Kinder im Grundschulalter, wagten sich vor der Einkehr ins Bohsdorfer Sanddornstübchen auf die beschwerliche Strecke zum Moor, verweilten kurz vor dem Apostelstein sowie dem zerstörten Mausoleum und sammelten am Rande des Moores – einem Refugium der Pflanzen- und Tierwelt – unvergleichliche Eindrücke. Es gelte, diese große Vielfalt an Amphibien, Insekten und Vögeln zu erhalten, betonte Wolfgang Grätz. Fundiert berichtete Fred Neumann von der Cottbuser Fachgruppe für Ornithologie über die Vogelwelt dieses natürlichen Geotops. Auch er ist ein ehemaliger Grätz-Schüler.

(aha)