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Abstimmung zur Abwahl
Tag der Entscheidung für den Forster Bürgermeister

Vom Hoffnungsträger zum Dauerkranken. Wird Philipp Wesemann als Forster Bürgermeister abgewählt?
Vom Hoffnungsträger zum Dauerkranken. Wird Philipp Wesemann als Forster Bürgermeister abgewählt? FOTO: Patrick Pleul / dpa
Forst. Für den Forster Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) geht es heute um seinen Job. Die Stadtverordneten entscheiden am Abend, ob ein Bürgerentscheid zu seiner Abwahl auf den Weg gebracht wird oder nicht. Wesemann wird davon nichts mitbekommen. Er ist in Kur. Von Bodo Baumert

„Seit fast einem Jahr nimmt der hauptamtliche Bürgermeister seine Amtsgeschäfte nicht wahr.“ Mit diesen Worten beginnt der Antrag, über den die Forster Stadtverordneten am Mittwochabend abstimmen sollen. Vorbereitet hat ihn die Linke. 22 Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung haben ihn bereits beim Einbringen Ende September unterzeichnet. Damit wäre die nötige Mehrheit bereits zusammen.

Kommen die nötigen 20 Stimmen bei der außerplanmäßigen Sitzung um 18 Uhr zusammen, würden die Forster im Rahmen eines Bürgerentscheids über die Zukunft ihres hauptamtlichen Bürgermeisters entscheiden.

„Es geht um die Entwicklung unserer Stadt, es geht um den Status der Stadt in einem zukünftigen Landkreis aus Cottbus und Spree-Neiße und es geht um eine handlungsfähige Verwaltung“, schreibt Ingo Paeschke, Fraktionsvorsitzender der Linken, im jüngsten „Malxeblatt“ seiner Partei. „In den 18 Monaten seiner aktiven Amtszeit hat sich Wesemann nicht als der Hoffnungsträger erwiesen, an den auch ich bei der Wahl geglaubt habe. Alle angebotene Unterstützung im Amt wurde ausgeschlagen, eine persönliche Weiterbildung fand nicht statt und für den Start seiner Jugendbeteiligung brauchte er genau 18 Monate“, wettert Paeschke gegen den jungen Bürgermeister. „Wenn man ein solches Amt übernimmt, muss man dafür brennen, es reicht nicht aus, nur erfolgreich in Kameras zu lächeln und Blumen zu überreichen, egal wie alt man ist.“

Kritik gibt es aus der Partei des Bürgermeisters. So beklagt etwa Ulrich Freese, Unterbezirksvorsitzender SPD in Spree-Neiße: „Ich bin nach wie vor tief erschüttert, dass gerade vom Fraktionsvorsitzenden Ingo Paeschke der Antrag überreicht wurde. Die Linke, die immer soziale Anständigkeit fordert, an der Spitze der Bewegung derer, die sich sozial unanständig im Fall des Bürgermeisters verhalten. Philipp Wesemann befindet sich in Behandlung, er wird eine Heilkur antreten, deren Ende wohl kurz vor Weihnachten sein wird“, so Freese gegenüber der RUNDSCHAU.

Der Bürgermeister soll im Anschluss an die Sitzung über das Ergebnis informiert werden. Er hatte in einem Schreiben bereits angedeutet, auf sein Amt verzichten zu wollen. Er hat eine Woche Zeit, sich dazu zu erklären.

Wesemann (26) war im Mai 2015 gewählt worden. 60,57 Prozent der Wähler hatten in der Stichwahl für ihn gestimmt.