Jugendlichen des Evangelischen Kirchenkreises Cottbus, zu dem auch die Forster Region gehört, werden an diesem Tag zunächst in der Noßdorfer Kirche erwartet. „Wir rechnen mit insgesamt 100 bis 120 Jugendlichen“ , sagt Pfarrer Ingolf Kschenka. Zur Eröffnung gebe es natürlich einen Gottesdienst. Doch statt Orgelmusik werde Kirchen-Pop geboten, gespielt von Jugendlichen aus Forst und Umgebung, die sich zu einer Band zusammengefunden hätten. Danach seien verschiedene Diskussionsrunden geplant - „mit Grenzgängern, sozusagen. Es wird eine junge Frau über ihre Arbeit im Hospiz sprechen, wie sie es verkraftet, so oft Menschen sterben zu sehen. Jugendliche werden über ihr Alkoholproblem und ihre Arbeit in der Selbsthilfegruppe berichten“ , sagt er.
Menschen aus dem Asylbewerberheim sollten dabei sein und ihr Leben und ihre Probleme in Deutschland, in Forst, darstellen. „Wir lassen auch ältere Menschen zu Wort kommen, die aus ihrem Leben erzählen, die - ohne zu jammern und klagen - leidvolle Erlebnisse darstellen werden“ , sagt der Pfarrer. Gerne hätten die Organisatoren auch einen Spieler oder den Trainer von Energie Cottbus dabei. „In dieser Mannschaft waren und sind immer wieder Spieler aus Osteuropa, aus Afrika, die auf den ersten Blick nur zweite Wahl sind. Und dann geben sie alles für diesen Verein, sind richtig gut. Vielen hat man abgeraten, nach Cottbus zu gehen, weil es viel zu gefährlich wäre. Aber sie sind gerade gekommen. Ist doch interessant zu erfahren, wie sie die Zweifel überwunden haben und welche Erfahrungen sie gemacht haben in der angeblichen No-Go-Area“ , betont Kschenka.
Und dieser Trainer, dem es gelänge, mit der Mannschaft in der Spitzenliga zu bleiben - trotz seines geringen Etats und der Tatsache, dass die besten Spieler immer wieder abwandern würden. „Das zeigt doch: Auch wenn viele sagen, dass die Lage schlecht ist, dass ohnehin alles den Bach runter geht, gibt es eine Menge Menschen, die diese Barriere im Kopf überwinden und dann auch etwas bewegen können“ , unterstreicht er.

Graffiti-Kunst und Marimba-Klänge
Als solchen Grenzgänger sieht sich auch der Cottbuser Unternehmer und Maler Hans-Jürgen Hetzschold, der in Forst das ehemalige Heizkraftwerk erworben hat. Die Verbindung des Objektes zum Kreisjugendsonntag und dessen Motto sei schnell hergestellt. „An diesem Ort, der manchem wohl eher als Industrieruine denn als Veranstaltungsort anmutet, hat der Evangelische Kirchenkreis Workshops zu verschiedenen Themen geplant“ , erklärt er. Unter anderem werde es auf dem Gelände die Möglichkeit geben, Graffiti-Kunstwerke zu gestalten. Wenn alles klappe, werde eine Marimba-Band aus Südafrika spielen. Einige Konzerte sind im Heizkraftwerk schon über die Bühne gegangen, seit Hetzschold sich in Forst engagiert. Und er schwärmt direkt davon: „Es ist eine ganz tolle Atmosphäre, wenn die ehemaligen Kraftwerksräume - mit den Rohren, den riesigen Ventilen - in Licht getaucht werden.“ In der ersten Etage sei vor einem Jahr ein Raum der Besinnung geschaffen worden, von jungen Christen aus Forst und Pfarrer Matthias Vogt, der den Raum auch geweiht habe. „Noch ist es nicht endgültig entschieden, aber Pfarrer Vogt möchte den Abschluss-Gottesdienst des Kreisjugendsonntags gern an diesem Ort stattfinden lassen - einem ungewöhnlichen Ort, der den absoluten Gegensatz zu den üblichen kirchlichen Stätten darstellt“ , sagt Pfarrer Kschenka.
Lediglich ein schlichtes Holzkreuz zeugt dort von der Bedeutung dieses Raumes mit dem einzigen Industriealtar Deutschlands, sagt Doris Schädel, Präsidentin der „art galerie family foundation“ in Cottbus, die in dem Raum gern eine Bibliothek einrichten möchte. Auch Ausstellungen im morbiden Ambiente des stillgelegten Kraftwerkes wolle sie organisieren.
Die Idee des Graffiti-Workshops, den sie künstlerisch betreuen werde, gefalle ihr ebenso gut wie den Forster Pfarrern und dem Heizkraftwerk-Chef Hetzschold, der der Meinung ist: „Wer so etwas wie das Heizkraftwerk kauft, sich für das Betreiben des Objektes auch noch ein Konzept ausdenkt und es sogar umsetzen will, braucht schon eine Menge Begeisterung - aber auch etwas Irrsinn. Doch welch ein Erlebnis, etwas zu bewegen, aufgebaute Barrieren - und seien es auch nur die der unglaublichen Bürokratie - zu überwinden.“