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Studenten lassen Politiker staunen

Professor Ralf R. Sommer (rechts) stellt vor den Mitgliedern des Bauausschusses studentische Entwürfe für die Forster Innenstadt vor.
Professor Ralf R. Sommer (rechts) stellt vor den Mitgliedern des Bauausschusses studentische Entwürfe für die Forster Innenstadt vor. FOTO: Landes
Forst. 20 Entwürfe von Architekturstudenten der BTU Cottbus-Senftenberg sollen die Diskussion um eine Südrandbebauung am Forster Markt beflügeln. Die Arbeiten wurden jetzt im Bauausschuss der Stadt den Politikern vorgestellt. Hartmut Landes

Die Diskussion um die Gestaltung des Forster Zentrums hat neue Nahrung erhalten. Dabei handelt es sich um 20 Arbeiten von Architekturstudenten der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. Ihre Entwürfe für eine Bebauung am Südrand des Marktes wurden jüngst von Professor Ralf R. Sommer den Mitgliedern des städtischen Bauausschusses vorgestellt.

Beauftragt hatte die Stadt die BTU mit den Arbeiten, nachdem die Pläne zur Errichtung einer multifunktionalen Ausstellungshalle in der Bevölkerung auf Kritik gestoßen waren. Die waren im April des Vorjahres öffentlich gemacht worden. 3,5 Millionen Euro sollte der Bau kosten. Für die Stadt allein war das nicht zu finanzieren. Im Zuge des Wahlkampfes rückten alle Bürgermeisterkandidaten von den Plänen für eine Ausstellungshalle ab. Nun soll eine neue, möglichst breite Diskussion auf der Grundlage der Studentenentwürfe angeschoben werden.

Vor den Politikern im Ausschuss machte Professor Sommer deutlich, wo er bei dieser Diskussion ansetzen würde: Beim Leitbild, das sich die Stadt gegeben habe. "Sie brauchen eine breite Debatte darüber, welche Bedürfnisse die Menschen in Forst haben und wie leistungsfähig die Stadt ist", sagte er. Und er meinte zugleich: "Seien sie sich auch im Klaren darüber, dass sie für die nächsten Generationen bauen. Dafür stellen sie jetzt die Weichen."

Die Entwürfe und Modelle der Studenten sind unabhängig von den finanziellen Grenzen eines städtischen Haushalts. Sie reichen von stark historisierend und angelehnt an die Umfeldgestaltung der Dresdner Frauenkirche bis hin zum minimalistischen Solitär-Bau. Es gibt Modelle, die die Integration von Wohnungen, Ausstellungsgebäude in einem Bau vorsehen und ebenso Varianten, die Geschäfts- und Wohnungsbau in sich vereinen.

"Wir werden die Entwürfe demnächst öffentlich präsentieren und die Forster Bürger um ihre Meinung bitten", erklärte Verwaltungsvorstand Heike Korittke im Ausschuss. Ab wann und wo das geschehen soll, steht derzeit noch nicht fest. Angelika Geisler, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung, ist zuversichtlich, spätestens im Mai in einem geeigneten Objekt in der Innenstadt die Arbeiten der Öffentlichkeit zeigen zu können und damit eine breite Diskussion anzustoßen.

Mit Äußerungen zu den Ideen und Vorstellungen der Studenten hielten sich die Ausschussmitglieder zunächst zurück. Die Meinungen reichten von "interessant" bis "außergewöhnlich". Wichtig sei, eine möglichst breite Diskussion in der Öffentlichkeit zu führen und die Leistungsfähigkeit der Stadt sowie den Bedarf im Auge zu behalten, hieß es immer wieder. Eine Auffassung, die auch Uwe Engelmann, Geschäftsführer der Forster Wohnungsbaugesellschaft, vertritt. Er sagt als Vertreter des größten Vermieters in Forst: So ein Bauvorhaben stehe aus seiner Sicht nicht auf der Tagesordnung. Der Bedarf dafür sei derzeit nicht gegeben. Er unterstreicht seine Position mit Zahlen. Eine davon: Rund 57 000 Quadratmeter Wohnraum hat die Forster Wohnungsbaugesellschaft seit 1990 abreißen lassen und noch immer stehen in ihrem Bestand mehr als 1000 Wohnungen leer.

Vor wenigen Wochen hatte Heike Korittke zur Gestaltung des Forster Zentrums erklärt: "Der Weg ist von Veränderungen geprägt." Inwieweit Entwürfe kreativer Studenten diese Veränderungen beeinflussen, muss die Zukunft zeigen. Und da können die Forster ein gewichtiges Wort mitreden - wenn sie das wollen.