| 17:20 Uhr

Altekrüger scheint Kolkwitz zu favorisieren
Streit um den richtigen Gesamtschul-Standort

Der ehemalige Oberschulstandort Kolkwitz würde nicht ausreichen. Der Standort wird in einer Analyse nicht favorisiert,vom Landrat aber forciert.
Der ehemalige Oberschulstandort Kolkwitz würde nicht ausreichen. Der Standort wird in einer Analyse nicht favorisiert,vom Landrat aber forciert. FOTO: Michael Helbig/mih1
Spree-Neiße. Entgegen aller Empfehlungen versucht Landrat Harald Altekrüger (CDU) offenbar Kolkwitz als Gesamtschulstandort durchzusetzen. In Drebkau und Welzow regt sich Widerstand, bis hin zum Vorwurf, dass mit gezinkten Karten gespielt werde. Aber nicht nur dort gibt es Zweifel. Auch CDU-Kreisvorsitzender Raik Nowka will eine Kreistagsentscheidung nicht garantieren. Dabei drängt die Zeit.

 Denn schon im August kommenden Jahres will der Landkreis eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberschule eröffnen. Landrat Altekrüger war Anfang Dezember bei einem Gespräch im Bildungsministerium für den Standort Kolkwitz eingetreten. Er berief sich dabei auf die klaren Signale aus dem Kreisausschuss. Vom Ministerium gab es positive Signale für die neue Schule. Aber bevor Potsdam die Gesamtschule genehmigen kann, muss der Landkreis noch einige Unterlagen vorlegen, erläuterte Altekrüger im Bildungsausschuss. Dazu zählen der Kreistagsbeschluss zum Standort, ein Nachweis der Schülerzahlen, das Einvernehmen mit benachbarten Schulen und ein Schulkonzept für die Kursplanung. Am 20. Dezember muss das Ministerium seine Entscheidung treffen, damit die neue Schule von den Eltern der jetzigen Sechsklässler als weiterführende Schule ausgewählt werden kann.

Einiges kann die Kreisverwaltung selbst erarbeiten, am wichtigsten ist der Beschluss des Kreistages, der am Mittwoch zusammentritt. Durch die enge Zeitschiene laste ein enormer Druck auf den Mitgliedern des Bildungsausschusses, so Raik Nowka (CDU). Trotzdem gibt es vom Ausschuss keine klare Beschlussempfehlung für den Kreistag. Die Gründe dafür sind vielfältig. Deutlich wird im Verlauf der Diskussion, dass nicht allen Ausschussmitgliedern der Bericht der Standortanalyse vorliegt und es vonseiten der Arbeitsgruppe „Gesamtschule“ verschiedene Aussagen gibt. Bis zum Kreistag soll die Verwaltung allen Abgeordneten die Unterlagen zugänglich machen.

Heike Just, Rektorin der Grundschule Kolkwitz, erläutert im Ausschuss die aktuelle Situation in der Schule. In den vergangenen Wochen gab es Darstellungen, dass in der Grundschule Platz für zusätzliche Klassen sei. Heike Just macht deutlich, dass die vorhandenen Räume im Moment nur für die Grundschulklassen reichen. Platz, um in der Übergangsphase zusätzliche Klassen der Gesamtschule aufzunehmen, gebe es nicht. Sorgen macht ihr auch eine mögliche riesige Schule. Denn diese würde entstehen, wenn zu den rund 300 Grundschülern weitere 400 Gesamtschüler in der Nähe des heutigen Grundschulstandortes unterrichtet würden.

Für die Drebkauer Eltern spricht Oliver Senkel. Er weist daraufhin, dass für Schüler aus Welzow und Drebkau die Wege bis nach Kolkwitz sehr lang sind. „Für den südwestlichen Teil des Kreises ist Kolkwitz keine Alternative“, so Senkel. Die Elterninitiative favorisiert den zentralen Standort in Leuthen. Nur so sei es möglich, die Schulwege für alle Kinder kurz zu halten.

Baudezernent Olaf Lalk lenkt den Blick auf die Besonderheiten der Aufgabe, vor der die Verwaltung steht. Normalerweise wird bei einem Schulbau der Bedarf analysiert, geplant und gebaut und danach kommen die Schüler. Im Fall der Gesamtschule sollen sich die Eltern jedoch für eine Schule entscheiden, die noch nicht da ist – ohne Lehrer, ohne Schulhaus und ohne einen Zeitpunkt, wann die Übergangslösung beendet ist. Er hält deshalb den Standort in Kolkwitz am geeignetsten. Hier gebe es bereits Bau- und Planungsrecht. Nach drei bis vier Jahren könnte die Schule stehen. Dies bedeute, am Interimsstandort muss Platz für die gesamte Schule sein.

An anderen in der Rede stehenden Standorten – Kolkwitz-Annahütte oder Leuthen – müsste dagegen erst Planungsrecht geschaffen und Flächennutzungspläne geändert werden. Prozesse, die zwischen drei und zehn Jahren dauern können, so Lalk.

In der weiteren Diskussion betont der in Kolkwitz wohnende Ausschussvorsitzende Andreas Petzold (SPD): „Wir wollen nicht die schnellste, sondern die bestmögliche Lösung.“ Steffen Krautz (SPD) wirft dem Landrat vor, sich nicht intensiv genug an den seit mehreren Jahren laufenden Diskussionen beteiligt zu haben und jetzt einen Standort durchdrücken zu wollen. Der Drebkauer Bürgermeister Dietmar Horke (parteilos) unterstellt gar, dass jemand mit „gezinkten Karten“ spiele. Man habe im Januar per Beschluss eine Schule in Kolkwitz unterstützt, um den Kindern des Ortes ein Angebot zu machen. Als weitere Vorschläge eingebracht wurden, habe man auf eine unabhängige Entscheidung gehofft, so Horke.

Ob der Kreistag am Mittwoch zu einer Entscheidung kommt, will Raik Nowka (CDU) nach der Sitzung des Bildungsausschusses nicht zusichern. Klar ist bisher nur, dass die Gesamtschule nicht in Cottbus stehen wird. Dort würde die Investition auf 20,5 Millionen Euro geschätzt. Im ungünstigsten Fall wären laut Bildungsdezernent Hermann Kostrewa 24 Millionen Euro fällig.