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| 18:15 Uhr

Forst
Streit um Fördermittel für Schulen

Schüler der Archimedes Grundschule in Noßdorf spielen Fußball. Der Untergrund variiert je nach Witterung zwischen Staub und Schlamm. Den Bolzplatz und den dahinter befindlichen Spielplatz möchte die Schule gern erneuern und umgestalten.
Schüler der Archimedes Grundschule in Noßdorf spielen Fußball. Der Untergrund variiert je nach Witterung zwischen Staub und Schlamm. Den Bolzplatz und den dahinter befindlichen Spielplatz möchte die Schule gern erneuern und umgestalten. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. Insgesamt 1,3 Millionen Euro kann Forst bekommen. Freie Schulen fordern ihren Anteil ein. Von Katrin Kunipatz

1,3 Millionen Euro sind eine Menge Geld. Fördermittel in dieser Höhe kann die Stadt Forst vom Land Brandenburg erhalten, um die Schulinfrastruktur zu verbessern. Im Dezember wurde die neue Förderrichtlinie angekündigt und Mitte Januar ging die offizielle Bestätigung bei der Stadt Forst als Träger der Grundschulen Nordstadt, Mitte und Keune sowie der Oberschule ein. Post von der Investitionsbank des Landes Brandenburg erhielten auch die Schulträger der drei freien Forster Schulen: der Wichernschule, der Archimedes-Grundschule und der evangelischen Grundschule.

Die Freude über den Geldsegen war bei allen vier Beteiligten groß. Überall gibt es Projekte, für die man das Geld verwendet möchte. Die Stadt bereitet gerade die Sanierung der Grundschule in Keune einschließlich Hort und Turnhalle vor. Ein erstes Konzept und Kostenschätzung liegen bereits vor. Im Moment läuft die europaweite Ausschreibung der Planung. Unklar ist die Finanzierung des 7,1 Millionen Euro teuren Umbaus.

Die Verwaltung schlägt deshalb den Stadtverordneten vor, per Beschluss die gesamte Summe von 1,3 Millionen Euro für den Neubau der stark sanierungsbedürftigen Turnhalle in Keune zu verwenden. Dies sei möglich, weil die Schulen in freier Trägerschaft gemäß der Förderrichtlinie berücksichtigt werden können, betont Kämmerer Jens Handreck. Der Finanzausschuss verwies die Vorlage in die Fraktionen. Im Hauptausschuss fand die erste Abstimmung statt. Die Abgeordneten von SPD und CDU folgten dem Vorschlag der Stadt, alles Geld in Keune zu verbauen. Die beiden Abgeordneten der Linken und Wolfgang Starick von „Wir für Forst“ wollen die freien Schulen an den Fördermitteln beteiligen und stimmten dagegen. Lothar Lischke, Fraktionsvorsitzender FDF / Freie Bürger enthielt sich. Er erklärte auf Nachfrage, seine Fraktion habe noch nicht dazu diskutiert.

Widerstand regt sich bei den freien Schulen. Mike Ströse, Geschäftsführer der evangelischen Grundschule, spricht von einer „unglücklichen Situation“, die sich durch die Kann-Bestimmung ergibt. Er hätte sich mehr Klarheit vonseiten des Ministeriums gewünscht. Die laut Investitionsbank möglichen und nach Schülerzahlen für sein Haus ermittelten Fördermittel von rund 131 000  Euro würde der Trägerverein für die energetische Sanierung des Flex-Gebäudes verwenden wollen, so Ströse. Reichen würde die Summe nicht, Eigenmittel und eine Kreditfinanzierung seien für die Umsetzung nötig. Respekt hat er vor dem mit der Förderung verbundenen europaweiten Vergabeverfahren, das sehr lange dauern könne.

In der Wichernschule würde Schulleiter Heiko Heinemann mit den in Aussicht gestellten 86 000 Euro Fördermitteln gern in der gesamten oberen Etage die Fenster tiefer setzen, damit Kinder im Rollstuhl hinausschauen können. Im Moment sei es nur stehenden Erwachsenen möglich, so Heinemann. „Seit 2016 liegt das Projekt fertig im Schreibtisch, aber es fehlte das Geld“, sagt der Schulleiter. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, warum die Fördermittel nicht weitergereicht werden sollen, schließlich sei die vielfältige Bildungslandschaft in der Stadt akzeptiert und wichtig.

67 000 Euro könnte entsprechend ihrer Schülerzahl die Archimedes-Grundschule erhalten. Schulleiter Daniel Böhm möchte das Geld gern in den von Schule und Hort genutzten Spiel- und Bolzplatz investieren. Seit eineinhalb Jahren gibt es Überlegungen dazu und auch schon einen Kostenvoranschlag. Wie die anderen Schulleiter hat Böhm die Eltern angesprochen. Eine Unterschriftenaktion unter der Überschrift „Fair bringt mehr“ läuft bereits. „Wir befinden uns in der Diskussionsphase“, so Mike Ströse noch sei eine Änderung des Beschlusses möglich. Erst in der Stadtverordnetenversammlung am 9. März fällt die Entscheidung.