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Stolz auf das enge Netzwerk

Die Gesprächspartner bei LR vor Ort in Döbern: Nather Almasalmah aus Syrien, Netzwerk-Koordinatorin Ines Lutzens, LR-Redakteurin Katrin Kunipatz, Seniorenbeirats-Chefin Saskia Stahn, Familienpatin Renate Pniok, LR-Redakteurin Steffi Ludwig, Ute Paul von der BQS und Bürgermeister Jörg Rakete (v.l.).
Die Gesprächspartner bei LR vor Ort in Döbern: Nather Almasalmah aus Syrien, Netzwerk-Koordinatorin Ines Lutzens, LR-Redakteurin Katrin Kunipatz, Seniorenbeirats-Chefin Saskia Stahn, Familienpatin Renate Pniok, LR-Redakteurin Steffi Ludwig, Ute Paul von der BQS und Bürgermeister Jörg Rakete (v.l.). FOTO: Jan Siegel
Döbern. Bei der Auftakt veranstaltung von LR vor Ort in Döbern wurde über den beispielgebenden Einsatz für die Flüchtlinge vor Ort gesprochen. Steffi Ludwig

Yvette Bernhard, Lehrerin an der Döberner Oberschule Germanus Theiss, bringt nach der Gesprächsrunde im Deutschen Haus auf den Punkt, was wohl der Antrieb des gesamten Döberner Netzwerkes für Vielfalt ist: "Die Flüchtlinge sind eine absolute Bereicherung." Gerade wenn sie Nather Almasalmah jetzt sehe, sei sie unglaublich stolz. Denn der 18-jährige Syrer hat sogar im Podium Platz genommen und berichtet auf Deutsch von seiner Flucht vor dem Krieg in Syrien und seiner Zeit in Döbern. Dabei habe er anfangs nur missmutig Deutsch gelernt, so Yvette Bernhard.

Und jetzt habe Nather Pläne für die Zukunft wie jeder junge Mensch: Er erzählt, dass er jetzt am Oberstufenzentrum Cottbus lernt und gern Industriemechaniker werden will. In den Schulferien werde er ein Praktikum in der Döberner Kita "Regenbogen" absolvieren, die passend den Schwerpunkt Sprache habe.

Möglich geworden ist diese positive Einstellung sicher ein großes Stück weit durch das Netzwerk für Vielfalt, das sich in Döbern während der großen Flüchtlingswelle 2015 gegründet hatte. Familienpaten wie Renate Pniok und Marlies Ritter seien sofort bereit gewesen, den Familien zu helfen, berichtet Ines Lutzens vom Amt Döbern-Land, die Koordinatorin des Netzwerkes. Der Seniorenbeirat und die BQS Döbern wurden einbezogen, Deutschkurse wurden gegeben, Feste miteinander gefeiert, in der DRK-Seniorenbegegnungsstätte Räumlichkeiten gefunden. Finanzielle Hilfe sei vom Landkreis Spree-Neiße, von EnviaM und von privaten Spendern gekommen, so Ines Lutzens. Momentan lebten noch 18 Flüchtlinge in Döbern. "Sie sind für mich wie eine zweite Familie geworden", sagt Renate Pniok, die sich mit vollem Einsatz engagiert und auch mal eine Waschmaschine repariert. Anfängliche Vorurteile und Verständigungsschwierigkeiten hätten schnell ausgeräumt werden können, so Ines Lutzens. Mittlerweile besuchten alle Flüchtlinge einen Integrationskurs.

Das Netzwerk, das sich ja Netzwerk für Vielfalt nenne, wolle über die Flüchtlinge hinaus auch anderen sozial Benachteiligten helfen, sagt Saskia Stahn, Vorsitzende des Seniorenbeirates, auf eine Frage von LR-Redakteurin Katrin Kunipatz. Bisher sei jedoch noch kein Bedarf angemeldet worden, vielleicht sei auch zu wenig Werbung gemacht worden. "Deshalb können sich auch gern Menschen mit anderen Problemen an uns wenden", so Saskia Stahn. Neue Mitstreiter für das Netzwerk oder Anregungen seien gern gesehen.

Ute Paul, die bei der BQS Döbern Integrationshilfe für die Flüchtlinge leistet und quasi Ansprechpartnerin für alle Belange von Anträgen bis hin zu persönlichen Fragen ist, hat ihren Arbeitsvertrag nur noch bis Ende Dezember. Auf die Frage von LR-Redakteurin Steffi Ludwig, wie es danach weitergehe, antwortete Bürgermeister Jörg Rakete, er wolle sich dazu schlau machen.

Er freue sich, dass das Netzwerk in Döbern so gut laufe. Die Stadt unterstütze, wenn es Anfragen oder Probleme gebe, so Rakete. Döbern habe hier den Vorteil der kleinen Stadt mit kurzen Wegen. Und er habe schon Familien erlebt, die erst kritisch eingestellt waren, jetzt aber ihre Kinder gern mit den Flüchtlingskindern spielen lassen.

Auch die Integrationsbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße, Annett Noack, die im Publikum sitzt, lobt das Netzwerk in Döbern - im ländlichen Raum sei so etwas auch einfacher als in größeren Städten.

Frank Mader, Vorsitzender des SV Döbern, meint, jetzt komme es darauf an, dass die Flüchtlinge auch wirklich integriert werden. Bei ihm im Verein klappe es: Ausländische Familien, deren Kinder im Verein sind, kommen auch zum Arbeitseinsatz und könnten sich so mit den Döbernern bekannt machen. "So lernt man sich verstehen."

Die nächste Netzwerk-Aktion für die Flüchtlinge steht bald an: eine Kutschfahrt am 4. Juli zum Felixsee.

Zum Thema:
Die nächste Veranstaltung findet am 29. Juni in Kerkwitz statt zum Thema: Wie geht es in Kerkwitz ohne Kohle weiter? (19 Uhr in der Gaststätte "Zum Dorfkrug"). Am 6. Juli in Welzow geht es um die Einbruchsserie rund ums Welzower Schwimmbad (18.30 Uhr im Exkursio-Besucherzentrum).