Martin Brasse, Leiter der Kreisvolkshochschule und damit auch der Regionalstelle für Bildung im Agrarbereich, freut sich, dass Kurse, Seminare und die allgemeinen Bildungsmöglichkeiten so große Nachfrage erfahren. Knapp 400 Teilnehmer wurden 2003 gezählt, 2004 waren es nicht weniger. Die Tendenz ist eher steigend, denn auch in der Landwirtschaft steigen die Anforderungen an die Beschäftigten stetig. Wenn sie mithalten wollen, kommen sie nicht umhin, die Schulbank zu drücken. Themen wie nachwachsende Rohstoffe, Neureglungen im Pflanzenschutz, Düngerverordnung, Melken und Milchqualität, Schweineproduktion, Agrarantrag online, Sachkundenachweis im Pflanzenschutz oder auch Buchführung in landwirtschaftlichen Betrieben sind immer wieder gefragt. Sie beschäftigen die Mitstreiter tage- und auch wochenlang.

Besonders jetzt in der kalten Jahreszeit ist für die Landwirte Hochsaison in den Klassenzimmern. Wenn auf den Feldern die Arbeit ruht, wird die Arbeitskluft gegen Stift, Papier und Lehrbuch getauscht. So mancher entschließt sich sogar zu einem richtigen Mammutprogramm wie beispielsweise einen Meisterkurs. Erst im Herbst des vergangenen Jahres hat in Herzberg ein solcher begonnen. 16 Teilnehmer wollen diese wichtige Qualifikation erwerben.

Drei Jahre wird es dauern, bis sie damit fertig sind. Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis soll in diesem Jahr ein solcher Lehrgang starten. "Wir bildeten dafür sogar einen eigenen Prüfungsausschuss, in dem Praktiker und Theoretiker vertreten sind. Dieser ist für den gesamten südbrandenburger Raum zuständig", ist zu erfahren.

Martin Brasse begründet das Engagement in diesem Bereich folgendermaßen: "Wir sind selbst ein landwirtschaftlich geprägter Kreis und haben viele fachlich fundierte Ausbilder vor Ort, die sich bei regelmäßigen Ausbilderstammtischen austauschen". Damit die Dozenten immer auf dem Laufenden bleiben, stehen auch für sie regelmäßige Fortbildungen in der Seddiner Landwirtschaftsschule auf dem Plan. Darüber hinaus gibt es in regelmäßigen Abständen zentrale Anleitungen vom Landwirtschaftsministerium. Bei denen werden wichtige Bildungsschwerpunkte thematisch und auch inhaltlich benannt. So gelinge es, dass die Seminare und Kurse der Regionalstelle für Bildung im Agrarbereich an den Anforderungen der Zeit orientiert bleiben, bilanziert der Leiter eine immer besser werdende Zusammenarbeit.

Darüber hinaus gelte es, immer wieder auch nach Partnern Ausschau zu halten. Langjährige Kontakte gibt es zum Beispiel mit der Landwirtschaftsschule in Jüterbog. Dort kann der staatliche Abschluss zum Landwirt erworben werden.

Aktuell gibt es Bestrebungen, gemeinsam mit dem Oberstufenzentrum Elbe-Elster eine Erstausbildung in diesem Bereich anzubieten. Auch der Bauernverband steht hinter diesem Vorhaben und unterstützt es, eben weil viele versierte Ausbilder den jungen Menschen fachlich fundiertes Rüstzeug für einen beruflichen Einstieg in der Landwirtschaft vermitteln könnten. Zudem würde eine solche Ausbildungsmöglichkeit hier vor Ort vielleicht auch das Interesse daran steigern.

Nachwuchs wird schließlich im landwirtschaftlichen Bereich nach wie vor gebraucht. Und das nicht nur bei der "ganz normalen Ausbildung". "Es vergehen nur noch ein paar Jahre, dann wird es in den Chefetagen dünn", hat Martin Brasse bei seinen häufigen Besuchen in den einzelnen Betrieben erfahren, bei denen er den speziellen Bildungsbedarf abfragt.