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Startschuss für Forster Logistikzentrum

Potsdam. Die Stadt Forst soll eine große Zukunft als Logistikstandort haben. Davon ist nicht nur die Zukunftsagentur Brandenburg überzeugt, sondern auch Unternehmen der Branche. In Potsdam wurde am Freitag der offizielle Startschuss für den fünften Logistikstandort Brandenburgs gegeben. Von Bodo Baumert

In großen Zusammenhängen wurde am Freitag in Potsdam gedacht. Internationale Transportwege aus den USA über die europäischen Atlantikhäfen bis in die Ukraine und China spielten dabei eine Rolle. Und mittendrin: Forst.

Mit seiner Lage an der Magistrale von Bremerhaven über Berlin und Breslau bis in die Ukraine habe die Stadt Forst ideale Voraussetzungen im Bereich Logistik, versicherte etwa Branchenkenner Michael Roggenkamp, Inhaber der Firma ederlog, die unter anderem die Europäische Kommission in Logistikfragen berät. Er hat in den vergangenen Monaten mitgeholfen, das ehemals von der Bahn stillgelegte Gleis 44 wiederzubeleben. Mittlerweile rollen dort die ersten Züge, auf denen etwa die Lion Group Traktoren und Maschinen von Bremerhaven holt, um sie in Forst umzuladen und für die Weiterreise in die Ukraine vorzubereiten. "Wir wollen dem Hafen in Odessa Konkurrenz machen", kündigt Sven Noatzke, Geschäftsführer der Lion Spezialtransport GmbH, an. Das sei kein Hirngespinst. Von den USA brauche ein Containerschiff heute 40 Tage bis zur ukrainischen Hafenstadt. In Bremerhaven hingegen sei das Schiff schon nach zehn Tagen. Von dort geht es mit der Bahn über Forst und Breslau in weiteren zehn Tagen nach Kiew. "Zum gleichen Preis können wir die Ware in der Hälfte der Zeit transportieren", so Noatzke.

Diese Erkenntnis setze sich mittlerweile immer stärker bei Industrieunternehmen durch, so Roggenkamp. Längst sei aber die Strecke über Berlin und Poznan Richtung Osten überlastet. "Wir brauchen eine zweite Achse - und die führt über Forst", bestätigt Steffen Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung der Zukunftsagentur Brandenburg. Deswegen sei Forst einer der "Stars von morgen", die die ZAB fördern wolle.

In einer Machbarkeitsstudie hat die Stadt Forst untersuchen lassen, ob hinter diesen Visionen tatsächlich Entwicklungschancen stehen. Offenbar ist dem so. "Hier liegt ein großes Potenzial", versichert Rüdiger Hage vom Logistiknetz Berlin Brandenburg, der das Gutachten mit der Firma ederlog zusammengestellt hat. In einem für die Logistikbranche erstellten Index der Unternehmensberatung SCI etwa schneidet Forst in 21 von 22 Punkten gut ab. Lediglich einen Hafen kann Forst nicht vorweisen. Das sei angesichts von Autobahn- und Gleisanschluss sowie der Zollabfertigung vor Ort aber nicht weiter relevant, so Hage.

Um die vorhandenen Chancen zu nutzen, soll Forst nun im Rahmen des Logistiknetzes international vermarktet werden. "Wir haben heute den offiziellen Startschuss gegeben. Das heißt aber nicht, dass es ein Kaltstart ist", betont Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP). Die Deutsche Bahn habe bereits in den Standort investiert, ebenso die vor Ort ansässigen Unternehmen wie Lion oder Overseas. Der Weg Richtung Logistik sei richtig, versichert Hage. Es warte aber noch viel Arbeit auf die Stadt.

Zum Thema:

Zum ThemaEntstehen soll das künftige Industrie- und Logistikzentrum Lausitz an der Autobahnabfahrt Forst. Das Industrie- und Gewerbegebiet Forst-Süd wurde deshalb umbenannt. Mit der Erschließung und möglichen Ausweitung des Gleises 44 sollen die Flächen südlich der Autobahn bei Bedarf für Investoren noch attraktiver werden. Die Lion Group plant gemeinsam mit der Firma Overseas den Ausbau einer Umschlaganlage, um Waren von der Schiene auf die Straße laden zu können.