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| 15:48 Uhr

Forster Geschichtsstammtisch
Spannender Ausflug in interessante Forster Geschichte

Die Geschichte um das alte Grammophon war sehr spannend, die ..noch immer funktionierende Musik darauf auch...
Die Geschichte um das alte Grammophon war sehr spannend, die ..noch immer funktionierende Musik darauf auch... FOTO: Margit Jahn
Forst. Frank Henschel fragte: „Was hat das Forster Museum eigentlich im Keller, auf dem Dachboden oder im Schuppen ?“ Von Margit Jahn

Als Fundusabend war der 55. Geschichtsstammtisch im Forster Brandenburgischen Textilmuseum deklariert. Bis auf den letzten Platz belegt, fanden die Forster Geschichtsinterressierten an diesem heißen Tag den Weg ins Museum. Das Team um Michaela Zuber hatten im unteren Geschoss mit Beamer, Schaukästen und kühlen Getränken alles gut vorbereitet.

Ingrid Ebert, als Stammgast im Museum anzutreffen, brachte auch gleich noch zwei alte Elektriker-Bücher mit. Zu schade zum Wegwerfen, befand sie angesichts der Bücher, von denen eines aus dem Jahr  1948 stammt. An einem Tag, an dem es um alte Schätze und Raritäten geht, wollte sie einen kleinen Beitrag leisten. Zuvor hatte sie deutsche Modezeitungen von 1939 abgegeben.

Museumschefin Michaela Zuber erklärte,  wie der Werdegang mit einer Schenkung, einer kurzfristigen- oder dauerhaften Leihgabe  oder einem Ankauf verläuft: Alles wird akribisch notiert. Als erstes bekommt jedes Stück eine Inventarnummer, werden Alter oder Entstehungszeitraum und mögliche Beschädigungen festgehalten. Wer hat das Objekt angefertigt? Wer hat es ins Museum gebracht? Das ist wichtig für die juristische Absicherung.

Im Idealfall können die Erben oder Besitzer eine umfassende Auskunft geben. Wenn nicht, ist man auf das Wissen anderer angewiesen. Zeitzeugen können oft weiterhelfen.  Einen Fundusabend gab es schon zu diversen Themen, wie der Geologie, zur Geschichte einzelner Betriebe oder zu Gemälden.

Frank Henschel, der als Mitinitiator der Geschichtsstammtische gilt, nannte es bei seiner Begrüßung,  „einen Abend, den ich mir sehr gewünscht habe“. Des öfteren ist er auf Flohmärkten unterwegs. Dann überlege er, was es wert wäre, wenn diese Raritäten in einem Museum aufbewahrt und ausgestellt  würden. Er las anschließend Einträge vor, die aus der Broschüre „Aus der Heimat“ von 1935 stammten. Ordentlich wurde notiert, wer was abgegeben hatte; Notgeldscheine, Döberner Glas, Schrank, Heiligenbild, römische Münzen und „eine Partisane und zwei Kreislöcher“. Zu letzterem konnte allerdings keiner der Anwesenden eine Erklärung abgeben. Die Partisane könnte eine Stoßwaffe, die es im 15.Jahrhundert gegeben hat, gewesen sein.

„Besondere Objekte die uns am Herzen liegen, erwerben wir“, sagte die Forster Museumsleiterin Michaela Zuber. Schließlich „wollen eine sichere Aufbewahrung gewährleisten“.

Eine wahre Flut an Exponaten gab es zu der Ausstellung „Kreativität statt Engpaß“ über die Findigkeit der DDR-Bürger, sich in der Mangelwirtschaft zu behelfen. Viele der Aussteller hinterließen ihre Exponate im Museum. Aber es gibt auch Fotos, die wahrscheinlich von der Einweihung des Forster Schwimmbades im Jahr 1959 stammten. Helga Tschernick hat sie dem Museum hinterlassen. Und so ist heute noch zu sehen, wie mutige Männer vom Zehn-Meter-Turm springen.

Die Gemälde von zwei Forster Malern, ein Stilleben von Carl Sellge sowie eine pommersche Landschaftsdarstellung von Max Göldnere, fanden viel Aufmerksamkeit.

Ganz neue Erkenntnisse gaben zwei Plakate, auf denen Heinz Rühmann und ein französischer Schauspieler abgebildet waren.Die Gäste erfuhren, dass der Film „Strich durch die Rechnung“, der 1932 auf der Forster Radrennbahn gedreht wurde.  zweimal verfilmt wurde. Einmal in deutsch mit Heinz Rühmann. Parallel entstand eine französische Fassung mit französischen Schauspielern in Cooperation mit der Ufa. Deren Tilel lautete „Rivaux de la Piste“.

Über eine Schenkung von Karl Jahn freuten sich die Museumsmitarbeiter. Es ist eine Schüssel mit der Aufschrift der deutschen Sprengchemie von 1938, die in der alten Jahnschen Bäckerei zur Holländer Mühle noch lange in Benutzung war. Wer auch immer noch etwas auf dem Dachboden findet, kann es gern im Museum vorstellen. Vielleicht kann es beim nächsten Treff eine lebendige Geschichte dazu geben. Geologische Fundstücke aus dem Tagebau über unzählige Jahre dort abgelagert, sicherte Kristian Schmidt. Diese seltenen Stücke könne in Vitrinen bestaunt werden. „Tintenfische, wie man sie heute nicht mehr findet“, benannte er einzelne Relikte einer längst vergangenen Zeit.

Ein besonderes Schmuckstück mit passender Geschichte zu „His Masters Voice“ („Die Stimme seines Herren“) gab es zum Schluss. Ein gut erhaltenes Grammophon konnte in „einer glücklichen Fügung“, so Michael Zuber, angekauft werden. Mit „Im Leben geht alles vorüber“ von Franz Schier als Schrammelbegleitung (1939) erwachte das alte Grammophon zu neuem Leben.

Im nächsten Stammtisch, von Henschel als „Zeitkapsel“ bezeichnet, geht es um Friedrich Passarius. Dazu trifft man sich in „Strasses Restaurant“ in Noßdorf – heute Baugeschäft Förster.