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Stallpflicht hemmt Liebesleben

Im Stall von Ingbert Jurk geht es seit Wochen eng zu. Die 30 Tiere der Rasse Australorps dürfen wegen der verordneten Stallpflicht nicht nach draußen.
Im Stall von Ingbert Jurk geht es seit Wochen eng zu. Die 30 Tiere der Rasse Australorps dürfen wegen der verordneten Stallpflicht nicht nach draußen. FOTO: kkz
Tschernitz/Döbern. Warm scheint die Sonne an diesem Februartag. Gern würde Ingbert Jurk, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Wolfshain und Umgebung, seine Hühner nach draußen lassen, aber wie alle Geflügelhalter in Brandenburg darf er es nicht. Katrin Kunipatz

Ende November ordnete bekanntermaßen das brandenburgische Verbraucherschutzministerium die Stallpflicht an. Sie gilt bis heute, weil immer wieder Wildvögel mit dem auch für Nutzgeflügel gefährlichen Virus H5N8 gefunden werden.

Der Tschernitzer Gemeindevertreter Ekkart Herold machte die Sorgen der Rassegeflügelhalter im Amtsausschuss Döbern-Land öffentlich. Die Züchter fürchten um den diesjährigen Nachwuchs, wenn die Tiere nicht bald raus kommen. Beispielsweise können Enten im Stall ohne Wasser gar nicht Liebe machen. Ingbert Jurk erklärt: "Unsere Ställe sind als Unterstand für die Nacht, für die Nester und zum Schutz vor dem Fuchs gebaut, aber nicht geeignet, die Hühner dauerhaft drin zu halten." Für seine Australorps - eine große Hühnerrasse mit blauschwarz schimmerndem Gefieder - hat er im Schuppen einen kleinen Auslauf improvisiert. Ähnlich sei es auch bei den anderen 15 Züchtern des Vereins in Jämlitz, Klein und Groß Kölzig und Döbern. Jeder hält etwa vier verschiedene Rassen, darunter sind seltene wie Emdener Gänse, Cröllwitzer Puten oder die Hühnerrassen Orpington und Indische Kämpfer. Sie könnten ganz verschwinden, so Ekkart Herold. "Wir wünschen uns, dass der Amtstierarzt ein gutes Wort für unsere Tiere einlegt und trotz Krisensituation eine Lösung findet", sagt er.

Amtstierarzt Dietmar Vogt weißt um die Nöte der Geflügelhalter. 4500 sind es im Landkreis Spree-Neiße. Doch er darf die Stallpflicht nur beenden, wenn der Ministeriumserlass aufgehoben wird. "Die Anordnung soll das Hausgeflügel vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen", erklärt er. Deshalb sollen die Rassegeflügelhalter konsequent die Hygienevorschriften beim Umgang mit ihren Tieren beachten. Am wichtigsten ist es, den Kontakt zwischen Rassegeflügel und Wildtieren sowie den Ausscheidungen der Wildvögel zu verhindern. Das Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt separate Kleidung für den Stall und einen mit entsprechenden Netzen abgedeckten Auslauf.

"Die Stallpflicht besteht in diesem Jahr ungewöhnlich lange", sagt Dietmar Vogt. Dies belaste nicht nur die Rassegeflügelhalter, die sich um die nächste Generation ihrer Ausstellungstiere sorgen, sondern auch die Produzenten von Freilandeiern. Nach drei Monaten Stallpflicht dürfen sie die Eier nicht mehr mit dem Siegel Freilandhaltung verkaufen. Auch deshalb hofft Amtstierarzt Dietmar Vogt, dass die Stallpflicht bald aufgehoben wird. "Denkbar wäre auch eine teilweise Rücknahme und die Ausweisung von Risikobereichen, wo Stallpflicht bestehen bleibt - etwa an den Peitzer Teichen", sagt der Amtstierarzt und verweist auf Nordrhein-Westfalen. "In jedem Fall werden wir schnell reagieren, wenn die Aufstallungspflicht aufgehoben wird", verspricht er. Seite 19