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Bürgermeisterwahl
Stadion, Innenstadt und alten Fabriken – Kandidaten antworten zur Stadtentwicklung

FOTO: Janetzko, Katrin / LR
Forst. Die Forster sind aufgerufen am 22. April ihren neuen Bürgermeister zu wählen. Fünf Kandidaten bewerben sich um das Amt. Die RUNDSCHAU fragte zur Stadtentwicklung, der Zukunft des Stadions, dem Umgang mit Industriebrachen, der Attraktivität des Wohnortes Forst. Von Katrin Kunipatz

Das Zentrum ist das Gesicht und das Herz einer Stadt. Wie sollte das Forster Zentrum weiter entwickelt werden?

Aimo Bartel, parteiloser Bürgermeisterkandidat
Aimo Bartel, parteiloser Bürgermeisterkandidat FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Aimo Bartel: Stadtentwicklung bzw. Zentrumsentwicklung ist eine räumliche, historische sowie strukturelle Gesamtentwicklung. Hier muss klar differenziert werden zwischen wünschenswert und machbar. Ziel ist eine Rundumbebauung mit Wohnungen und Geschäften. Es wird schwierig, da man Investoren finden muss. Derzeitig ist es schwer sein eine attraktive Rendite in Aussicht zu stellen. Das städtebauliche Konzept sollte überdacht werden beim demografischer Wandel und mit ökonomischer und gewerblicher Weitsicht.

Das Gesicht der Stadt Forst wird von vielen ehemaligen Betrieben geprägt, von denen viele aber leer stehen, verfallen oder nur noch als Industriebrache in Erscheinung treten. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei diesem Problem?

Aimo Bartel: Aktuell ist eine weitergehende Nutzung nicht einschätzbar, im Vorfeld müssten zunächst einmal für jedes einzelne Objekt grundsätzliche Fragen geklärt werden (Eigentumsverhältnisse, Bausubstanz, Kontaminierungen, evtl. Einschränkungen durch Denkmalschutz, etc.) Hier entstehen schon im Ansatz, ehe an konkrete Nutzungsmöglichkeiten ernsthaft gedacht werden kann, erhebliche Kosten). Ich mir aber vorstellen das es noch einige Bauwerke und Areale gibt die man einer sinnvollen Nutzung zuführen kann.

Welche Position vertreten Sie bei der Diskussion um die Sanierung / Neugestaltung des Stadions am Wasserturm?

Aimo Bartel: Das am Wasserturmstadion etwas getan werden muss ist unumstritten, nur in welchem Ausmaß ist es sinnvoll. Beim Wasserturmstadion sehe ich das Konzept als gute Idee und Vorstellung aber aus dem Rahmen. Schon in Anbetracht der Kosten (auch wenn gefördert), Refinanzierung, Unterhalt, Auslastung und Nutzungsentgelte. Wir dürfen dabei das Radstadion nicht vergessen, 2 halbausgelastete Stadien sind Unsinn. Sinnvolle Sanierung mit Weitblick, ja. Nach jetzigem Modell, nein.

Wie kann Forst als Wohnort attraktiver werden für – Familien, Senioren und Jugendliche?

Aimo Bartel: Grundübel sind Stagnation, Perspektivlosigkeit, fehlende Ideen, es müsste eine Bilanz aufgemacht werden, die Wirtschaftsförderung und die FWG auf den Prüfstand stellen (was Leerstände und Flächen angeht). Attraktiver Wohnraum reicht nicht aus, wenn es keine attraktiven Arbeitsplätze in Forst oder in erreichbarer Nähe (Bus, Bahn) gibt. Nur ein entsprechendes Zuzugsprogramm mit wirtschaftlichem Aufschwung, der Kultur und Freizeit einschließt, macht die Stadt attraktiv und schafft Perspektiven.

Das Zentrum ist das Gesicht und das Herz einer Stadt. Wie sollte das Forster Zentrum weiter entwickelt werden?

Helge Bayer, Bürgermeisterkandidat der CDU
Helge Bayer, Bürgermeisterkandidat der CDU FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Helge Bayer: Wir brauchen einen Stadtkern, der mit zwei Straßen gut erreichbar ist. Das Areal um unsere Stadtkirche eignet sich am besten. Da sehr viele im Außenrand wohnen, sind auch geeignete Parkmöglichkeiten notwendig. Ähnlich wie ein Häuslebauer erst den Haustyp aussucht und dann erst die Innengestaltung angeht, sollten wir zunächst klären, ob wir eine Stadtbrücke wollen. Erst dann macht eine feinteilige Innenstadtplanung Sinn. Das mit „Grüne Mitte“ bezeichnete Areal sollte ausgewogen betrachtet werden.

Das Gesicht der Stadt Forst wird von vielen ehemaligen Betrieben geprägt, von denen viele aber leer stehen, verfallen oder nur noch als Industriebrache in Erscheinung treten. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei diesem Problem?

Helge Bayer: Eigentum verpflichtet! Wir sollten kurzfristig die Frage beantworten, welche dieser Flächen für unsere Stadtentwicklung gut geeignet sind und einer neuen Nutzung und Prägung zugeführt werden können. Da bei jedem Grundstück eine Eigenbewertung anzustellen ist, also Eigentumsfrage, Förderfähigkeit und zukünftige Nutzungsmöglichkeit geklärt werden muss, denke ich, dass pro Jahr eines der 40 Industrieruinengrundstücke einer Lösung zugeführt werden kann. Arbeit für 40 Jahre! Beginnen müssen wir.

Welche Position vertreten Sie bei der Diskussion um die Sanierung / Neugestaltung des Stadions am Wasserturm?

Helge Bayer: Endlich gemeinsam mit dem Landkreis. Eine der wichtigsten Aufgaben, die ich sehe, ist die Identifikation aller mit unserer Stadt. Zusammenhalt stärken. Dies geht mit einem freizeitbezogenen Zentrum. Ich sehe hier ein großes Sport- und Freizeitareal: Links neben der Schwimmhalle unser saniertes Stadion, das viele Vereine anspricht. Rechts eine offen zugängliche Volleyball- und Skateboardanlage für Freizeitsportler. Vielleicht sogar mit einer kleinen Beachbar. Alle Forster sollen mit entscheiden!

Wie kann Forst als Wohnort attraktiver werden für – Familien, Senioren und Jugendliche?

Helge Bayer: Wohnattraktivität muss wieder in die Innenstadt gebracht werden. Eine gesunde Einkaufsinfrastruktur ist mir wichtig. Der Bereich des neuen Einkaufsmarktes an der Ecke Berliner/Bebel Straße ist gut weiterentwickelbar, auch wegen seiner Nähe zum Bahnhof. Dem harmonischen Zusammenspiel von altersunterschiedlichen Interessen, wie Barrierefreiheit, jugendlichen Freizeitwünschen, muss Beachtung geschenkt werden. Innenstadtspielplätze fehlen total. Die Neißewiesen, super für Spiel, Freizeit und Kultur.

Das Zentrum ist das Gesicht und das Herz einer Stadt. Wie sollte das Forster Zentrum weiter entwickelt werden?

Thomas Engwicht, parteiloser Bürgermeisterkandidat
Thomas Engwicht, parteiloser Bürgermeisterkandidat FOTO: Steffi Ludwig / LR

Thomas Engwicht: Ein richtiges Zentrum lässt sich in Forst leider schwer definieren. Mir ist es wichtig, den Freiraum um unsere schöne Nikolaikirche mit neuem Leben zu füllen, ohne den Bereich des Berliner Platzes zu schwächen. Hier liegt eine große Herausforderung, die ich gemeinsam mit allen Beteiligten und sicherlich auch neuen Partnern angehen werde. Ich möchte einen kurzfristigen Start bei der Südbebauung des Marktes. Von hier soll ein zuversichtlicher Impuls für die neue Innenstadtentwicklung ausgehen.

Das Gesicht der Stadt Forst wird von vielen ehemaligen Betrieben geprägt, von denen viele aber leer stehen, verfallen oder nur noch als Industriebrache in Erscheinung treten. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei diesem Problem?

Thomas Engwicht: Bei diesem Problem habe ich in eigener Initiative bereits gezeigt, dass es möglich ist, wertvolle Industriebauten zu retten und auch einer zukunftsfähigen Nutzung zuzuführen. Die dabei gesammelten Erfahrungen werde ich einsetzen, um Investoren zu ermutigen, es mir gleich zu tun. Sollten sich Möglichkeiten ergeben werde ich auch städtische Investitionen auf diesem Gebiet anregen. Für viele Objekte ist aber nur noch ein Rückbau möglich. Ich werde Investoren auch dabei unterstützen, Platz für Neues zu schaffen.

Welche Position vertreten Sie bei der Diskussion um die Sanierung / Neugestaltung des Stadions am Wasserturm?

Thomas Engwicht: Aufgrund enger Verbindungen zum „Freundeskreis Stadion am Wasserturm“ bin ich bereits seit Beginn der Bemühungen mit dem Thema vertraut. Ich selbst habe im Stadion viel Zeit verbracht und meine Kinder absolvieren dort zum Teil den Sportunterricht. Ich bin für eine schnellstmögliche Sanierung in Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Eine erneute Diskussion um den Standort des SFZ lehne ich ab. Das bedeutet aber nicht, dass es neben der Nutzung für Leichtathletik und Schulsport nicht auch andere Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten geben soll.

Wie kann Forst als Wohnort attraktiver werden für – Familien, Senioren und Jugendliche?

Thomas Engwicht: Bei vielen Kriterien, wie Landschaft/Natur, Kinderbetreuung/Grundschulen, Grundstücks- und Mietpreisen halte ich Forst für durchaus attraktiv als Wohnort. Zu meinen Zielen zur Steigerung der Attraktivität zählen eine spürbare Verbesserung der Sicherheitssituation, neue Angebote für generationengerechtes Wohnen, bessere Verkehrsanbindungen für Pendler und natürlich die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Forst. Meine Ideen zum Begrüßungsgeld und zur Vereinsarbeit wären konkrete Maßnahmen für Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit.

Das Zentrum ist das Gesicht und das Herz einer Stadt. Wie sollte das Forster Zentrum weiter entwickelt werden?

Ingo Paeschke, Bürgermeisterkandidat der Linken
Ingo Paeschke, Bürgermeisterkandidat der Linken FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Ingo Paeschke: Eine Wohnbebauung rund um den Markt ist zwingend erforderlich. Neben einer dreigeschossigen Bebauung direkt am Markt könnten dahinter auch Einfamilienhäuser entstehen. Geschäfte und Gastronomie wären wünschenswert, sind aber aktuell unrealistisch. Es besteht die Aufgabe, die leerstehenden Läden im Zentrum wieder zu beleben.

Das Gesicht der Stadt Forst wird von vielen ehemaligen Betrieben geprägt, von denen viele aber leer stehen, verfallen oder nur noch als Industriebrache in Erscheinung treten. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei diesem Problem?

Ingo Paeschke: Die Grundstücke sind oft im Privatbesitz und stehen unter Denkmalschutz. Es wird unumgänglich sein, in einer intensiven Diskussion mit den Denkmalbehörden, zu klären welche Objekte erhaltenswert sind und wo Abriss die einzige Lösung ist. Die Ansprüche der Denkmalbehörde und die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zur Sanierung klaffen allerdings weit auseinander. Die Nutzung einzelner Objekte für junge Unternehmen sollte angestrebt werden, dazu wird es auch erforderlich sein, Risikokapital bereit zu stellen.

Welche Position vertreten Sie bei der Diskussion um die Sanierung / Neugestaltung des Stadions am Wasserturm?

Ingo Paeschke: Das Stadion soll Zentrum der Stadt für Sport, Jugend und Freizeit werden. Die schrittweise Sanierung unter Ausschöpfung aller Fördermöglichkeiten muss Priorität haben. Gemeinsam mit dem Landkreis müssen die Sportanlagen so saniert werden, dass ein ordentlicher Schulsport für das Gymnasium wieder möglich wird. Eine seit Jahrzehnten gewünschte Skateranlage soll auf der Anlage entstehen.

Wie kann Forst als Wohnort attraktiver werden für – Familien, Senioren und Jugendliche?

Ingo Paeschke: Gute Verkehrsanbindungen sind die zwingende Voraussetzung für Berufstätige und Studenten der Cottbuser Universität, um in Forst zu wohnen und außerhalb zu arbeiten. Die vorhandenen Schulen in der Stadt müssen erhalten werden. Für ältere Menschen geht es vor allem um eine gute medizinische Versorgung und ein gut organisiertes Netz für die Pflege im Alter Menschen sollen die Chance haben, bis ins hohe Alter in ihrem gewünschten Wohnumfeld zu leben.

Das Zentrum ist das Gesicht und das Herz einer Stadt. Wie sollte das Forster Zentrum weiter entwickelt werden?

Simone Taubenek, parteilose Bürgermeisterkandidatin
Simone Taubenek, parteilose Bürgermeisterkandidatin FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Simone Taubenek: Eine Stadt – vor allem eine Kreisstadt – ohne Innenstadt ist unattraktiv, insbesondere auch für Touristen. Die Belebung der Innenstadt durch Beseitigung des Leerstandes von vorhandenen Gewerbeflächen ist wünschenswert, vor allem mit einem Sortiment, das in der Stadt noch nicht vorhanden ist. Auch Wohnungen sollten nicht leer stehen. Einer Bebauung rund um die Nikolaikirche, sofern sie förderrechtlich möglich ist und es einen Bedarf hierfür gibt, stehe ich sehr offen gegenüber.

Das Gesicht der Stadt Forst wird von vielen ehemaligen Betrieben geprägt, von denen viele aber leer stehen, verfallen oder nur noch als Industriebrache in Erscheinung treten. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei diesem Problem?

Simone Taubenek: Diese Thematik stellt mit das größte Problem in der Stadt dar und muss m.E. unterschiedlich, nämlich anhand der bestehenden Eigentumsverhältnisse betrachtet werden. Vorstellbar wäre z.B. eine Kooperation mit der BTU, Bereich Architektur, um ein An-Institut neu zu beleben und die verschiedenen Gebäude zu entwickeln. Bei den derzeitigen Kreditbedingungen kann ich mir auch eine andere Vermarktung der Objekte vorstellen, um Interessenten zu finden. Aber ohne Fördermittel wird hier nichts gehen.

Welche Position vertreten Sie bei der Diskussion um die Sanierung / Neugestaltung des Stadions am Wasserturm?

Simone Taubenek: Beim Stadion am Wasserturm sollte der Ansatz verfolgt werden, das gesamte Areal zu einem Schul-, Sport- und Freizeitcampus zu entwickeln, wo auch das Schülerfreizeitzentrum und die neue Skaterbahn ihren Platz finden sollten. Ein modernes Stadion, um sowohl den Schul- als auch den Vereinssport sowie andere Veranstaltungen, z.B. Volleympics oder Konzerte, zu gewährleisten, gehört einfach dazu. Die Ideen des Freundeskreises sollten da in die Planungen einbezogen werden.

Wie kann Forst als Wohnort attraktiver werden für – Familien, Senioren und Jugendliche?

Simone Taubenek: Forst (Lausitz) ist als Wohn- und Lebensort sehr lukrativ; einige wissen es mangels Vergleich leider nicht und anderen müssen wir es mit einer großen Marketingkampagne bekannt machen. Dazu gehört die Darstellung der Grundstücks- und Mietpreise, die Betreuungsmöglichkeiten für die Kleinen, die unterschiedlichen Schulformen, das vielfältige Vereinsleben, die Nähe zum Spreewald, nach Berlin, Dresden und Polen sowie das kulturelle Angebot. Das bedeutet nicht, dass alles gut ist; besser geht immer.

Die vollständigen Antworten auf weitere Fragen zu den Themen Bürgerbeteiligung, Sicherheit und Wirtschaft sowie ihre persönliche Motivation lesen Sie in weiteren Beiträgen ebenfalls unter www.lr-online.de.