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| 16:22 Uhr

Tagung im Kreishaus
Großes Forum dient kleinen Tieren

Welche Bedeutung haben Bienen für die Menschen? Wie kann das Bewusstsein in der Bevölkerung gestärkt werden? Über solche Fragen berieten die Teilnehmer der Konferenz.
Welche Bedeutung haben Bienen für die Menschen? Wie kann das Bewusstsein in der Bevölkerung gestärkt werden? Über solche Fragen berieten die Teilnehmer der Konferenz. FOTO: Thoralf Haß
Forst. Erstmals haben sich Fachleute aus der Agrarbranche in Forst zu einer Bienenkonferenz getroffen. Gemeinsam wollen sie dem Bienensterben in Spree-Neiße entgegenwirken.

Die erste Bienentagung des Landkreises Spree-Neiße hat am Sonnabend im Forster Kreishaus stattgefunden. Eingeladen waren nicht nur Imker und Landwirte aus dem Spree-Neiße-Kreis, sondern auch Kommunalpolitiker, Vertreter von Naturschutzorganisationen sowie der Jagd- und Forstwirtschaft.

Neben Fachvorträgen zu den Themen Bienensterben, Pflanzenschutz und Bienenhaltung oder der Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt standen vor allem regionale Aspekte im Mittelpunkt. Die Biene hat einen unvergleichlichen Stellenwert als Pflanzen- und Baumbestäuber. Sie sorgt ebenfalls für eine farbenfrohe Blütenpracht im heimischen Garten und leckeren Honig auf dem Frühstückstisch. Doch ihre Existenz ist durch Krankheiten, Pflanzengifte und einem immer geringeren Lebensraum bedroht.

Olaf Schöpe vom Imkerverein Cottbus schilderte, wie sein Verein Kinder und Jugendliche für die Bienen sensibilisiert. An der Umweltschule in Dissenchen gibt es seit dem Jahr 2017 eine Schulimkerei. „Bienen machen Schule“ lautet dort das Motto. „Die Schüler lernen in der Bienen-AG die Liebe zur Natur kennen.“, so Schöpe. So bekommen die Schüler auch praktisches Handwerk vermittelt, indem sie sich ganzjährig um die Bienenvölker neben dem Schulhof kümmern, angefangen von der Winterfütterung über die Varroamilben-Behandlung bis zur Honigernte.

Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal, erklärte die Sicht der Landwirte. 2454 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gehören zur Bauern AG. Wie Wetteraufzeichnungen ergeben, weist die Region mittlerweile 21 Vegetationstage mehr auf als noch vor einigen Jahrzehnten. Das stelle die Landwirte vor neue Herausforderungen, auch was die Aussaat von Pflanzen betrifft. Er verteidigte zugleich seine Zunft gegenüber immer wieder – oft auch zu Unrecht - aufkommenden Beschwerden der Imker. Dauerstreitpunkt ist hierbei Glyphosat, ein Pflanzenschutzmittel, welches für die Bienen zur tödlichen Gefahr wird. Starick verwies auf die Verantwortung der Landwirte beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: „Ja, es stimmt, dass regelmäßig die Pflanzenschutzindustrie bei mir klingelt. Doch letztendlich entscheide ich als Bauer, mit welchen Pflanzenschutzmitteln wir aufs Feld fahren, und nicht die Industrie.“ Seine Bauern AG kam im vergangenen Jahr auf einen Glyphosateinsatz von 0,3 Prozent, was ungefähr acht Hektar ausmacht. Er nannte noch einen weiteren wichtigen Punkt, warum seiner Meinung nach die Stimmungsmache ungerechtfertigt ist: „Jeder Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kostet nicht wenig Geld. Da überlegt man sich als Landwirt schon, ob das Geld nicht woanders dringender benötigt wird.“ Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolge nach Bedarf und nicht nach Plan. „Wir haben gelernt, das eine oder andere Insekt zu akzeptieren“, betont Bernd Starick.

Um den Lebensraum und die Nahrungsgrundlage der Bienen zu verbessern, baut die Bauern AG in der Fruchtfolge als Zwischenfrucht bienenfreundliche Pflanzen an, etwa Luzerne, die lange blüht. Als sogenannte Bienenweide wurden 50 Winterlinden gepflanzt. Als Ausgleichsmaßnahme für den Windpark Briesnig wurden Bienenweidegehölze gesetzt.

Die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek schilderte aus Sicht einer kommunalen Verwaltung, was für die Bienen getan werden kann. So gab es kürzlich einen kleinen Umweltgipfel im Kompetenzzentrum. In der Stadt Forst gibt es eine Baumschutzsatzung. Auf 54 Hektar städtischer Rasenfläche wird eine flächige Obstbaumbepflanzung angestrebt. Das Betriebsamt setze nur vereinzelt Pflanzenmittel ein. Problematisch sei das Bewusstsein über die vermeintliche Notwendigkeit von Mäharbeiten. Was viele Einwohner als ungepflegte Grünfläche betrachten, diene eigentlich der Erhaltung von Nistflächen für Nützlinge wie Bienen und anderen Insekten. „Was wir uns als Stadt wünschen, ist eine fachkundige Schulung des Grünflächenpflegepersonals“, so Taubenek.

Gemeinsam mit den Teilnehmern der Bienentagung wurde ein von der Kreisverwaltung ausgearbeitetes 6-Punkte-Arbeitspapier entwickelt. Darin wurden die wichtigsten der angesprochenen Punkte aufgenommen. So soll die Kommunikation zwischen Imker und Landwirt verbessert werden. Helfen soll dabei eine webbasierte Standortkarte, auf denen Bienenstandorte eingetragen werden. Der Landwirt kann dann bei einem unvermeidlichen Einsatz von Pflanzenmitteln reagieren und den Imker vorab über den Einsatz informieren.

Blühstreifen an Wege- und Ackerrändern sollen angelegt werden. Dazu wird das Land Brandenburg aufgefordert, eine entsprechende Förderung zu initiieren. Die Förderrichtlinie des Landkreises soll überarbeitet, die Fördersumme aufgestockt werden. Ein weiterer Punkt ist die Zusammenarbeit mit Bildungsträgern. Die Grünflächenpflege in den Kommunen soll verändert und optimiert werden. Und schließlich soll auch die Informationspolitik für die Öffentlichkeit verstärkt werden. Dazu wurde bereits eine Informationsbroschüre „Bienen schaffen Leben“ durch den Landkreis erarbeitet, die in den Verwaltungen, Tourismusbüros oder bei den Imkervereinen erhältlich ist.

Olaf Lalk, Beigeordneter des Landkreises Spree-Neiße und Gastgeber des Bienentages, fasste zum Abschluss noch einmal das Anliegen der Zusammenkunft, die zukünftig regelmäßig stattfinden soll, zusammen: „Wir wollen nicht die Weltwirtschaft verändern, sondern nur wissen, was wir in unserem Landkreis tun können, damit die Biene hier heimisch bleibt.“