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| 18:20 Uhr

Nur eine Bereitschaftspflegestelle
Spree-Neiße sucht Pflegeeltern

Die Unterbringung im Heim kann einen Platz bei Pflegeeltern nicht ersetzen, betont der Landkreis Spree-Neiße. Er sucht nach weiteren Interessierten, die Kinder bei sich aufnehmen wollen.
Die Unterbringung im Heim kann einen Platz bei Pflegeeltern nicht ersetzen, betont der Landkreis Spree-Neiße. Er sucht nach weiteren Interessierten, die Kinder bei sich aufnehmen wollen. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Spree/Neiße. Massiv fehlt es an Plätzen für Kinder zwischen null und vier Jahren. Von Daniel Schauff

Es sind die vielleicht schrecklichsten Momente – für Kinder, für Familien, für die Mitarbeiter des Jugendamts im Spree-Neiße-Kreis. Sind Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, müssen die Kinder im schlimmsten Fall in Obhut genommen werden. Gerade erst hat eine Gewalttat in der Gymnasialstraße in Forst für Aufsehen gesorgt: Ein Mann schlägt eine Frau brutal mit einer Flasche, die kleinen Kinder der Frau müssen die Tat mit ansehen. Laut Polizei sind die Kinder in Obhut genommen worden, Unterbringungsmöglichkeiten seien organisiert worden, hieß es.

Dass das nicht einfach ist, zeigt die Zahl, die der Soziale Dienst des Landkreises Spree-Neiße nennt. Demnach gibt es im gesamten Kreis nur eine einzige Bereitschaftspflegestelle mit insgesamt zwei Plätzen. Dahinter stecken Menschen, die sich bereit erklären, Kinder im Falle einer Inobhutnahme gleich aufzunehmen. „Ein harter Job“, sagt Marlen Knobloch, Leiterin des Sachgebiets Sozialer Dienst beim Kreis. Doch nicht nur der Job sei hart, generell steckt eine Menge Verantwortung hinter der Aufgabe, Pflegekinder aufzunehmen und ihnen ein adäquates Ersatzzuhause zu bieten. Laut Marlen Knobloch gibt es im Kreis aktuell 150 Pflegekinder. Das heißt auch: Es haben sich Menschen gefunden, die – wenn auch nicht in Form einer Bereitschaftspflegestelle – Kinder aufnehmen. Aber, das betont die Sachgebietsleiterin: Es sind noch zu wenige.

Der Landkreis sei massiv auf der Suche nach neuen Pflegestellen für Kinder von null bis vier Jahre, sagt Marlen Knobloch. Im November kündigt der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie des Landkreises zwei Vorbereitungskurse für Interessenten an (siehe Infokasten). Die zuständige Sachgebietsleiterin beim Kreis betont: Wer Pflegestellen schaffe, werde vom Kreis engmaschig begleitet. Persönliche Beratungsgespräche, Bewerberseminar, Fortbildungsveranstaltungen – der Kreis hat vorgesorgt für diejenigen, die Kindern ein neues Zuhause geben wollen. Der Pflegekinderdienst sei in allererster Linie für die Pflegeeltern da und Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen rund um den eigenen Einsatz als Pflegeeltern, erklärt Marlen Knobloch.

Zeit, Geduld, Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit, Toleranz, Kooperationsbereitschaft und ausreichend Wohnraum – die Anforderungen an werdende Pflegeeltern sind hoch. Finanziell werden sie unterstützt, versichert die Sachgebietsleiterin beim Kreis. Sie hofft auf neue Interessenten für die Aufgabe – Kinder, so heißt es in dem entsprechenden Aufruf des Spree-Neiße-Kreises im aktuellen Amtsblatt, brauchen Sicherheit, Zuwendung, Hilfe, Verständnis, Anreiz, Freiheit und Liebe. Und Menschen, die ihnen das alles geben können.